
Die audiovisuelle Abdeckung der Weltmeisterschaften
Es ist eine Heim-WM, die in Erinnerung bleiben wird. Wegen den herausragenden Leistungen unserer Hockey Nati und damit auch wegen all den Emotionen, welche das ganze Land und sicher auch drüber hinaus erfassen. Informationen werden durch Medien transportiert. Das SRF produziert dabei Sendungen fürs Radio und fürs Fernsehen. Dieser Bericht soll einen kleinen und teilweise bewertenden Einblick vor und hinter die Kamera bieten.
Die Schweizer Nati liefert bis anhin noch nie dagewesene Leistungen an der Heim-WM. Sie hat acht ihrer acht bisherigen Spiele gewonnen und sie hat damit im Land eine grosse Euphorie entfacht. Und auch wenn draussen mittlerweile hochsommerliche Temperaturen herrschen, ist Eishockey in (fast) aller Munde. Die Swiss Life Arena ist bei allen Schweizer Spielen restlos ausverkauft. Die restlichen Interessierten müssen bzw. dürfen auf die Medienberichterstattung, u.a. derjenigen von SRF zurückgreifen. Werfen wir einen Blick auf die Berichterstattung des SRF.
Um es vorweg zu nehmen. Das SRF macht aus unserer Sicht einen wirklich guten Job. Die Berichterstattungen sind sehr ausführlich und transportieren jede Menge durch die Schweizer Nati produzierte Emotionen. Denn genau diese Emotionen sind es, die wir als Zuschauerinnen und Zuschauer erleben wollen. Das SRF ist sowohl im Radio wie im TV präsent. Und die Berichterstattungen sind komplementär. Das Radio sendet aus der Fan-Zone. Das TV deckt die Spiele ab und liefert Hintergrundberichte.
Das Eishockey-WM-Magazin zeigt jeden Tag eine Persönlichkeit aus dem Eishockey. Fabienne Gyr und Lukas Studer fahren mit einem grossen Wohnwagen durch die Schweiz und reden mit Kevin Schläpfer, Andres Ambühl, Ralph Krüger und vielen anderen. Die erzählten Geschichten sind unterhaltsam und süffig aufbereitet. Und eine Geschichte endete einmal sogar auf dem Wasser. Fabienne Gyr mit Ralph Krüger mit Wasserski auf dem Zugersee.
Das Flaggschiff der WM sind dann aber logischerweise die Übertragungen der Schweizer Spiele. Die Sendungen sind informativ, vermitteln Hintergrundinformationen und transportieren auch da jede Menge Emotionen. Dem von den Fans zur inoffiziellen Hymne hochstilisierte Song von Patent Ochsner „W.Nuss vo Bümpliz“ wird nach jedem Sieg jener Platz gelassen, den er verdient. Und den wir alle hören bzw. mitsingen wollen.
Schauen wir jetzt ein wenig detaillierter auf die Kommentatoren. Kommentieren ist eine anspruchsvolle Tätigkeit, denn jeder hört zu und manch einer weiss es vielleicht immer mal wieder besser. Kommentatoren müssen Eines zwingend verinnerlichen. Der Mensch nimmt Optisches deutlich besser wahr als Akustisches. Wenn der Kommentator also etwas sagt, was man auf dem Bildschirm nicht sieht, entsteht ein Widerspruch. Anspruchsvoll ist auch, dass der Kommentator eine Geschichte erzählen muss, von der er nicht weiss, wie sie enden wird.
Reto Müller und Philippe Furrer erzählen immer wieder tolle Geschichten. Und weil man eben vorher nie weiss, wie die Geschichte ausgehen wird, müssen Kommentatoren verschiedene Varianten vorbereiten. Oder wie es Reto Müller, der SRF-Hauptkommentator, formuliert: „Im übertragenen Sinne gehen wir unsere Einsätze sehr ähnlich an wie die Nati selbst: Zentral ist für uns eine gewissenhafte Matchvorbereitung. Dabei besprechen wir unseren «Gameplan» und mögliche Szenarien.“
Müller ist der Hauptkommentator, Furrer der Experte. Die Rollen sind also klar verteilt. Der Hauptkommentator führt durch das Spiel, liefert die harten Fakten und sorgt für eine sachliche Struktur. Wenn also ein Tor fällt, ist es des Hauptkommentators Aufgabe, zu informieren, wer das Tor erzielt hat und wann es gefallen ist. Oder um es auch hier mit den Worten von Reto Müller zu umschreiben. „Während dem Spiel versuchen wir auf die richtige Dosierung und unsere Rollenaufteilung zu achten. Und dann gehört natürlich auch bei uns die Nachbearbeitung für die laufende Feinjustierung dazu.»
Der Experte seinerseits analysiert gelungene und misslungene Spielzüge, erklärt und bewertet den Gameplan und legt den Fokus auf individuelle Aktionen der Spieler. Philippe Furrer kennt als ehemaliger Eishockeyprofi sämtliche Hintergründe des Eishockey. Und es gelingt ihm sehr gut, all diese Hintergründe verständlich rüber zu bringen. Furrer wollte schon als Spieler immer besser werden, das will er nun auch als Experte. Er meint dazu: «Wie die Spieler auch, versuchen wir von Spiel zu Spiel besser zu werden. In regelmässigen SRF-Schulungen holen wir Feedbacks zu unseren Einsätzen und Inputs für die nächsten Aufgaben ab. Dies hilft uns, stetig an unserer Arbeit zu feilen.»
Emotionen können auch mittels Humor transportiert werden. Der Humor darf allerdings niemals zu plump sein, denn sonst wirkt es aufgesetzt und zuweilen auch etwas peinlich. Auch in der Disziplin „Humor“ bietet das Duo Müller/Furrer eine tadellose Leistung. Sie erzählen Anekdoten und kleine Hintergrundgeschichten und erzeugen so das Gefühl von Nähe. Die Zuschauerin und der Zuschauer fühlt sich so, wie wenn er oder sie sich zusammen mit den Spielern im Bekannten- oder Freundeskreis bewegen würden. Furrer redet ab und an „vor Josle“, wobei Müller dann mit einem Lacher präzisieren kann, dass es sich dabei um Roman Josi handelt. Josi, der Superstar, der übrigens genau gleich wie Michelle Hunziker, in Italien ein Superstar und von „Wetten, dass….“ bekannt sowie Ursula Andres, sie früher als Bondgirl bekannt, in Berner Vorort Ostermundigen aufgewachsen ist.
Ostermundigen und (die W.Nuss vo) Bümpliz, die eine Ortschaft, Ostermundigen, im Osten, die andere im Westen Berns. Übrigens, habt ihr euch schon mal gefragt, warum der Hauptkommentator bei SRF ein „Schweizer Hochdeutsch“ und der Experte Dialekt spricht. Damit soll die Verständlichkeit über die Sprachgrenzen hinweg gefördert werden. In der Schweiz versteht nicht jeder jeden Dialekt problemlos. Vor allem in den sprachregionalen Grenzgebieten oder für Menschen in der Westschweiz und dem Tessin, die Deutsch als Zweitsprache lernen, ist Schweizerdeutsch oft eine Barriere. Das Schweizer Hochdeutsch fungiert hier als der grösste gemeinsame Nenner, damit möglichst viele Einwohnerinnen und Einwohner den oft schnellen Live-Übertragungen folgen können.
Und mit dem Schweizer Hochdeutsch, das sich doch hörbar vom „deutschen Deutsch“ unterscheidet, soll bestimmt Identität und Erkennbarkeit geschaffen werden. Genau so wie man an der Sprache einen Deutschen von einem Österreicher unterscheiden kann. Der Experte hingegen spricht Mundart, Dialekt also. Das bringt die nötige Emotionalität, Spontaneität und das Gefühl von „Nähe“ und „Daheim“ in die Übertragung. Im Fall von Philipp Furrer ist sein Berndeutsch gut verständlich und gibt wohl fast immer verstanden. Was man vielleicht beim Ski-Experten Didier Plaschi und seinem ausgeprägten und auch schönen Walliser Dialekt nicht immer behaupten kann.
Während den Pausen moderieren Annette Fetscherin und Sascha Ruefer. Begleitet durch die Experten und ehemaligen Eishockeyprofis Marc Reichert und Christian Weber. In diesen Pausen werden die vorangegangenen Drittel analysiert und Spielszenen detailliert und in Verlangsamung gezeigt und erläutert. So dass die Zuschauerinnen und Zuschauer die einzelnen Szenen wieder anschauen und so Furrers Analyse während dem Live-Spiel besser verstehen können. Auch in diesem Bereich erhalten wir vor dem Fernseher allerbeste Information und Unterhaltung.
Das alles zeigt, dass eine gute Sendung minutiös vorbereitet sein will. Wie Reto Müller es sagt, muss man sich auf verschiedene Szenarien vorbereiten können. Gute Vorbereitung erlaubt es auch, richtig zu reagieren, wenn etwas Unerwartetes eintritt. Ein wohl nicht erwartetes Szenario gab es beim ersten Tor Josis bei seinem lupenreinen Hattrick. Josi hatte den Torhüter mit einem satten Flachschuss erwischt. Im Kommentar analysierte Philippe Furrer sofort, er sei sicher, dass Josi hoch habe schiessen wollen. Das sehe man der Bewegung an. Und dann sei die Scheibe über die Schaufel gerutscht und flach rein gegangen.
Im Interview nach dem Spiel fragte der SRF Interviewer Lukas Ninck Roman Josi nach seinen drei Toren. Worauf dieser mit einem Lächeln meinte, es sei auch etwas glücklich gewesen, denn den ersten Schuss habe er als Hocheckschuss abgeben wollen.
Doch zurück zur Wahrnehmung von uns Zuschauerinnen und Zuschauern. Das Optische überwiegt das Akustische immer. Oder plakativ formuliert: Das Bild gewinnt immer. Genau deswegen darf ein guter Kommentator oder eine gute Kommentatorin auch mal das Bild reden lassen und selber schweigen. Es ist nämlich nicht immer einfach, die eigene Ruhe auszuhalten, wenn man fürs Reden bezahlt wird.
Zurück zu den Emotionen: Manchmal sind diese dann so gross, dass selbst hart gesottene Eishockeyspieler gläserne Augen kriegen. So wie Christian Marti, der nach dem Sieg gegen Schweden meinte, er habe Roger Federer zum ersten Mal live gesehen. „Das ist schon noch eine andere Liga. Büne Huber war auch schon gut, aber das habe ich geil gefunden. Ich hätte durch eine Wand rennen können.“
In dem Sinne: Hopp Schwiz! Möge die WM der Rekorde weitergehen und der Schweiz ihren ersten Weltmeistertitel bringen. 10’000 Menschen werden am Finaltag, am Sonntag, in der Swiss Life Arena sein. Und hunderttausende Andere vor den Bildschirmen, an den Radios oder beim Lesen von Live-Tickern. Auf dass die Emotionen einen weiteren Höhepunkt erreichen. Wir werden sie hören wollen, die Nationalhymne und danach die „W.Nuss vo Bümpliz.“
Foto: City-Press GmbH