
Die Kanadierinnen gewinnen standesgemäss
Die Kanadierinnen dominieren zusammen mit den USA das Damen Eishockey quasi nach Belieben. Heute Samstag trat die Schweiz gegen Kanada an. Die routinierten Kanadierinnen setzten sich dank drei Überzahltoren durch. Doch die Schweiz bewies, dass sie sich auf jeden noch so starken Gegner einzustellen weiss.
Die kanadischen Damen belegen in der Weltrangliste Platz 2. Knapp davor liegen die US-Amerikanerinnen. Die Kanadierinnen sind fünffache Siegerinnen der olympischen Spiele und zwölffache Weltmeisterinnen. In Peking vor vier Jahren gewannen sie das olympische Turnier und an den Weltmeisterschaften der letzten vier Jahre gewannen sie zweimal Gold und zweimal Silber.
Die Schweizerinnen belegen in der Weltrangliste Platz 5, knapp hinter Tschechien, gegen die sie gestern im Penaltyschiessen gewonnen hatten. Die Favoritenrolle für die heutige Partie war also deutlich verteilt. Entsprechend baute Kanada von Anfang an Druck aufs Schweizer Tor auf. Das Chancenplus für die Kanadierinnen war evident, trotzdem kamen auch die Schweizerinnen zu zwei guten Chancen. 12:2 Schüsse in den ersten gut 15 Minuten lautete das Verhältnis, das die Überlegenheit der Kanadierinnen dokumentiert. Doch nach wie vor stand es 0:0.
Die Schweizer Torhüterin Saskia Maurer, sie spielt beim letztjährigen Meister SCB, hatte einen grossen Anteil an der bisherigen Null. Sie hatte alle bisherigen Versuche der Kanadierinnen zunichte gemacht. Die Schweizerinnen verfügten über ein sehr gutes Abwehrdispositiv und sie hielten die Einsätze kurz, um das kanadische Tempo mitgehen zu können.
Eine knappe Minute vor Ende des ersten Drittels gerieten die Schweizerinnen in Unterzahl. Alina Marti, sie spielt beim EV Zug, hatte zu einem Check angesetzt. Im internationalen Damen-Eishockey sind Checks (noch) verboten. In der Schweiz sind diese seit der aktuellen Saison erlaubt. Nach 20 Minuten stand es immer noch 0:0. Ein Erfolg für die Schweizerinnen.
Das heutige Spiel trugen die Schweizerinnen in der Milano Rho Eishockey Arena aus. Der Name der Arena legt nahe, dass Rho ein Ortsteil von Mailand ist. Doch weit gefehlt, Rho ist eine eigenständige Stadt mit über 50’000 Einwohnerinnen und Einwohnern, 17 km von Mailand entfernt. Wer schon mal mit dem Auto in Italien in den Ferien weilte, weiss das. Rho ist eine Autobahnausfahrt auf der A4 vor Mailand.
Auch im zweiten Drittel hielten die Schweizerinnen gut mit. Alina Müller setzte in der 27. Minute wieder zu einem Check an und musste auf die Strafbank. Eigentlich unverständlich, dass in den grossen Ligen die Checks erlaubt sind, im internationalen Eishockey aber weiterhin verboten sind. Und dieses Mal gelang den Kanadierinnen ein Tor. Nach knapp 28 Minuten führten sie 0:1.Die Torschussstatistik lautete mittlerweile 21:2 zugunsten Kanadas. Das 0:1 war somit irgendwie überfällig.
In der 34. Minute kam die Schweiz durch Sinja Lehmann zu einer grossen Chance. Sie konnte alleine aufs kanadische Tor laufen, scheiterte aber an der kanadischen Torhüterin. Zum Ende des 2. Drittels lagen die Schweizerinnen mit 3:29 Torschüssen, aber nur mit 0:1 Toren zurück. Defensiv war der Schweiz überhaupt nichts vorzuwerfen. Zudem konnte man sagen, dass die Schweizerinnen im zweiten Drittel etwas mehr Spielanteile hatten als im Ersten!
Doch nochmal zurück zur Hockey-Arena in Rho bei Mailand. Die Ice Hockey Arena ist eine temporäre, aber moderne Spielstätte, die für die Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026 in umgebauten Pavillons der Messe Fiera Milano Rho entstanden ist und sowohl Eishockey- als auch Eisschnelllauf-Wettbewerbe beherbergt. Sie befindet sich im sogenannten „Milano Ice Park“ und wird während der Spiele als wichtiger Austragungsort dienen, der nach den Spielen wieder zurück gebaut wird.
Das Messegelände ist übrigens eine riesige Anlage, vom Eingang bis zur hintersten Halle, wo Eishockey gespielt wird, sind rund 1,5 km zurückzulegen. Zu Beginn des dritten Drittels gerieten die Schweizerinnen zweimal hintereinander durch Ivana Wey in Unterzahl. Die zweite Unterzahl nützten die Kanadierinnen dann nach 5 Sekunden zum 0:2. Die Aufgabe für die Schweizerinnen, die bisher dreimal aufs Tor geschossen hatten, wurde äusserst kompliziert.
Wieder in Überzahl konnten die Kanadierinnen gut 5 Minuten vor Ende die Entscheidung herbeiführen. Vor dem Tor lenkte Brianne Jenner einen Schuss zum 0:3 ab. Alle drei Tore waren in Überzahl erzielt worden. Der Sieg Kanadas geht mehr als nur in Ordnung. Das zeigt schon nur die Schussstatistik von 55:6. Aber die Schweiz hat gut gekämpft und den Schaden in Toren in Grenzen gehalten. Die Defensive der Schweizerinnen war sehr gut. Collin Muller, der Coach, hat sein Team gut eingestellt.
Darril Watts erhöhte noch auf 0:4. Das änderte nichts an einem Umstand des heutigen Spiels. Saskia Maurer spielte im Tor der Schweiz eine hervorragende Partie. Maurer stammt aus Röthenbach im Emmental und spielt seit 2023 beim SC Bern. Nach dem Abschluss ihrer Lehre als Elektronikerin an der Technischen Fachschule Bern ging sie 2021 für zwei Jahre in die Vereinigten Staaten, wo sie im Spielbetrieb der National Collegiate Athletic Association an der University of St. Thomas bei den St. Thomas Tommies spielte.
Nicole Vallario meinte im SRF Interview nach dem Spiel völlig zu Recht. „Wir kriegen drei Tore in Unterzahl und gegen ein solch gutes Team kannst du in Unterzahl halt nicht viel machen.“ Zusammenfassend: gut gekämpft, aber gegen die Dominatorinnen des Frauen Eishockey reicht das noch nicht. Morgen haben die Schweizerinnen eine Pause, bevor es am Montag gegen die USA geht, auch sie gehören zu den Dominatorinnen des Frauen Eishockey. Übrigens sind die Schweizerinnen bereits jetzt für die Viertelfinals qualifiziert. Das liegt am etwas eigentümlichen Modus. In der Tat wird in der Vorrunde in zwei 5er Gruppen gespielt. Aber aus der „Schweizer Gruppe“ A werden sich alle fünf Teams für die Viertelfinals qualifizieren, während aus der Gruppe B nur 3 Teams weiterkommen.
Aus der Gruppe A sind also die USA, Kanada, die Schweiz, Tschechien und Finnland qualifiziert. Während dem Schweden, Deutschland, Italien, Japan und Frankreich um drei Viertelfinalplätze spielen. Das erklärte Ziel der Schweizerinnen ist eine Medaille. Mit einer grossen Wahrscheinlichkeit werden die USA und Kanada den Titel unter sich ausmachen. Und die Schweiz muss ihren Viertelfinal gewinnen, um dann um die Medaillen, also wohl um Bronze spielen zu können . Es bleibt spannend. Und eishockey-online.ch bleibt für euch am Ball…… ähm, nein, an der Scheibe.
Schweiz – Kanada 0:4 (0:0 | 0:1 | 0:3)
Tore:
0:1 | 28.| Nathalie Spooner
0:2 | 45.| Sarah Fillier
0:3 | 54.| Briane Jenner
0:4 | 47.| Darril Watts
Zuschauer
3’885 Zuschauer
Milano Rho Ice Hockey Arena
Foto: citypress