
Die Glaskugel ist nicht kaputt
eishockey-online.ch hatte den Blick in die Glaskugel gewagt. Und dabei auch definiert, was das denn ist: (herum)fantasieren · herumspekulieren · (sich) in (abenteuerlichen) Spekulationen ergehen. Nach dem heutigen Spiel müsste man befürchten, dass die Glaskugel kaputt ist. Doch nein, sie ist noch ganz. Denn zumindest Sandro Zurkirchen (Foto) weiss genau, wie es besser ginge.
Wir hatten vor einigen Tagen eine Saisonprognose und damit den Blick in die Glaskugel gewagt: Wer soll ausser Wintermeister Davos Meister werden? – Eishockey-Online Schweiz. Und dabei spekuliert und auch ein bisschen fantasiert. Zu den positiven Fantasien gehört auch, dass Bern heute sein 95-jähriges Bestehen mit einer speziellen Choreographie feierte. Die Fans hatten diese organisiert. Und im Zusammenhang mit diesem Jubiläum wurde an verschiedene Meilensteine der Clubgeschichte erinnert. So zum Beispiel an den Wechsel von der legendären Eisbahn KaWeDe im Kirchenfeldquartier in die Allmend 1967. Oder dann an die Frage des damaligen Stadtpräsidenten Reynold Tschäpätt, den Vater des nachmaligen Stapi Alexander Tschäpätt.
„Weiter es Dach?“ So die Frage des Stapi und die Berner Fans wollten selbstverständlich ein Dach, das dann 1970 auch gebaut worden ist. Und so spielt man in Bern seit gut 55 Jahren „am Schärme“. Seither wurde die Arena noch einmal grundlegend umgebaut. Und zwar in der Saison 2008/09 umfassend saniert, damit sie dann 2009 die Eishockey WM beherbergen konnte. Und zur Zeit ist man wohl in der Planung eines neuen Stadions für Bern. Dazu sind aber vorderhand nur sehr wenige Infos vorhanden. Aber gehen wir zum heutigen Spiel, in dem der SCB in besonderen Dresses auflief:

Bern begann die Partie recht dominant und hatte mehr Spielanteile als die Gäste aus Genf. Eine Überzahl zu Drittelsmitte konnten die Hausherren allerdings nicht nutzen. Zu harmlos war das Powerplay. Bern spielte heute mit Sandro Zurkirchen im Tor und dieser verbrachte bisher einen eher geruhsamen Abend. Zurkirchen wurde zum best player seines Teams gekürt, was allerdings letztlich nur ein schwacher Trost war. „Ja, wir haben sehr viel fürs Spiel gemacht, wurden aber schlecht dafür belohnt.“ Womit Zurkirchen die schon die ganze Saison hindurch herrschende mangelnde offensive Durchschlagskraft des SCB meinte.
Sein Gegenüber Stéphane Charlin war da schon mit mehr Schüssen eingedeckt worden. Auch er hatte allerdings bisher seinen Kasten rein halten können. Charlin, der letztes Jahr noch bei Langnau spielte und dort hervorragende Werte hatte. In dieser Saison bei Servette ist er im wahrsten Sinn des Wortes wieder ein durchschnittlicher Torhüter. Mit 2.46 Gegentoren pro Spiel liegt es knapp über dem Durchschnitt aller National League Torhüter, der bei 2.38 liegt.
Bern war in diesem ersten Drittel überlegen, machte aber deutlich zu wenig daraus. Auch die drei Powerplays konnten sie nicht nutzen. Das erste Drittel des 95-Jahre Jubiläums endete somit ob der Überlegenheit hoffnungsvoll für Bern, aber unentschieden 0:0. Ein Journalist analysierte es in der Pause etwas nüchterner, aber doch sehr zutreffend. „Heute könnte man Servette einfach besiegen, aber es kommt zu wenig von Bern, vor allem im Powerplay“.
Und so kam es zu Beginn des 2. Drittels wie es besagter Journalist auch schon gesagt hatte. „Machst du keins, kriegst zu eins“. Genfs Jimmy Vesey konnte allein auf Zurkirchen laufen und verwertete souverän. Kurz darauf tauchte wieder ein Genfer allein vor Zurkirchen auf. Diesmal mit dem Berner Torhüter als Sieger.
Bern konnte sich immer mal wieder über längere Zeit in der Defensive festsetzen. Allerdings, ohne sich zwingende Chancen zu erspielen. Ein grober Schnitzer in der Berner Defensive führte dann zum 0:2 für Servette. Vincent Praplan hatte getroffen. „ja, Genf war sicher die effizientere Mannschaft heute. Wir haben gearbeitet, wir waren vor dem Tor präsent, aber die Scheibe lief nicht für uns heute.“, meinte ein sichtlich enttäuschter Sandro Zurkirchen nach dem Spiel.
0:2. Zweite Pause. Hoffnung war zwar auf Berner Seite noch da , aber sie war an diesem Abend auch schon grösser gewesen. In dieser Pause wurde der gleiche Journalist wieder gefragt, wie es weitergehen würde. „Bern hat schon gestern gegen Ajoie im dritten Drittel 3 Tore geschossen“, meinte dieser zuversichtlich, aber für dieses Mal nicht zutreffend.
Bern war in diesem dritten Drittel sehr bemüht, etwas für Spiel zu tun. Und der Blick auf die Schussstatistik belegt die Berner Bemühungen. Über das ganze Spiel gesehen hat Bern 37 Mal, Servette nur 25 mal aufs Tor geschossen. Sie waren also bemüht, aber nicht erfolgreich und auch zu wenig gefährlich. Und dann liessen die Berner auch in der Defensive den Genfern zu viele Räume, welche diese, effizient wie sie heute waren, zuweilen auch nutzten. Und so entwickelte sich die Partie in Richtung eines Szenarios, das im Vorfeld von Ironikern hätte befürchtet werden können. „Es ist 95-Jahre Feier und Bern schiesst kein Tor.“ Genau so endete die Partie denn auch.
Zum Schluss entlud sich der Frust einiger Zuschauer in Pfiffen. „Wir müssen noch mehr vor dem Tor arbeiten, wir müssen geduldiger sein und etwas mehr den Instinkt spielen lassen. Noch mehr Schüsse aufs Tor bringen, Verkehr machen vor dem Tor und auf die Rebounds gehen.“ Darauf angesprochen, was man im nächsten Spiel besser machen müsse, konnte Sandro Zurkirchen das sehr präzise umschreiben. Der SCB weiss also, was man besser machen kann. Ein Spassvogel meinte nach der Niederlage, die Glaskugel sei wohl kaputt. Die Glaskugel kaputt? Sicher nicht, das ist eine viel zu abenteuerliche Spekulation. Der Start in das 95-Jahre-Jubiläum ist zwar missglückt, aber das Jahr und auch die Saison sind noch lang. Und die Glaskugel kann nach wie vor richtig liegen.
Best Player:
Bern: Sandro Zurkirchen
Servette: Jimmy Vesey
SC Bern – Genève Servette 0:3 (0:0 | 0:2 | 0:1)
Tore:
0:1 | 23.| Jimmy Vesey (Karrer)
0:2 | 34.| Vincent Praplan (Jooris)
0:3 | 59.| Sakari Manninen
Zuschauer
17’001 (fast ausverkauft, dazu fehlten nur 30 Menschen)
Postfinance Arena
Foto: justpictures.ch