
Niemand will Ferien – trotzdem drohen diese
Die Treppe zum Aufstieg in die Playoffs ist sperrangelweit offen für den SCB. Und hätte man heute nur annähernd so gespielt wie letzten Samstag gegen Biel, so wäre auch die Türe zu den Playoffs aufgegangen. Nun muss man aber am Mittwoch in Rapperswil noch einige Stufen erklimmen, will man danach in den Playoffs – gegen Davos – spielen.
„SCB kam 2016 schon mal aus dem Nichts: Starten die Berner jetzt wieder zum Meistertitel durch?“ So titelte der Blick am Wochenende. In der Tat, 2016 führte ein gewisser Lars Leuenberger die Berner nach einer schlechten Saison zum Meistertitel. Und die diesjährige Ausgangslage ist tatsächlich vergleichbar. Zieht man zudem die Partie vom Samstag gegen den EHC Biel zu Rate, so hat der SCB schon das eine oder andere Anzeichen geliefert, dass es möglich sein könnte.
29 Mal, so „der Bund“, hatte der Berner Coach Heinz Ehlers die Aufstellung seiner Ausländer geändert. Nie ohne wirklich durchschlagenden Erfolg. Doch am Samstag versuchte Ehlers die „1-2-3-Variante“. Ein Torhüter, zwei Verteidiger und drei Stürmer mit einer Ausländerlizenz. Und diese Variante hat funktioniert. Auch heute startete Ehlers mit derselben Aufstellung in die Partie. Never change a winning team.
Übrigens hatte auch eishockey-online.ch vor knapp drei Monaten eine Saisonprognose gewagt. Ohne es so deutlich zu schreiben, wie der Blick das nun getan hat, kamen wir zu einer ähnlichen Einschätzung. Wer soll ausser Wintermeister Davos Meister werden? – Eishockey-Online Schweiz. Kommt Bern in diesen Play-Ins gegen die Rapperswil-Jona Lakers weiter, so wird der Gegner in den Playoff Viertelfinals tatsächlich Davos heissen.
Die Partie startete schlecht für Bern. Schon in der zweiten Minute gingen die Lakers in Führung. Mauro Dufner hatte von der blauen Linie geschossen und Tyler Moy lenkte vor dem Tor zum 0:1 ab. Bern liess sich von diesem frühen Rückstand nicht aus dem Konzept bringen. Wie am Samstag machten sie Druck aufs gegnerische Tor. Es schien nur eine Frage der Zeit bis auch Bern scoren würde. Und das Tor kam tatsächlich. Nach knapp sechs Minuten glich Miro Aaltonen die Partie für die Berner dann tatsächlich auch aus.
Wenn Miro Aaltonen trifft, dann kann es für Bern schon besser kommen. Denn der finnische Stürmer hatte in der bisherigen Saison erst fünfmal getroffen. Und sein letztes Tor ist lange her, wohl rund zwei Monate. Bern dominierte die Partie in diesem ersten Drittel. Gefährlich wurden die Lakers nur, wenn sich in der Berner Defensive Unkonzentriertheiten und Fehler einschlichen. Die Partie wurde schnell und zuweilen auch etwas aggressiv geführt. Immer mal wieder waren kleinere Scharmützel zu sehen.
Knapp fünf Minuten vor Ende des ersten Drittel musste der Berner Marco Müller wegen eines hohen Stocks auf die Strafbank. Rapperswil beraubte sich aber gleich wieder dieses Vorteils. Wegen Haken wurde Dominik Lammer auf die Strafbank beordert. Bei vier gegen vier Feldspielern tun sich logischerweise mehr Räume auf. Und die Lakers nutzten diese Räume und erzielten das 1:2. Victor Rask hatte getroffen.
Und so gingen die Lakers – etwas entgegen dem Spielverlauf – mit ihrem 1:2 Vorsprung in die erste Drittelspause. Auch wenn Bern zu diesem Zeitpunkt in Rückstand lag, stimmte der Spielverlauf zuversichtlich. „Wir hatten über die ganze Partie hindurch vielen Chancen, aber wie es schon die ganze Saison war, wir nutzten sie nicht,“ resümierte der SCB Verteidiger Nils Rhyn nach der Partie. Zu Beginn des zweiten Drittels liessen sich die Berner etwas gar häufig in der Defensive einschnüren. Und sie liessen die Lakers zu fest gewähren. Der Schwung des ersten Drittels war dem SCB irgendwie abhanden gekommen. Auch wenn Nils Rhyn meinte: „Auch im zweiten Drittel hatten wir genügend Chancen und müssen ein oder zwei Tore schiessen.“
Zudem wurden die Lakers auch stärker, was wohl auch damit zusammenhängen dürfte, dass der SCB das auch zuliess. Nils Rhyn bestätigte. „Hinten drin sind wir im zweiten Drittel etwas geschwommen.“ Wieso schwimmt man denn, fragte der Chronist? „Vielleicht wollen wir zu viel und suchen den perfekten Pass, statt den Einfachen zu spielen.“ Das Berner Spiel war zu statisch geworden. Und auch das Berner Publikum schien etwas leiser geworden zu sein. Zum Ende des zweiten Drittels verstärkten die Berner den Druck wieder. Und sofort war auch das Publikum wieder da. Ob diese Phase den Funken wieder zünden würde?
Vorerst nicht. 1:2. Pause. Insofern blieben dem SCB noch 20 Minuten, um die Partie noch zu drehen. Weil man die Hoffnung nie verlieren darf, gingen auch die Berner Fans frohgemut ins dritte Drittel. Und wer weiss, vielleicht würde sich in diesem Drittel wieder bewahrheiten, was am Samstag gegolten hatte. Sag mir, wie Scherwey spielt und ich sage dir, wie es dem SCB geht.
Tristan Scherwey ist Berns langjähriger Aggressiv-Leader und er vermag, seine Mitspieler mitzuziehen. Wie eben am Samstag, als der zweimal mustergültig Marco Müller bediente, der sich zum Doppeltorschützen küren konnte. Auch trat Bern in diesem dritten Drittel schon wieder besser auf. Nicht so gut wie zu Beginn des Spiels und deutlich weniger gut als am Samstag, aber viel besser als im zweiten Drittel. Einzig das Ausgleichstor fiel vorderhand nicht.
Die zehn letzten Minuten der Partie waren angebrochen. Und es würden – egal wie die reguläre Spielzeit enden würde – die letzten Spielminuten des Abends sen. Die erste Partie der Play-Ins ist die einzige Partie der Saison, die auch unentschieden enden kann. Viel Tempo war nicht mehr im Spiel. Die Lakers kontrollierten das Geschehen weitgehend und Bern konnte wohl an diesem Abend nicht mehr leisten.
Knapp acht Minuten vor dem Ende der Partie gerieten die Lakers in Unterzahl und der SCB nahm sein Timeout. Dies, um Anweisungen zu geben, wie der Ausgleich bewerkstelligt werden sollte. Bern stellte sich während diesem Powerplay zuweilen allerdings ziemlich tollpatschig an. Und konnte entsprechend kein Tor erzielen. Insofern endete die Partie für den SCB unbefriedigend. „Im dritten Drittel haben wir wieder Druck gemacht, die Lakers machten es uns nicht einfach und blockten viele Schüsse“, analysierte Nils Rhyn das Geschehen zutreffend.
Und dann sagte Rhyn, ohne sich bisher die Statistik angeschaut zu haben, einen bemerkenswerten Satz. „Es wird halt schwierig, wenn die Scheibe nicht aufs Tor kommt“. Ein Blick auf die Statistik zeigt das aber folgende Bild. Bern hatte 32 Schüsse aufs und 27 Schüsse neben das Tor. Dazu kommen all jene Schüsse, die, wie Nils Rhyn es sagte, geblockt wurden. Die Ausbeute aus all diesen Schüssen ist dramatisch schlecht. 59 Schüsse Richtung Tor und man erzielt ein einziges Tor. Kommentar unnötig.
Das Unentschieden fiel also nicht mehr und so ergab sich für Bern die gleiche Situation wie in der ersten Play-In Serie gegen Biel. Man hatte mit einem Tor verloren und muss nun die Serie in der zweiten Partie noch drehen. Diese Partie findet am Mittwoch in Rapperswil statt. Der SCB hat, wie schon gegen Biel, das Messer am Hals und muss gewinnen. Dazu nochmals Nils Rhyn. „Wenn du das Messer am Hals hast, weisst du, dass du gut spielen muss. Denn sonst musst du in die Ferien und das will von uns niemand“.
In der Tat, Ferien will in Bern aktuell niemand. Auch die Prognostiker von eishockey-online.ch nicht. Denn wenn sich der SCB vorzeitig in die Ferien verabschieden muss, werden wir nie wissen, wie der Playoff-Viertelfinal Davos vs. SCB ausgegangen wäre. Und das wäre in der Tat jammerschade.
Best Player:
Bern: Miro Aaltonen
Lakers: Victor Rask
SC Bern – Rapperswil-Jona Lakers 1:2 (1:2 |0:0 |0:0)
Tore:
0:1 | 2.| Tyler Moy (Dufner, Jelovac)
1:1 | 6.| Miro Aaltonen (Merelä, Häman Aktell)
1:2 | 17.| Victor Rask (Larsson, Capaul)
Zuschauer
13’965 Zuschauer
Postfinance Arena
Foto: Valentin Lagger