
Zum Schluss gewinnen die Favoritinnen knapp
Die Kanadierinnen (Foto) gingen heute Abend als grosse Favoritinnen in die Partie. Doch am Ende wurde es noch richtig eng. Auch wenn Kanada letztlich 2:1 gewann, können die Schweizerinnen sehr viel fürs Bronzespiel am Donnerstag gegen Schweden mitnehmen.
Die Schweiz machte sich im ersten Drittel sehr gut. Gegen die hoch favorisierten Kanadierinnen konnte man hinten dicht machen. Allerdings tauchten die Schweizerinnen äussert selten vor dem gegnerischen Tor auf. Alessia Bächler brachte es im SRF Pauseninterview auf den Punkt. „Man soll den Gegner nicht grösser machen als er ist.“ Womit sie in Bezug auf die Kanadierinnen durchaus recht hat. Die sind für sich alleine schon gross genug. 1. Pause. 0:0.
Im zweiten Drittel manifestierte sich die kanadische Überlegenheit dann doch in Form von Toren. Die Captain Marie-Philip Poulin traf zweimal. Einmal in der 22. Minute, einmal in der 29. Minute. Dieselbe Poulin stand danach unter akribischer Beobachtung. Nach einem Bandencheck an Laura Zimmermann wurde eine 5-Minutenstrafe geprüft, letztlich dann aber nicht ausgesprochen. Das darauf folgende Powerplay gestalteten die Schweizerinnen zwar ansprechend, schossen aber kein einziges Mal aufs Tor.
Die Schweizerinnen konnten grad danach wieder in Überzahl agieren. Wobei das Fazit fast dasselbe blieb. Nur ein einziger Torschuss in diesen zwei Minuten. Gut zwei Minuten vor Ende des zweiten Drittels konnten die Kanadierinnen ein erstes Mal an diesem Abend in Überzahl agieren. Gefahrenstufe rot war angesagt. Wobei das farblich auch sehr gut auf die ganz in rot spielenden Kanadierinnen passte. Das Schweizer Abwehrdispositiv hielt aber auch in Unterzahl.
Und so endete das zweite Drittel mit 2:0 für Kanada. Wobei die Schussstatistik eine noch viel deutlichere Sprache sprach. 35:4 zugunsten von Kanada. Aus dieser Statistik sind zwei Dinge abzulesen. Einerseits die deutliche Überlegenheit der Kanadierinnen. „Wir geben alles da draussen, wir geben Vollgas,“ so Sinja Leemann im SRF Interview der 2. Pause. Und damit kommen wir zur zweiten Konklusion.
Das Schweizer Abwehrdispositiv ist hervorragend. Und auch wenn das am heutigen Abend wohl kaum zum Sieg reichen wird, so ist das im Hinblick auf das Spiel um Rang 3, also um Bronze, gegen Schweden sehr hoch einzuschätzen. Denn im Spiel um Bronze sind die Schweizerinnen gemäss der Eishockey Weltrangliste zu favorisieren. Die Schweiz ist auf Rang 5, Schweden auf der 7.
Der Final im Frauen Eishockey Olympia Turnier wird USA gegen Kanada lauten. Wer da Favorit ist, kann man nicht beantworten. Die beiden Teams liegen zu eng beisammen. Doch zurück zu diesem Spiel zwischen Kanada und der Schweiz. In der 45. Minute spielten die Schweizerinnen ein hervorragendes Forechecking und kamen tatsächlich wieder heran. 2:1. Rahel Enzler hatte getroffen. Geht da tatsächlich noch etwas?
In der Tat schwebten die Schweizerinnen in der Folge tatsächlich auf einer positiven Welle. Die Kanadierinnen griffen mehrmals zum Instrument des unerlaubten Befreiungsschlages, was für dieses Weltklasseteam höchst selten ist. Doch Kanada ist eben Kanada. Sie fingen sich wieder und fuhren wieder Angriffe. Vorerst aber noch ohne ihre Effizienz zu steigern.
Punkto Effizienz waren die Schweizerinnen deutlich überlegen. 1 Tor mit 8 Torschüssen. Kanada wies zum selber Zeitpunkt, 8 Minuten vor Ende, 43 Torschüsse aus und hatte bisher 2 Mal getroffen. Die Ausgleichsbemühungen der Schweiz wurden zwei Minuten vor Schluss gebremst, als sie in Unterzahl geriet. Es nützte alles nichts mehr. Obwohl die Schweizerinnen noch ihre Torhüterin durch eine 5. Feldspielerin ersetzte. Kanada gewann und ist im Final.
Das gute Gefühl indes können die Schweizerinnen aber ins Spiel um Bronze mitnehmen. Mit einer gleich guten defensiven Organisation und einer etwas verbesserten Offensive kann der Medaillentraum Realität werden. „Wir sind bereit fürs Bronzespiel“, meinte Stefanie Wetli nach dem Spiel. Ein Bronzespiel, das am Donnerstag Nachmittag um 1440 Uhr stattfinden wird. Es kann gut kommen, weil alle dran glauben.
Kanada – Schweiz 2:1 (0:0 | 2:0 | 0:1)
Tore:
1:0| 22.| Marie-Philip Poulin (Jaques, Watts)
2:0 |29.| Marie-Philip Poulin (Watts, Shelton)
2:1 |45.| Rahel Enzler (Müller)
Milano Santagiulia Arena
Foto: Citypress