
Die Schweiz feiert
Die WM in der Schweiz begeistert die Massen. Nach dem heutigen Derby Schweiz gegen Deutschland sowieso. Im SRF-Interview nach der ersten Pause – es stand noch 0:0 – wies der Schweizer Sportminister Martin Pfister den Weg. Die Schweiz werde gewinnen, versprach er. Und er sollte Recht behalten. Begleitet von den Klängen der Venus von Bümpliz feierte die ganze Schweiz. Nach einem Teil mit Stimmen aus der Schweiz folgt hier die Spielzusammenfassung unseres lieben Kollegen Hermann Graßl. Merci Hermann!
D’w. nuss vo bümplizIsch schön win es füür I dr nachtWin e rose im schneeWe se gseh duss in bümplizDe schlat mir mys härz hert im halsUnd I gseh win I ungergah, ja, ja
Der legendäre Song der ebenso legendären Berner Band Patent Ochsner hallte nach dem diskussionslos gewonnenen Spiel durch die Arena in Zürich und alle sangen mit.
Quelle: SRF Live TV
Sogar der sonst Zürcher Dialekt sprechende SRF Kommentator Reto Müller zitierte auf Berndeutsch:
Altstetten – da befindet sich die Swiss Life Arena – ist ein wenig wie Bümpliz. Wenn Büne Huber (der Sänger und Frontmann von Patent Ochsner) singt: „de schlat mir mis Härz hert i Haus.“ Als ich die Kopfhörer ausgezogen habe, ging es mir genau so. Zu spüren, was diese Mannschaft ausgelöst hat und zu wissen, woher diese Mannschaft kommt. Unter anderem mit der Freistellung von Patrick Fischer kamen doch Zweifel auf und jetzt so was. Dieser Weg ist für mich schon fast unerklärbar.
Auch Müllers Kommentatoren-Partner, der Eishockey Experte Philippe Furrer kam aus dem Schwärmen nicht mehr raus.
Ich sehe das Team, das wir schon in den beiden letzten Weltmeisterschaften gesehen haben. Das Team strahlt Freude und Zusammenhalt aus. Das freut mich enorm.
Auch der andere SRF-Eishockey-Experte Marc Reichert kam aus dem Schwärmen ob der heutigen Partie nicht mehr raus. Besonders angetan hat es ihm der NHL-Star und Schweizer Captain Roman Josi.
Was Roman Josi macht, das kannst du nicht lernen.
Die Übersicht, die Passstärke und die Teamfähigkeit, die Josi an den Tag legt, ist in der Tat phänomenal. Der kleine Roman, der in Ostermundigen aufgewachsen ist und auszog, um die Eishockeywelt bei den Nashville Predators zu erobern. Genau dieser Roman ist aktuell wieder zurück in der Schweiz, um gemeinsam mit seinem Team den ganz grossen Titel anzustreben. Ostermundigen, der kleine und schöne Berner Vorort hat neben Roman Josi auch andere Weltstars hervorgebracht. Michelle Hunziker und das Bondgirl Ursula Andres haben auch ihre Jugend in Ostermundigen zugebracht.
Der angesprochene Josi meinte dann selber im SRF Interview:
Jedes Spiel macht bis jetzt Spass. es war heute wieder ein sehr gutes Spiel von uns. Sobald wir das erste Tor gemacht haben, ging es für uns auf. Deutschland musste aufmachen und das kam uns entgegen.
Und dann wollen wir auch noch Nino Niederreiter zu Wort kommen lassen. Auch er stand dem SRF Red und Antwort.
Die Atmosphäre hier ist einmalig, wir geniessen jeden Sie, jeden Moment. Im ersten Drittel waren wir zu hektisch und haben zu nervös gespielt. Deutschland hat es aber auch sehr clever gemacht und unser Spiel gestört. Zum Glück kam dann das 1:0 und das hat das Spiel geöffnet.
Der Traum kann in der Schweiz weiter geträumt werden. Nach zwei Finalteilnahmen und den beiden Silbermedaillen in den beiden letzten Jahren sind die Erwartungen in der Schweiz zu Recht sehr hoch. Nach dem heutigen Spiel dürften sie nochmal gestiegen sein. Nicht auszuschliessen, dass Sportminister Martin Pfister zusammen mit dem Bundespräsidenten Guy Parmelin nach den Olympia-Medaillen-GewinnerInnen bald auch die Schweizer Eishockey-Nati im Bundeshaus begrüssen kann.
Oder wie es mir ein guter Freund während dem Spiel heute schrieb:
Fingsch no Wort für das Power-Spiel z’beschreibe? Das isch Hockey uf höchen Niveau💪🥇🏆👍
Recht hat er. Unser lieber Kollege Hermann Graßl hat Worte gefunden. Wir übernehmen hier nachfolgend seinen Artikel. MERCI Hermann! Er schreibt für die deutsche Seite von eishockey-online. Diese Seite ist unter Eishockey Online News – Eishockey-Online News – von eishockey-online.com Eishockey Online News zu finden.
In der Swiss Life Arena in Zürich kam es zum Nachbarschaftsduell zwischen dem Gastgeber Schweiz und Deutschland.
Die DEB-Auswahl kassierte gegen aufopferungsvolle Letten die zweite Pleite in diesem Turnier und stand mächtig unter Druck. Gegen den souverän gestarteten Schweizer Gastgeber gab es keine Option, es mussten drei Punkte her, um noch eine Chance auf den Einzug ins Viertelfinale zu wahren. Es gab viele Stellschrauben für Headcoach Harold Kreis: Unterzahl, Überzahl und Chancenverwertung! Statistisch rangierte man in diesen Disziplinen auf dem letzten Platz unter den 16 WM-Teams.
Gastgeber Schweiz hatte nach zwei Spieltagen eine makellose Bilanz aufzuweisen und vor allem der Auftaktsieg gegen den Weltmeister USA ließ die Nati auf eine grandiose Heim WM hoffen. Die Bilanz der Schweizer gegen Deutschland war bei den letzten beiden Weltmeisterschaften makellos, man gewann vier der vergangenen fünf Partien. Demzufolge ging die Nati als Favorit in diese brisante Partie mit richtungsweisendem Charakter für das deutsche Team.
Hochklassige Begegnung auf Augenhöhe
Für die DEB-Auswahl stellte dieses brisante Derby schon ein Do or Die Match dar. Heute galt das Motto dieser WM „Time to shine“ umso mehr: es konnte keinen besseren Zeitpunkt dafür geben! Headcoach Harold Kreis nahm Veränderungen vor: Anstelle von Philipp Grubauer hütete Debütant und Jungspund Jonas Stettmer das Gehäuse und Andy Eder kehrte ins Line Up zurück. Manuel Wiederer bekam eine Pause und Phillip Sinn erhielt seinen ersten Einsatz in der Verteidigung. Auf Sven Andrighetto musste die DEB-Auswahl besonders achten, der beim Aufeinandertreffen in der letzten WM mit vier Treffern das Spiel alleine entschied.
Die Schweiz mit ihrer goldenen Generation und ihrem neuen Dompteur hinter der Bande, Jan Cadieux, war erpicht, auch ihr drittes Vorrundenmatch erfolgreich zu gestalten und weiter in Richtung Finale zu marschieren. Es gab früh das erste Powerplay für Deutschland, doch schon wieder erwiesen sich die special teams als fehlerbehaftet und man gelangte nicht in die Aufstellung. So rannen die Sekunden wirkungslos herunter ohne einen einzigen Torschuss realisiert zu haben. Das Penalty Killing der Gastgeber war auch sehenswert.
Die Hausherren verbuchten ihren ersten Torschuss erst nach über sechs Minuten und konnten bislang auch nicht ihre gewohnte Dominanz ausstrahlen. Einen drei auf eins Konter konnte das deutsche Team nicht nutzen, das sich in den ersten zehn Minuten sehr gut verkaufte und körperlich dagegenhielt. Auf Goalie Jonas Stettmer war Verlass, was nun im ersten Unterzahlspiel dringend vonnöten war. Keeper Stettmer knüpfte nahtlos an seine brillante Finalperformance an und es gab hochkarätige Chancen für Deutschland.
Die Atmosphäre in der ausverkauften Swiss Life Arena war relativ ruhig, was hauptsächlich an der starken Leistung der DEB-Auswahl lag.
Dove-McFalls: „Es ist ein schnelles Spiel bei dieser Stimmung. Unser Puck Management war bisher auch sehr gut und viele Scheiben zum Tor gebracht.“
Schweiz zerlegt Deutschland
Deutschland, das ein nahezu perfektes erstes Drittel absolvierte, startete in den Mittelabschnitt mit einem Powerplay bei frischem Eis: es war irgendwie der Wurm drin in dieser Disziplin, denn auch dieses Mal sprang nichts Zählbares heraus. Aller guten Dinge sind drei, denn es gab wieder Powerplay für die DEB-Auswahl, doch die Hausherren agierten aggressiv. Und dann kassierte Deutschland sogar den Shorthander kurz vor Ablauf der Schweizer Strafzeit. Torschütze war Denis Malgin in der 26. Spielminute nach einer feinen Passstafette. Nur drei Minuten danach zelebrierten die Gastgeber erneut ihre Qualität, als Denis Andrighetto zum zweiten Mal einnetzte. Und der dritte Treffer ließ nicht lange auf sich warten, der in der 30. Spielminute durch Christoph Bertschy fiel.
Das waren brutale Nackenschläge für die DEB-Auswahl, die sich binnen knapp viereinhalb Minuten die Butter vom Brot nehmen ließ. War dies schon die Vorentscheidung? Die Torflaute bei den Deutschen hielt nun schon fast fünf Drittel an, das konnte nicht der Anspruch des WM Zweiten von 2023 sein! Was war denn hier nun los im Mittelabschnitt? Nach dem vierten Treffer durch Nico Hischier in der 38. Spielminute traf in der 39. Spielminute Roman Josi auch noch. Nun überrollten die Schweizer das deutsche Team nach Belieben und spielten ihre Klasse aus. Die Effizienz im zweiten Drittel war herausragend!
Mik: „Wir gaben zu leicht die Chancen her, die Schweiz war eiskalt in ihrer Verwertung. Wir müssen nun eine Reaktion zeigen.“
Schweiz gnadenlos mit halbem Dutzend – Ehrentreffer durch Tiffels
Was konnte bei diesem desaströsen Spielstand für Deutschland noch drin sein im letzten Abschnitt? Das Ziel musste sein, mit einem guten Gefühl in die nächste schwere Partie gegen den amtierenden Weltmeister USA zu gehen und zumindest das Drittel zu gewinnen. Die Gastgeber flogen inzwischen über das Eis und hielten die deutsche Mannschaft auf Distanz. Es ging munter weiter, denn in der 46. Spielminute machte Sven Andrighetto das halbe Dutzend voll. Nun wurde es peinlich für das deutsche Eishockey. Stand jetzt war es die höchste Niederlage seit dem Jahr 1937!
Die Gastgeber spielten sich in einen Rausch, visierten beim Powerplay zwei Mal das Gestänge an und zeigten ein feines Kombinationsspiel. De deutsche Mannschaft lief nur hinterher und konnte keine Akzente mehr setzen. Es glich einem Offenbarungseid, was die DEB-Auswahl hier auf das Parkett legte. Darüber musste sicherlich diskutiert werden im Nachgang.
Tatsächlich klappte es dann doch noch mit dem Ehrentreffer in Person von Freddy Tiffels in der 56. Spielminute. Moritz Seider wurde als bester Spieler des Tages gewählt.
In nur knapp 13 Spielminuten wurden Deutschland die Grenzen aufgezeigt und die Schweiz demonstrierte auf höchstem Niveau ihre Favoritenrolle bei dieser Weltmeisterschaft. Für die Schweizer Nati kam nur Gold in Frage! Deutschland erlebte am heutigen Abend eine Lehrstunde gegen herausragende Schweizer.
Stettmer: „Es war eine große Ehre in der Nationalmannschaft zu spielen. Wir verloren den Faden, es war ein schwieriges Spiel. Es war hart, so schnell zwei Gegentore zu kassieren, davon konnten wir uns nicht mehr erholen. Es gilt den Glauben an das Viertelfinale aufrechtzuerhalten, es gibt noch genügend Spiele.“
Seider: „Wir sind völlig auseinandergefallen und so kommt dieser Spielstand zustande. Wir waren mental nicht stark genug. Wir sind sehr frustriert. Es war sehr ordentlich bis zum Gegentor.“
Deutschland – Schweiz 1:6 (0:0|0:5|1:1)
Tore:
0:1 |26.| Denis Malgin (Hischier, Josi) SH1
0:2 |29.| Sven Andrighetto (Malgin, Meier)
0:3 |30.| Christoph Bertschy (Niederreiter, Jung)
0:4 |38.| Nico Hischier (Meier, Josi) PP1
0:5 |39.| Roman Josi (Meier, Josi) PP1
0:6 |46.| Sven Andrighetto (Malgin, Suter)
1:6 |56.| Frederik Tiffels (Reichel, Samanski)
Haupt-Schiedsrichter: Ondracek (CZE) / Holm (SWE)
Zuschauer
10’000 Zuschauer (ausverkauft)
Swiss Life Arena, Zürich Altstetten
Alle Spiele vom Montag, 18. Mai 2026:
Gruppe A:
Finnland – USA 6:2 (3:1; 2:0; 1:1)
Deutschland – Schweiz (0:0|0:5|1:1)
Gruppe B
Kanada – Dänemark 5:1 (0:0; 0.0; 5:1)
Schweden – Tschechien 3:4 (2:3; 1:1; 0:0)
Foto: justpictures.ch