
Von Bronzemedaillen, Grosis, Ärzten, Blumentöpfen und zu wenigen SCB Toren
Und wieder geht ein Heimspiel verloren. Und wieder schiesst der SCB deutlich häufiger aufs Tor als sein Gegner. Insofern dürfte die Stadtberner Ratlosigkeit noch einmal etwas angewachsen sein. Im Umfeld des SCB scheint es aktuell eine ratlose Lethargie zu geben. Hoffnungslos halt. Zum Glück waren da noch die fünf Olympia-Bronzemedaillen-Gewinnerinnen von den SCB Frauen (Foto). Wenigstens ein Grund zu Freude auf Stadtberner Seite heute Abend.
Die Berner Olympia-Heldinnen wurden vor dem Spiel SCB gegen Biel geehrt. Die Frauen des SCB, die letztes Jahr Meisterinnen wurden. Sie haben mit der Eishockey-Damen Nati Bronze an Olympia gewonnen. Mit dabei waren die SCB-Captain Lara Christen, Goalie Saskia Maurer, Verteidigerin Stefanie Wetli sowie den Stürmerinnen Kaleigh Quennec und Sinja Leemann. Die SCB Damen sind übrigens auch dieses Jahr in der Meisterschaft gut unterwegs.
Nach 28 Spielen belegen sie Platz 2 mit 58 Punkten. 20 Punkte zwar hinter dem EV Zug. Wie es aber in den Playoffs gehen kann, wissen wir spätestens seit Ende März 2025 als Bern gegen Zug in Bern den Titel errang. Und heute waren die beiden Teams von Biel und Bern auf den jeweiligen blauen Linien aufgestellt, als die 5 Olympia Heldinnen aufs Eis kamen, Lara, Saskia, Stefanie, Kaleigh und Sinja.
Der verdiente Applaus für die Damen verstummte sehr schnell nachdem sie das Eis verlassen hatten. Oder um präzis zu sein. 30 Sekunden nach Spielbeginn applaudierten nur noch die Bieler Fans. Biel hatte ein Tor geschossen, das allerdings überprüft wurde. Die Frage war: Kicktor und/oder Goal-Behinderung. Die Head-Schiedsrichter schauten sich die Szene lange an. Von der Tribüne sah allerdings alles regulär aus. Und so gaben die Schiedsrichter das Tor. 0:1 Biel.
Bern brauchte ziemlich genau 6 Minuten, um zu reagieren. In der 7. Minute schoss der Postfinance Topscorer Victor Ejdsell von der blauen Linie und traf zum 1:1. Auch wenn das Spiel heute für Bern gar nicht gut begonnen hatte, so spielte der SCB besser als noch am Dienstag gegen Kloten. Von der Körpersprache her waren sie präsenter und sie kamen auch zu einigen Chancen. Zu hoffen war in diesem ersten Drittel, dass das nicht – wie am Dienstag – alles gewesen war.
Biel – und das soll auch gesagt sein – war allerdings im ersten Drittel auch deutlich besser als Kloten noch am letzten Dienstag. Trotzdem ging Bern in der 18. Minute in Führung. Mike Sgarbossa traf mit einem sehenswerten Backhand-Hocheckschuss. Doch noch vor Drittelsende glichen die Bieler das Score wieder aus. Petr Caijka durfte ziemlich unbehelligt aufs Berner Tor ziehen und ausgleichen. 2:2. Pause.
An Biels Bande steht ja seit einigen Wochen Christian Dubé. Dubé ist eine Ikone des Schweizer Eishockeys. Er hat 630 Spiele in der NLA bestritten und sammelte dabei 674 Punkte. 210 Tore und 464 Assists. Lange Jahre spielte er beim SCB, um seine aktive Karriere bei Gottéron in der Saison 2014/15 zu beenden. In der Folge war er Sportchef und Trainer bei Gottéron, Im Mai 2024 wurde Dubé bei Gottéron entlassen, was ihn – wie man hört – sehr traf.
Und nun ist Dubé also zurück an der Bande, bei Biel. Und er besticht nach wie vor mit seinem modischen Auftritt. Anzug, Krawatte und heute ein schmuckes Berret. Biel pflegte im 2. Drittel einen etwas rüden Spielstil, was mit drei aufeinander folgenden Strafen bestraft wurde. Während den ersten beiden Überzahlspielen kam der SCB zu einigen Chancen, ohne diese allerdings verwerten zu können.
Auch im dritten Powerplay zog Bern ein gutes Spiel auf. Und dieses Mal wurden die Stadtberner belohnt. Joel Vermin hatte mit einem Hocheckschuss getroffen. Biel ergriff eine Coaches Challenge und liess die Szene auf eine Torhüterbehinderung überprüfen. Die Schiedsrichter sahen tatsächlich eine Solche und annullierten den Treffer. Tristan Scherwey soll den Torhüter behindert haben. „Es wäre natürlich schön gewesen, 3:2 in Führung zu gehen. Ich grüble über solche Dinge nicht nach, denn es nützt nichts. In dieser Szene war es wohl 50:50. Aber eben, der Schiedsrichter entscheidet und dann ist es so,“ schaute der vermeintliche Torschütze Joel Vermin auf die Szene zurück.
Danach geriet der SCB in Unterzahl, allerdings gelang auch dem EHC Biel-Bienne kein Tor. Und so stand es weiterhin 2:2 unentschieden. Wie letzten Dienstag stand übrigens auch heute wieder Sandro Zurkirchen bei Bern im Tor. Womit Bern mit sechs ausländischen Feldspielern antreten konnte. Wieder endete das Drittel unentschieden. Immer noch 2:2. Der Zuschauer, der vor Beginn des zweiten Drittels das Schlussresultat von 5:3 getippt hatte, konnte nach wie vor recht behalten.
Auch wenn die durchschnittliche Torausbeute des SCB in dieser Saison ein solches Resultat zumindest statistisch ausschliessen würde. Biel kassierte im dritten Drittel die wohl schnellste Strafe ever. Nach nur 4 Sekunden musste der Postfinance Topscorer Lias Andersson auf die Strafbank. Wieder konnte Bern in Überzahl agieren. Und wieder gelang kein Tor. Weil, der geneigte Leser bzw. die geneigte Leserin weiss es schon, weil von der SCB Offensive deutlich zu wenig Gefahr ausgeht.
Und das schon die ganze Saison hindurch. Insofern sei die Frage erlaubt: Warum ist es Heinz Ehlers nicht gelungen, den SCB gefährlicher zu machen? Vielleicht, weil Ehlers seine Linien zu häufig umstellt. Und seinen Spielern damit nicht die Möglichkeit gibt, Automatismen zu üben und dank diesen mehr Tore zu erzielen. Womit wir wieder mal bei der Trainerfrage wären.
Der SCB hat seinen Trainer für das nächste Jahr immer noch nicht kommuniziert und schweigt beharrlich zum Thema. Nach der Entlassung von Diego Piceci ist Martin Plüss der allein dafür Zuständige. Plüss ist definitiv nicht die personifizierte Redseligkeit. Und einige Chronisten bezeichnen ihn als zögernd bzw. Entscheid-schwach. Und wenn die eine Seite schweigt, dann spekuliert die andere, die Medien.
Mittlerweile kursieren noch drei Namen. Ville Peltonen, der unter Kari Jalonen Assistent beim SCB war. Lars Leuenberger, der den SCB 2016 vom 8. Platz zum Meistertitel führte. Und Heinz Ehlers. Das Ehlers nach wie vor als möglicher Kandidat gehandelt wird, nach er schon lange angekündigt hat, im Frühling nach Dänemark zurück kehren zu wollen, verdeutlich Berns Zögern. Ein unverständliches Zögern.
Statt pausenlos strukturelle Veränderungen vorzunehmen und Leute zu entlassen, würde sich der SCB besser um seine sportliche Zukunft kümmern. Aber da kommt leider viel zu wenig. Und den Sportchef, der zumindest einige Transfers abschliessen konnte, hat man jüngst entlassen. Wie sagte des Chronisten Gros doch immer so zutreffend? „Cherchez pas, docteur!! Frei übersetzt meinte sie damit. Du musst nicht alles verstehen. Oder wie es das Grosi eines anderen Zuschauers fand: „Bueb, mit däm gwinnsch ke Bluemetopf“.
Biel stürzte den SCB in der 57. Minute noch weiter in die Krise. Lias Andersson hatte für die Seeländer zum 2:3 getroffen. „Gestern hatten wir über weite Strecken einen sehr guten Match und konnten am Schluss nichts nach Hause nehmen. Und heute war’s sicher etwas glücklich. Biel hat die sich bietende Konterchance auch super ausgespielt,“ freute sich der Bieler Sportchef Martin Steinegger nach dem Spiel. „Unser Torhüter war heute sehr gut und konnte viele Schüsse abwehren.“ Schüsse, die halt gemäss Steinegger auch wegen den fünf Unterzahlsituationen zahlreich waren.
Der SCB nahm sein Timeout. Irgendwie sinnbildlich und auch wenig überraschend war, dass Heinz Ehlers das Coaching während diesem Timeout seinem Assistenten überliess und regungslos dastand. Bern hatte seinen Torhüter raus genommen und spielte mit sechs gegen fünf Feldspieler.
Drei Spiele nach der Olympiapause und insgesamt zwei Punkte. Das Pfeifkonzert der Berner Fans nach der Schlusssirene ist verständlich. Unverständlich bleibt allerdings, warum Bern schon wieder ein Spiel verliert, in dem es deutlich mehr Schüsse aufs gegnerische Tore hatte als der Gegner. 39:25 lautete diese Mal die Schussstatistik. „In den letzten paar Spielen machen wir tendenziell Vieles richtig, nur schiessen wir in den wichtigen Situationen die Tore nicht, die uns einen ruhigen Abend bescheren würden. Oder wir kriegen die Tore zu Unzeiten,“ resümierte Joel Vermin nach dem Spiel. Wobei die heutige Unzeit gegen Biel die 57- Minute war.
Im Kampf um die Play-Ins kommt es nun zu einer Berner Meisterschaft mit Klotener Beteiligung. Die Tabelle sieht nach der heutigen Runde folgendermassen aus:
9. Bern 66 Punkte
10. Biel 64 Punkte
11. SCL Tigers 64 Punkte
12. Kloten 61 Punkte
Zu spielen bleiben noch drei Spiele. „Zählbares muss jetzt rausschauen. Wir müssen jetzt diese Punkte holen. Punkt Schluss.“ Und damit liegt Joel Vermin sehr richtig. Denn ohne Punkt ist dann noch viel früher Schluss mit Meisterschaft. Martin Steinegger, der Bieler Sportchef, hat selbstredend zur Frage der Berner Meisterschaft eine sehr klare Meinung. „MIr egal, was neben uns passiert“, sagt’s und kehrt mit einem Lachen in die Garderobe zurück. Den allermeisten, nicht Bieler-Zuschauerinnen und Zuschauern in der fast ausverkaufen Posrfinance Arena dürfte das Lachen wohl langsam aber sicher vergehen.
Aber wer weiss, vielleicht gewinnt der SCB diese Saison doch noch einen Blumentopf. Die Qualifikation für die Play-Ins könnte ein Solcher sein.
Best Player:
Bern: Victor Ejdsell
Biel: Lias Andersson
SC Bern – EHC Biel-Bienne 2:3 (2:2 | 0:0 | 0:1)
Tore:
0:1 | 1.| Fabio Hofer (Rajala)
1:1 | 7..|Victor Ejdsell (Rhyn, Sgarbossa)
2:1 | 18.| Mike Sgarbossa (Vermin, Ejdsell)
2:2 | 19.| Petr Cajka (Sylvegard)
2:3 | 57.| Lias Andersson (Hofer, Rajala)
Zuschauer
16’806 Zuschauer
Postfinance Arena
Foto: Valentin Lagger