
Ferienvorbereitung für den Bär?
Der Chronist pflegt, nach dem Spiel mit Freunden an einem Tisch zusammen zu sitzen und über Spiel und Situation zu diskutieren. Der Titel des heutigen Berichts könne nur „Ferienvorbereitung“ heissen, meinte einer durchaus zutreffend. Denn wer beim heutigen Spiel wie auch bisher in der Saison zugegen war, dem fehlt mittlerweile der Glaube daran, dass es noch besser werden könnte.
Die Olympiapause endete heute mit dem Spiel zwischen dem SCB und dem EHC Kloten. Die Zielsetzung für die Berner ist klar. Sechs Spiele stehen in der Qualifikation noch aus, insofern sind noch 18 Punkte zu holen. Möglichst viele dieser Punkte muss Bern holen. Und die Berner starteten sehr schwungvoll in die Partie. Bereits nach 1:44 Minuten gingen die Mutzen in Führung. Tristan Scherwey fuhr einen schnellen Konter und bediente mustergültig Thierry Schild, der souverän verwandelte. „Ich bin gut ins Spiel reingekommen und ich meine, das Team auch“, fasste Thierry Schild den Spielbeginn zusammen.
Schild, der übrigens von Visp her zurück beordert worden war, weil die Verletztenliste bei Bern wieder angeschwollen ist. Neben den bereits vor Olympia verletzten Louis Füllemann und Simon Moser fallen nun auch Victor Ejdsell, Marco Lehmann und Benjamin Baumgartner aus. Im Falle von Baumgartner ist das besonders bitter. Er war Ende Januar nach einer langen Verletzungspause sehr erfolgreich ins Team zurück gekehrt und für ihn dürfte die Saison zu Ende sein. Thierry Schild, der Rückkehrer aus Visp, war dort sehr erfolgreich. Ein Punkt pro Spiel hat er im Wallis erzielen können. „Ich konnte in Visp sicher Schwung generieren und konnte während der Olympiapause auch spielen“. Und diesen Schwung nahm Schild heute zumindest ins erste Drittel mit.
Doch zurück zur Zielsetzung des SCB. Bern liegt aktuell auf Rang 9 mit 64 Punkten. Ebenfalls 64 Punkte haben die Langnau Tigers auf Platz 10. Und die Ränge 7 und 8 belegen die Lakers und Zug mit 67 Punkten. Deutlich weiter weg ist Rang 6 mit Lausanne und 76 Punkten. Mit 18 zur Verfügung stehenden Punkten dürften sich kaum 12 Punkte aufholen lassen. Insofern ist die Berner Zielsetzung klar: Rang 7 muss her. Ob das mit der heutigen Leistung gelingt, darf bezweifelt werden.
Platz 7 oder 8 wäre die bessere Ausgangslage für die PlayIns. Denn der Sieger der Partie 7. gegen 8. qualifiziert sich für die Playoffs und der Verlierer dieser Ausmarchung kriegt eine weitere Chance gegen den Sieger der Partie der Ränge 9 und 10. Der SCB war in diesem ersten Drittel deutlich überlegen und kam auch zu einigen gefährlichen Chancen. Bezüglich Aufstellung ist auch noch anzumerken, dass Emil Bemström wieder zurück ist und heute Abend mit Mike Sgarbossa und Joel Vermin eine Angriffslinie bildete.
Die Berner Überlegenheit wurde übrigens noch durch einen weiteren Fakt dokumentiert. Der EHC Kloten verzeichnete während dem gesamten 1. Drittel keinen einzigen (!!) Torschuss aufs Berner Tor – oder je nach Sichtweise nur einen. Das Berner Tor, das heute von Sandro Zurkirchen gehütet wurde.. Pause. 1:0 Bern. Gemessen an den Spielanteilen zu wenig hoch. Das sah auch der Coach Heinz Ehlers so. Nach diesem ersten Drittel habe mehr rausschauen müssen, meinte er. Hat es aber nicht.
Kloten startete stark verbessert ins 2. Drittel. Und kam auch zu Torabschlüssen und Chancen. Eine Überzahlsituation kurz vor Spielmitte vermochten die Flughafenstädter allerdings nicht auszunützen. Kurz darauf konnte Bern in Überzahl antreten. Aus einem Grund, den kein Trainer gern sieht. Zu viele Spieler auf dem Eis. Berns Powerplay war zwar besser aber ebenso erfolglos, wie jenes von Kloten zuvor.
Im zweiten Drittel plätscherte die Partie einigermassen ausgeglichen dahin. Insofern verpassten beide Teams, den Match in die eigene Richtung laufen zu lassen. Bern verpasste eine höhere Führung, während dem es Kloten nicht gelang, auszugleichen. 2. Pause. 1:0 Bern. Für beide Teams unbefriedigend.
Bern vermochte zu Beginn des dritten Drittels wie schon im zweiten nicht wirklich zu überzeugen. Eine Überzahlsituation lief ohne gefährliche Aktion vor dem Tor der Klotener ab. Bern musste sich den Vorwurf gefallen lassen, gegen einen eigentlich unterlegenen Gegner zu wenig fürs Spiel zu tun. Und was in solchen Spielverläufen immer mal wieder passiert, braucht eigentlich nicht erwähnt zu werden. Wir tun es trotzdem. Der Sieg steht in Frage.
Der Sieg stand in der Tat in Frage, auch wenn Sandro Zurkirchen im Berner Tor nach wie vor einen eher arbeitsarmen Abend verbrachte. Arbeitsarm, weil er nicht allzu viele Schüsse zu halten hatte. Und das, was wer zu halten hatte, waren jetzt nicht wirklich die grossen Torgelegenheiten. Trotzdem blieb die Partie sehr eng.
Bern hatte ein gutes erstes Drittel gezeigt und, baute danach aber stark ab. Lauri Marjamäki, der Klotener Coach nahm knapp 2 Minute vor Ende der regulären Spielzeit sein Timeout. Kloten konnte sich im Berner Verteidigungsdrittel festsetzen und erzielte dann tatsächlich den Ausgleich. 34.4 Sekunden vor Schluss traf Tyler Morley. Das gellende Pfeifkonzert der Fans nach Ende der 60 Minuten war aus Berner Sicht irgendwie verständlich.
„Once upon a time in the west“, so die Hymne, die jeweils vor Beginn der Verlängerung läuft. Oder ums musikalisch-bildlich zu sagen. Nichts Neues im Wersten. Bern schiesst nach wie vor deutlich zu wenig Tore und kann eine spielerische Überlegenheit kaum über mehr als 20 Minuten durchziehen. Und dann kam’s wie es kommen musste. Max Lindroth spazierte unbehelligt durch die Berner Abwehr und erzielte, auf Pass seines Torhüters Ludovic Waeber den Klotener Siegtreffer. Insofern könnte die deutsche Übersetzung von „Once upon a time in the west“ für Bern auch sehr bald sprichwörtliche Realität werden. „Spiel mir das Lied vom Tod“, heisst es zu Deutsch. „Sudden death“ war heute, frühes Saisonende droht.
Wir haben uns selber in diese Scheiss-Situation gebracht“, resümierte ein sichtlich enttäuschter Berner Coach, Heinz Ehlers, nach dem Spiel durchaus zutreffend. Auf die Frage eines Chronisten, ob er denn böse war, meinte Ehlers. „Nein, nicht böse, aber sehr enttäuscht.“
Enttäuscht war nach Ende des Spiels natürlich auch Thierry Schild. Auf Berns nach wie vor andauernde Torflaute angesprochen meinte er: „Einfachere Tore schiessen, die Scheibe aufs Tor bringen und nachstochern“. Das müsse der Plan sein. „Und natürlich müsse das Powerplay besser werden“ fügte er noch hinzu, wohlwissend und das mit einem verlegenen Lächeln bestätigend, dass das Berner Powerplay nach wie vor ungenügend ist. Bern schiesst deutlich zu wenig Tore. Und das schon die ganze Saison hindurch. Guter Rat scheint in Bern teuer zu sein. Ein solcher Rat wird allerdings sehr bald nötig sein. Denn sonst wird man in Bern das Fragezeichen im heutigen Titel nicht nur sehr bald streichen, sondern die (gegen den eigenen Willen vorbereiteten) Ferien auch antreten müssen. Was niemanden freuen wird.
Best Player:
Bern: Anton Lindholm
Kloten: Tyler Morley
SC Bern – EHC Kloten 1:2 nV (1:0 | 0:0 | 0:1 | 0:1)
Tore:
1:0 | 2.| Thierry Schild (Scherwey)
1:1 | 60..|Tyler Morley (Leino)
1:2 | 63.| Max Lindroth (Waeber)
Zuschauer
14’789 Zuschauer
Postfinance Arena
Foto: Marija Diepold