SCB – gibt es eine Logik im Haifischbecken?

von 15.Februar 2026National League

Die National League wird gerne mal als Haifischbecken bezeichnet. Dass sich der SCB als Grossclub im Auge des Taifuns, bzw. dieses  Haifischbeckens befindet, liegt in der Natur der Sache. Dass einige Exponenten beim SCB nun das Interregnum zwischen Marc Lüthi und Jürg Fuhrer nutzen, um die eigene Macht auszubauen, muss aber zu denken geben. Auf den neuen SCB CEO Jürg Fuhrer wartet nach seinem Amtsantritt am 1. Mai, also am Tag der Arbeit, viel (Korrektur-)Arbeit.

Sucht man nach der Definition für das „Haifischbecken“, stösst man auf Folgendes: ein Haifischbecken ist ein Umfeld, in dem man nur durch Gewalt und Skrupellosigkeit überleben/weiterkommen kann. Dass grad Haifische als Basis für das Haifischbecken dienen, ist einigermassen überraschend. Denn entgegen ihrem Ruf als Monster sind viele Haifischarten neugierig, ruhig und meiden Menschen. Sie zeichnen sich durch ausgeprägte Sinne, Schnelligkeit und ein strukturiertes Sozialverhalten aus.

Grad Letzteres, also die ausgeprägten Sinne, die Schnelligkeit und das strukturiertes Sozialverhalten der Haie lässt sich aktuell hervorragend auf den SCB und dessen Managementumfeld übertragen. Beim SCB agieren aktuell Haifische. Und genau diese haben einen ausgeprägten Sinn für die Situation, sie handeln unfassbar schnell und haben sich strukturiert ein soziales Umfeld geschaffen, in dem sie einigermassen skrupellos Opponenten aus dem Weg räumen. Doch alles der Reihe nach.

Bern spielt eine schlechte Saison, das ist nicht schönzureden. Und dafür gibt es viele insbesondere sportliche Gründe. Die Transferaktivitäten der sportlichen Abteilung waren überschaubar, ja eigentlich sehr bescheiden. Dann schien die Chemie zwischen dem Team und dem akribisch an seinem System festhaltenden Trainer Jussi Tapola schon Ende letzter Saison nicht gut. Und das verschlechterte sich zusehends. Bis Tapola Anfang Oktober gehen musste und durch Heinz Ehlers ersetzt wurde.

Die vielen Verletzten beim SCB machte die Situation nicht besser. Und sie behinderten Ehlers‘ Aufbauarbeit. Diese beginnt nun zu greifen. Bern spielt langsam besser und arbeitet sich in der Tabelle nach oben. Die Teilnahme an den PlayIns scheint sicher. Und damit ist auch die Aussicht auf einen einigermassen versöhnlichen Saisonschluss besser als auch schon. Und genau in diesem Aufwärtstrend beginnen einige Exponenten des SCB ihre Machtkämpfe auszutragen und damit wieder für Instabilität zu sorgen.

Die Strukturanpassungen… 
Am 19. Januar 2026 gab Marc Lüthi seinen Rücktritt bekannt. Nach 28 Jahren ging damit eine prägende Ära zu Ende. Lüthi ist SCB und SCB ist Lüthi. Er ist der Baumeister des heutigen SCB. Und er verstand es auch immer mal wieder, zu polarisieren. Und genau das war wohl das Geheimnis seines Erfolgs. Und eben: nun gab er als langjährige Ikone seinen Rücktritt per Ende April 2026 bekannt. Und gleichzeitig wurde sein Nachfolger bekannt gegeben. Es handelt sich um Jürg Fuhrer.  Fuhrer wird sein Amt am 1. Mai antreten. Er ist also – und das ist wichtig zur Einordnung der Ereignisse – aktuell noch nicht im Amt.

Fuhrer gilt als respektvoller und lokal verankerter Teamplayer. Pflichtbewusst, zukunftsorientiert und innovativ. Sowie mit einem sozialen Bewusstsein ausgestattet. Fassen wir zusammen: Der neue SCB-CEO ist ein analytischer Unternehmer mit Herz. Vor wenigen Tagen hat nun der SCB mitgeteilt, dass er sich neu aufstellen wird. Und dieser Umstrukturierung sind einige, zum Teil langjährige Mitarbeiter des SCB zum Opfer gefallen. Fuhrer lässt sich in der Mitteilung zwar positiv zu den Umstrukturierungen zitieren.  Was seinem respektvollen Charakter entspricht. Aber äbe: Fuhrer ist noch nicht im Amt und hat noch einen anderen Job. Deshalb haben Andere die strukturellen Veränderungen erarbeitet und umgesetzt.

Der neue SCB-CEO ist ein Berner durch und durch. Doch nun haben wohl zwei Zürcher, Pascal Signer und vielleicht auch Martin Plüss, die neuen Strukturen erfunden, in denen sich alle Berner zukünftig wohl fühlen und vor allem sportlich erfolgreich sein sollen.  Für den bisherigen stellvertretenden CEO Pascal Signer wurde ein neues „C“ erfunden. Der Chief Hockey Officer (CHO). „In dieser Rolle verantwortet er die organisatorische, personelle und strukturelle Führung des Sportbereichs. Neben der National League und Future ist ihm auch die Frauenabteilung unterstellt,“ liest man in der Mitteilung des SCB.

Wenn man Menschen in einem Unternehmen anstellt, dann schaut man logischerweise auf das, was sie mitbringen. Also auf die Ausbildung und die berufliche Erfahrung. Auf dass man die bestmögliche Lösung finde. Signer hat sich in seinen verschiedenen bisherigen Rollen auf die Strukturoptimierung, die finanzielle Konsolidierung und die professionelle Führung von Sportorganisationen spezialisiert. Auf jene Tätigkeiten also, die ihn für seine bisherige Tätigkeit als Chief Operations Officer (COO) und stellvertretender CEO prädestinierten. Die Frage sei ohne jegliche Polemik erlaubt: Was um Himmels Willen befähigt Signer für seine neue Rolle als Chief Hockey Officer (CHO)?

Weiter steht in der Mitteilung des SCB: „Die sportliche Ausrichtung des SC Bern sowie die Führung der National League liegen weiterhin bei Sportdirektor Martin Plüss. Er wird in dieser Funktion auch in Zukunft über die abschliessende Entscheidungskompetenz in sämtlichen Belangen der ersten Mannschaft verfügen.“ Der vom Eishockeyjournalisten Klaus Zaugg gerne als Obersportchef bezeichnete Martin Plüss wird als nun unter Pascal Signer zum Untersportchef.

… und deren Opfer 
Erstes Opfer dieser Umstrukturierung ist Diego Piceci. Dazu nochmal der SCB: „Im Zuge der Reorganisation beendet der SC Bern im Bereich Sport per sofort die Zusammenarbeit mit Diego Piceci, bisher Leiter National League.“Diese Personalie mitten in der Saison ist unlogisch und auch ziemlich unverständlich. Piceci, erst seit Juli 2025 beim SCB war dran, den SCB der Zukunft zu bauen. Er war es wohl, der mit Mike Sgarbossa einen Spieler zum SCB geholt hat, der das Team deutlich stabilisiert hat. Und er arbeitete zu Recht wohl auch daran, die mit vier Torhütern – davon einem, der eine Ausländerlizenz braucht – sehr ineffiziente Torhütersituation zu lösen. Und schliesslich war er mit Bestimmtheit auch dran, den Trainer für die nächste Saison zu verpflichten. Es scheint ziemlich evident, dass Picecis Handeln innerhalb des SCB nicht allen gefallen hat. Nur so ist die überstürzte Trennung zu erklären.

Eine weitere Personalie betrifft Marc Weber. Weber ist seit 19 Jahren erfolgreich im Nachwuchsbereich des SCB tätig. Bis 2025 war er Geschäftsführer der SCB Future AG, Danach wurde er Ausbildungschef. Nun wurde ihm ordentlich gekündigt, will heissen, er bleibt noch sechs Monate für den SCB tätig. Webers Nachfolge ist bereits geregelt. Künftig übernimmt Daniel Steiner, der vom EHC Thun zum SCB wechselt. Daniel Steiner war als Spieler in den verschiedensten Clubs der National League aktiv und beendete seine Karriere im Dezember 2017. Zur Saison 2022/23 wurde Steiner zum Cheftrainer des EHC Thun aus der MyHockey League ernannt.

Bern trennt sich also von Marc Weber, der seit 19 Jahren im Nachwuchs des SCB tätig und zuvor 2004 als SCB Meisterschütze in Erinnerung blieb. Der Bieler Weber erzielte in der Finalissima gegen den HC Lugano am 10. April 2004 in der Resega zwei Tore für den SCB.  Der SCB ersetzt über 20 Jahre Erfahrung im Verein mit jemandem der seit gut drei Jahren Trainer in der MyHockey League ist. Diese Frage ist gestellt, ohne dass der Chronist sie formulieren muss.

Weitere Anpassungen
Der Vollständigkeit halber sei noch angefügt, dass der langjährige SCB Spieler mit Legendenstatus, Simon Moser, ab Anfang Mai 2026 die Funktion des Team Managers antritt. Dazu nochmal die SCB-Mitteilung. „In dieser Rolle wird er schrittweise an die organisatorische Verantwortung des National League-Spielbetriebs herangeführt.“ Und schliesslich wird für das Stadionprojekt auch der kommerzielle Bereich gestärkt. Dazu ein letztes Mal die SCB-Mitteilung: „Aufgrund des geplanten Stadionprojekts und der Vielzahl an zu erwartenden Aufgaben wird der kommerzielle Bereich gezielt gestärkt. Der SC Bern schafft dafür die neue Funktion des Chief Sales Officer (CSO), die Patrice Hitz ab Anfang Mai 2026 übernimmt.“

Fragen zur Logik 
Der SCB wird aktuell also schon fast dramatisch umgebaut. Und klar, aufgrund der sportliche Baisse ist ein Umbau auch bitter nötig. Intuitiv hätte man sich diesen Umbau aber eher beim Team und nicht in der Führungsetage gewünscht. Dass man sich nun von einigen Funktionären trennt und neue Rollen „erfindet“, wird nicht zu Stabilität führen.  Und könnte dem SCB mehr schaden als nützen. Zumal der SCB nun schon seit vielen Jahren auf der Suche nach seiner sportlichen Identität ist. Martin Plüss war bisher als Sportdirektor oberster Zuständiger für diese Identitätssuche. Im Juni 2023 kündigte der SCB dann an, Martin Plüss per 1. April 2024 als Sportdirektor zu verpflichten. BIs zu seinem Amtsantritt stehe Martin Plüss den Abteilungen Profisport und Nachwuchs unter der Leitung von Marc Lüthi als Berater zur Seite.

Bei der Ankündigung für diesen Posten äusserte sich Plüss in der Mitteilung des SCB folgendermassen: „«Ich freue mich sehr auf die Rückkehr zum SC Bern und bedanke mich für das Vertrauen. Mit Sportchef Andrew Ebbett und Nachwuchsdirektor Marc Weber möchte ich ein starkes Team bilden und ein gesundes sowie nachhaltiges Fundament aufbauen. Wir wollen an die sportlichen Erfolge der Vergangenheit anknüpfen. Es muss unser Anspruch sein, dass sich unsere Fans mit den SCB-Mannschaften sportlich und emotional auf sämtlichen Stufen identifizieren können und entsprechend mit Freude an die Spiele kommen.»

Kaum war Plüss offiziell im Amt, trennte sich der SCB vom Sportchef Ebbett, offenbar in gegenseitigem Einverständnis, wie ein Statement von Martin Plüss nahe legt: „«Wir sind uns seit längerem einig, dass dieser Entscheid für beide Seiten sinnvoll ist». Nachfolger von Ebbett wurde Patrik Bärtschi, ein Vertrauter Plüss‘ aus Klotener Zeiten. Beide spielten sie zu Beginn der 2000er Jahre bei den Flughafenstädter. Doch schon ein Jahr später war auch diese Zusammenarbeit zu Ende. In einer Mitteilung des SCB vom 23. Mai 2025 wird die Trennung wie folgt begründet.

„Die Trennung erfolgt nach mehreren Gesprächen über die zukünftige Organisation und Ausrichtung des Sportbereichs. Dabei zeigten sich unterschiedliche Auffassungen hinsichtlich der strukturellen und inhaltlichen Weiterentwicklung zutage. Vor diesem Hintergrund haben sich beide Parteien im gegenseitigen Einvernehmen dazu entschlossen, die Zusammenarbeit zu beenden.“. Wie wir wissen, folgte auf Bärtschi Diego Piceci, der jetzt auch schon wieder entlassen wurde.

Die Konklusion 
Wir fassen zusammen: Martin Plüss ist seit April 2024 offiziell im Amt, er war vorher schon als Berater der Abteilungen Profisport und Nachwuchs tätig. In diesen knapp zwei Jahren hat Plüss in den Abteilungen Profisport und Nachwuchs nacheinander Andrew Ebbett, Patrick Bärtschi und Diego Piceci sowie auch den Nachwuchsmanager Marc Weber entlassen. Die Frage zur dieser Konklusion ist auch gestellt, ohne dass der Chronist diese formulieren muss.

Von aussen betrachtet entbehrt das alles nicht einer gewissen – oder vielleicht für betroffene Entlassene auch dramatischen – Unlogik. Das Haifischbecken scheint sich vorliegend effektiv durch eine offensichtliche Skrupellosigkeit auszuzeichnen. Die neue Führung des SCB ist gefordert. Es dürfte kein Zufall sein, dass man Marc Lüthis Rücktrittsankündigung abgewartet hat, um in der Zeit des Interregnum die Dinge so zurecht zu biegen, wie man sie haben will. Wer hier „man“ ist, lässt sich nicht abschliessend beantworten. Klar ist indes Eines. Mit so viel operativer Hektik kommt es bestimmt nicht gut.

Auf den neuen SCB-CEO wartet ab Mai 2026 viel Stabilisierungsarbeit. Wie bereits erwähnt, gilt Fuhrer als ruhig, besonnen, authentisch, nahbar, respektvoll, pflichtbewusst, zukunftsorientiert und innovativ. Und er soll Recherchen zufolge Wert auf eine transparente Kommunikation und eine Unternehmenskultur legen und damit über ein soziales Bewusstsein verfügen. Diese Charaktereigenschaften sind beim aktuellen SCB zwingend notwendig, um die SCB-Haie zu dem zu machen, wie man diese schönen Meerestiere charakterisiert. Denn entgegen ihrem Ruf als Monster sind viele Haifischarten neugierig, ruhig und meiden Menschen. Sie zeichnen sich durch ausgeprägte Sinne, Schnelligkeit und ein strukturiertes Sozialverhalten aus.

Um im Tierreich zu bleiben. Das SCB-Tier ist der Bär. Gleichzeitig ist der Bär das Wappentier des Kantons Bern. In Bern will man also keine Haie, sondern Bären. Neugierige, schnelle und versierte Bären. Mit einem ausgeprägten Sinn fürs Toreschiessen. Möge der altehrwürdige SCB Bär so rasch wie möglich wieder mit Titeln glänzen!

 

Foto: justpictures.ch