Das Eishockeyspiel am nationalen Trauertag

von 10.Januar 2026National League

Es gibt Momente und Tage, da steht die Welt still. Heute war so ein Tag. Und auch wenn die Wichtigkeit eines Eishockeyspiels ob der Tragödie von Crans Montana verblasst, so hat dieses stattgefunden. Für Bern mit einem enttäuschenden Ausgang. Trotzdem stand Joel Vermin (Foto) nach der Partie Red und Antwort.  

Heute, am 9. Januar 2026, findet der nationale Trauertag in Gedenken an die Opfer, Verletzten und deren Angehörigen und Freunde statt. Die unfassbare Brandkatastrophe, die am frühen Neujahrstag in Crans Montana 40 Todesopfer und weit über 100 Verletzte gefordert hat, war selbstverständlich auch an diesem Abend in Bern Thema. Aus Respekt vor den Betroffenen fand der Einlauf der Teams diesmal ganz anders statt.

Die beiden Teams und die Schiedsrichter liefen denn auch in totaler Stille aufs Feld. Niemand war laut, alle gedachten der Betroffenen. Der Walliser Regierungspräsident Matthias Reynard hatte an der Trauerfeier Albert Camus zitiert:  Albert Camus écrivait qu’au milieu de l’hiver, il avait trouvé en lui un invincible été. Cette pensée nous rappelle que quand tout semble figé par le froid, la nuit, la douleur, la vie continue de murmurer en nous. Genau das galt denn auch heute in der Postfinance Arena. Mögen solche gemeinsamen Momente den Schmerz lindern.

Das Spiel begann so, wie man es sich von einer Partie zwischen dem 10. und dem 13. der Tabelle erwarten kann. Abtastend, ohne grosse Gefahr hüben wie drüben. Und auch mit mangelnder Präzision beider Teams. Die Physionomie des Spiels änderte sich im ersten Drittel, ja eigentlich im ganzen Spiel  nicht. „Es könnte ein langer Abend werden bis auf dem Eis etwas passiert“, meinte ein Journalist auf der Medientribüne. Und dem war nicht zu widersprechen. Auch Joel Vermin sah das nach dem Spiel ähnlich. „Es ist extrem frustrierend, wie gegen Servette hatten wir auch heute ein Chancenplus und wir machen die Tore nicht.“

Selbst eine Strafe gegen Ambri und gleich danach eine gegen den SCB vermochte das nicht zu ändern. Ambri spielte zwar ein etwas besseres Powerplay, aber auch da kam zu wenig Nennenswertes. Zu unpräzis und zu wenig zwingend waren beidseits die Spielaktionen. Und so endete dieses erste Drittel einigermassen gefahr- und damit folgerichtig torlos.

Auch im zweiten Drittel änderte sich nicht viel. Mit Ausnahme eines Big Safe von Adam Reideborn war die Partie weiterhin arm an Höhepunkten, Und auch auf der anderen Seite konnte sich der Ex-Berner im Tor von Ambri, Philipp Wüthrich, mit einer schönen Parade auszeichnen. Wüthrich und Reideborn, die übrigens am Schluss des Spiels zu den Best Player ihrer jeweiligen Teams gewählt wurden. Was bei einem 0:0 auch logisch ist. Das zweite Powerplay der Berner liess sich etwas besser an, doch dann nahmen sie sich den Vorteil gleich selbst. Der Berner Marc Marchon wurde auch auf die Strafbank beordert.

Und so endete auch das zweite Drittel noch etwas gefahrenloser und damit ebenso torlos. Bern hatte auch im zweiten Drittel ein wenig mehr Torchancen gehabt und auch das eine oder andere Mal mehr aufs Tor geschossen. Aber nichts, das eine Führung für eine der beiden Mannschaften gerechtfertigt hätte. 0:0. Pause. Auch das dritte Drittel bot nichts wirklich Besseres. Insofern zeigte sich, dass das, was der Chronist anfänglich als „abtasten“ definiert hatte, leider die aktuelle Leistungsfähigkeit der beiden Teams abbildet. Oder um bei Bern eine altbekannte Analyse zu wiederholen. Man schiesst zu wenig Tore. Die heutige Torschussstatistik zeigt die Berner Abschlussschwäche schonungslos auf. 45 Mal hat der SCB aufs Ambri Tor geschossen und kein einziges mal getroffen.

„Ich kann dir eigentlich auch nicht sagen, woran es liegt, dass die Tore nicht fallen“, meinte Joel Vermin. „Wir haben viele Chancen, aber machen sie einfach nicht. Auch das Powerplay ist aktuell eine Baustelle, an der wir arbeiten müssen.“ Doch wie arbeitet man an solchen Dingen? Kann man das trainieren? Dazu nochmals Joel Vermin. „Wir haben jeden Tag Training, spielen und üben die Situationen. Und wir schauen die Spielaktionen grad danach auf dem Eis und danach auch noch im Video an. Irgendwo ist aktuell der Wurm drin.“

Und wenn eine der Mannschaften einmal, wie Bern in der 48. Minute, eine Chance hatte, dann vergab man vor dem gegnerischen Tor schon fast kläglich. Die mangende Berner Konstanz mag auch auf den Umstand zurück zu führen sein, dass der Berner Coach Heinz Ehlers seine Linien immer mal wieder umstellt. Selbstverständlich würde wohl nie ein Spieler zu Protokoll geben, dass die dauernd wechselnden Linienzusammenstellungen der Qualität abträglich sind. Und trotzdem ist das sicher nicht optimal.

Die heutige Partie war auch arm an positiven Emotionen. Hüben wie drüben gab es keinen Spieler, der mit einem ausserordentliche Engagement seine Kollegen hätte mitreissen können. Und so war es nach wie vor die grösstmögliche Freude, wenn man – wie in der 53. Minute – den Pfosten klingen hörte. Bern hatte geschossen. Und so erfreute man sich weiterhin an Belanglosem. Wie am Umstand, dass zu diesem Zeitpunkt beide Teams je 22 Bullys gewonnen hatten.

„Spielen die beide auf 0:0“? So des Chronisten Frage, der neben mir sitzt. Ja, so sah’s zumindest aus. Auch wenn wir alle ja wissen, dass es im Eishockey keine Unentschieden gibt. Wobei das Unentschieden jedem einen Punkt sichert. Was ein Ziel, aber eigentlich nicht DAS Ziel sein kann. Und so endeten die 60 regulären Sppielminuten 0:0. Folgerichtig torlos und auch enttäuschend. Hie und da war der eine oder andere Pfiff zu hören. Und dann ertönte die übliche Hymne von „once upon in the west“.

Und so gings im Nordosten Berns in die Verlängerung, die einen Sieger bringen würde. Wer weiss, vielleicht würde sich die Prophezeiung des Chronisten bewahrheiten. 1:0 nach Penaltyschiessen. Bern war in der Overtime sehr aufs Puckhalten bedacht. Was im Spiel 3 gegen 3 sicher eine valide Option ist. Und prompt kassierte Ambri eine Strafe. Bern nahm sein Timeout und bereitete so die 4:3 Überzahl vor.

Zum Beginn des Powerplays war sogar ein Stock eines Ambri Spielers in Brüche gegangen, was für Bern eine noch bessere Chance brachte. Hatten somit nur noch zwei Ambri Verteidiger einen Stock. Doch auch diese Möglichkeit nutzten die Mutzen nicht. Ambri hatte in der Verlängerung fast nie die Scheibe, doch Bern machte nichts daraus. Fertig. Penaltyschiessen.

In diesem legten die Leventiner 2:0 vor und damit den Grundstein zum Sieg. Einen Sieg, den sie nach dem vierten verschossenen Berner Penalty auch feiern konnten. Bern hat also innerhalb einer Woche zum zweiten Mal zu Hause verloren und kein einziges Tor erzielt, Penaltyschiessen inklusive. Wenn man in einer Baisse ist, ist’s umso wichtiger, mit den positiven Aspekten in die für Bern unmittelbare Zukunft zu schauen. Was nimmt man jetzt als Positives für die Partie gegen Biel mit. Nochmal Joel Vermin. „Wir haben eigentlich gut gespielt und haben Ambri nicht viele Chancen zugestanden. Wir haben einen guten Match gespielt, aber ja….“ Vermin überlegt und meint dann. „jeder muss sich an der eigenen Nase nehmen. Mir müesse dr inner Souhung a der Nase näh, zum e chly meh Zwick a dr Geisle z’ha.“

Sagt’s und kehrt mit einem freundlichen Händedruck in die Garderobe zurück. Schön ist, dass sich die Berner Spieler den Fragen auch in jenen Momenten stellen, in denen es nicht läuft. Und auch wenn sie manchmal nach Erklärungen ringen, so finden sie immer Worte der Begründung und auch der Wertschätzung.

Und so geht der heutige nationale Trauertag in Gedenken an die Opfer von Crans Montana zu Ende. Zurück bleibt aktuell riesige Trauer, Leere und Bestürzung. Wichtig ist in solchen Momenten, dass man sich durch Freunde, Bekannte und Verwandte getragen fühlen darf und dass man so, ob all der Trauer über diese Tragödie, den Mut nicht verliert und weiss, dass man wieder aufstehen wird. So möchte der Chronist zum Schluss dieses Berichts zwei Zitate für sich reden lassen. Sie stammen von Matthias Reynard, dem Walliser Regierungspräsidenten und vom Bundespräsidenten Guy Parmelin.

Matthias Reynard: „Mesdames et messieurs, chères familles. Dans le respect, dans le souvenir, dans la solidarité, c’est ensemble et unis que nous nous relèverons. C’est ensemble et unis que nous continuerons d’avancer vers un invincible été.»

Guy Parmelin: „Diese Solidarität berührt und verpflichtet uns. Wir wissen heute, dass wir in der Not nicht allein sind. Unsichtbar, (ist es) schliesslich, weil so viele unserer Kinder nicht mehr bei uns sind. Sie haben uns in einer Bar verlassen, die nach einem Sternbild benannt war. Im Licht der Sterne werden sie für immer weiterleben.“

 

SC Bern – HC Ambri-Piotta 0:1 nP (0:0 | 0:0 | 0:0 | 0:0)

Tore:
keine

Zuschauer
15’087
Postfinance Arena

 

 

 

Foto: justpictures.ch