Gottéron Meister – ein Kanton in Ekstase

von 1.Mai 2026National League

Fribourg Gottéron ist zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte Schweizer Eishockeymeister. Und ein ganzer Kanton ist damit am Ziel seiner Träume angekommen. Und mitten drin ein gewisser Julien Sprunger (Foto), der in Davos die Meistermedaille aus den Händen von Ligadirektor Denis Vaucher erhält. Vor 24 Jahren, am 27. September 2002 begann Sprungers Karriere in Davos und sie endete gestern Abend mit einem Höhepunkt.

„Eifach geil füre Club, fürd Jungs und vorauem füre Sprungi… Dr erscht Meistertitu isch öpis vom Spezieuschte wos git… Ig gratuliere aune und freue mi so sehr füre Sprungi. Ä riese Mönsch wo das so verdient het zum Abschluss. Märli puur…!“ So lässt sich Philippe Furrer gegenüber dieser Redaktion zitieren.  Er, der seine lange und erfolgreiche Karriere bei Gottéron beendet hat. Zwischen 2018 und 2022 spielte er bei den Freiburgern und ist dem Club auch heute noch verbunden. Er, der mittlerweile als Hobby beim HC Murten spielt. Was Furrer sagt, widerspiegelt genau das, was ein ganzer Kanton nach diesem Meistertitel fühlt. Es widerspiegelt das, was aktuell in Freiburg los sein muss.

Philippe Furrer hebt einen Spieler ganz speziell hervor und das völlig zu Recht. „Sprungi“, alias Julien Sprunger. Sprunger, der 24 Saisons für Gottéron gespielt hat und dem Club immer treu geblieben ist. Sprunger, der nach Spiel Nr. 6 im Interview meinte, dass das Spiel in Davos „zum schönsten in meinem Leben“ werden könnte. Dieser Wunsch ist eindrücklich in Erfüllung gegangen. Sprunger, die Freiburger Legende, hat seine Copains zum Meistertitel geführt und kann nun seine Schlittschuhe an den berühmten Nagel hängen.

Davos hatte heute seinen zweiten Matchpuck, Gottéron den ersten. Am Dienstag musste Gottéron zu Hause gewinnen und es gelang auch. In der Verlängerung erzielte Jeremi Gerber das Game winning Goal. Und damit kam es gestern Abend in Davos zur alles entscheidenden siebten Partie. Und auch diese Partie endete wie (fast) alle Partien zuvor. Mit einem Tor Unterschied. Einzig in der zweiten Partie gewann Davos mit 3:1. Gottéron gelang ein besserer Start in die Partie. Dank Toren von Borgström und Reber gingen die üechtländer bis zur 14. Minute mit 0:2 in Führung. Noch vor Ende des ersten Drittels konnte Davos durch Klas Dahlbeck verkürzen.

Im torlosen zweiten und auch im dritten Drittel spielten beide Teams auf Augenhöhe, vielleicht mit kleinen Vorteilen für Davos. So konnte Davos denn auch in der 49. Minute eine Überzahlsituation ausnützen und die Partie durch Filip Zadina ausgleichen. Somit ging auch diese Partie in die Verlängerung. In Minute 64:28 stockte den Davoser Fans der Atem. Der Davoser Calle Andersson hatte die Scheibe aus dem eigenen Drittel heraus über die Bande geschlagen und wurde deswegen mit 2 Minuten wegen Spielverzögerung bestraft.

Eine gute Minute später hatten sich die Freiburger im Davoser Verteidigungsdrittel festgesetzt. Sörensen und schliesslich Kapla bedienten Lucas Wallmark, der aufzog und mit einem extrem starken Schuss dem Davoser Schlussmann Sandro Aeschlimann keine Chance lies. 2:3. Freiburg ist Schweizer Eishockey Meister.

In der Davoser Eishalle bei den mitgereisten Fans aber vor allem in Freiburg in und rund um die BCF Arena brachen alle Dämme. Der am 1. Dezember 1937 gegründete Verein ist zum ersten Mal in seiner Geschichte Schweizer Eishockeymeister. Gottéron ist übrigens der Name eines Flusses, der durch Freiburg fliesst. In der Nähe dieses Flusses hat Gottéron seine ersten Spiele ausgetragen.  „Seit 46 Jahren warten wir in Freiburg auf diesen Meistertitel. Wir haben hart gekämpft. 2019 schrieben wir eine Vision, dass wir bis 20’25 Meister werden wollen. Dann kam die Pandemie dazwischen und wir sagten, es braucht ein Jahr mehr. Und jetzt ist es aufgegangen,“ so der abtretende Präsident von Gottéron Hubert Waeber im mysports-Interview.

In weiteren mysports-Interviews zeigten mehrere Spieler den riesigen Stellenwert dieses Titels auf. Christoph Bertschy, der Nationalspieler, rang nach Worten und mit den Tränen. „Jeder, der einmal für diesen Club gespielt hat, weiss, was uns das bedeutet….“, sagte er bevor ihm die Stimme ob all den Emotionen den Dienst versagte. Auch Yannick Rathgeb fand: „Es ist unglaublich. ich habe keine Worte. Es ist für Julien. Er hat nichts anderes verdient und wir haben es machen können.“

Der Freiburger Meistertrainer Roger Rönnberg ist seit Beginn dieser Saison Headcoach bei Gottéron und er ist mit einem klaren Plan angetreten. Meister werden. Ab und an wurde vielleicht etwas geschmunzelt über eine besehen die bisherige Geschichte vielleicht etwas grossspurige Ansage. Doch Rönnberg hat in seiner ersten Saison geliefert. Und im Moment des grössten Triumpfes zeigte sich der Schwede sehr bescheiden. „Es geht hier nicht um mich. Es geht heute Abend um Reto (Berra) und Julien (Sprunger) und um alle anderen Jungs. Schaut euch Julien an, es ist so wunderbar, einen solchen Spieler zu coachen. Und ich bin aus tiefstem Herzen stolz, ein so grossartiges Team zu coachen.“

Während die Freiburger Helden in Davos Interviews gaben, ging in und rund um die BCF Arena in Freiburg die Post ab. Schätzungen gehen davon aus, dass in und ausserhalb der Arena rund 20’000 Menschen den ganzen Abend mit gefiebert hatten. Klar wurde nach dem entscheidenden Tor in Freiburg die traditionelle Hymne „Lyoba“ angestimmt. Hier festgehalten durch Tom Fasel, der diese Redaktion gestern Abend mit Bildern und Videos beliefert hat.

„Ich kann es nicht beschreiben. Ich bin ein Mensch, der sehr viel überlegt. Und ich habe mir überlegt, was ich in diesem Moment sagen würde.“ Auch Reto Berra, der ab nächster Saison bei Kloten spielen wird, hob seinen Captain Julien Sprunger hervor. „Julien empfängt jeden Menschen in der Freiburger Garderobe gleich, egal woher er kommt. Darum geht’s im Leben.“ Und nun soll auch der so viel gelobte Julien Sprunger selbst zu Wort kommen. „Es ist unglaublich, es ist ein Traum. Ich habe die ganze Karriere hart gearbeitet, um so einen Tag zu erleben. Letztes Spiel der Karriere,  Overtime. Es ist wirklich unglaublich.“

Die Mannschaft wird nun nach Freiburg zurück reisen und es ist anzunehmen, dass sie dort noch von weit mehr als den 20’000 Menschen erwartet werden wird. „Es wird sicher unglaublich sein in Freiburg,“ so Sprungers logische Voraussage. Und fast wäre es nicht zu diesem Märchen gekommen. „Letzte Saison wollte ich eigentlich schon fast aufhören und ich hatte ein langes Gespräch mit Rönnberg. Ich versprach ihm, mir noch eine Chance zu geben, vielleicht klappt es und es hat geklappt. Ich glaube, das war die beste Entscheidung meines Lebens.“ Julien Sprunger, auch er ist am Ziel seiner Träume angekommen.

Einen weiteren Traum hat sich auch Lars Leuenberger, der Assistenzcoach von Gottéron erfüllt.

Leuenberger, hier in der Bildmitte hat mittlerweile den Ruf, Unmögliches möglich zu machen. 2016 führte er den SC Bern von Rang 8 nach der Qualifikation zum Meistertitel. In der Altjahreswoche 2024 hat er einen sehr darbenden HC Fribourg Gottéron als Cheftrainer übernommen und hat die Freiburger innerhalb nur einer Woche zum Spenglercup-Sieg geführt. Und nun dies. Zusammen mit Roger Rönnberg hat er die Üechtländer zum ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte geführt.

Und zum Schluss richten wir den Blick noch auf die unmittelbare Zukunft. Diese Redaktion hat die folgende Frage in eine kleine KI-Recherche geschrieben: Was wird in Freiburg los sein wenn Gottéron meister wird? Hier die Antwort:

Sollte der HC Fribourg-Gottéron den ersten Meistertitel seiner Klubgeschichte holen (nach dem entscheidenden Spiel 7 am 30. April 2026), erwartet Freiburg eine historische Party. Hier sind die geplanten Szenarien:
    • Freinacht: Die Behörden haben für den Fall des Titelgewinns eine Freinacht im gesamten Kanton Freiburg in Aussicht gestellt. Bars und Restaurants dürfen unbegrenzt geöffnet bleiben.
    • Public Viewing & Party an der BCF Arena: Nach dem Spiel wird eine riesige Party in und um die BCF Arena erwartet, wobei auch ein Public Viewing auf dem Vorplatz stattfindet, da die Arena selbst ausverkauft ist.
    • ÖV-Spezialangebot: Um die Fans sicher nach Hause zu bringen, sind in der Nacht auf Freitag Extrabusse der TPF geplant, die um 1, 3 und 5 Uhr morgens von der Eishalle aus in alle Bezirke des Kantons fahren.
    • Offizielle Parade: Für den kommenden Samstag nach einem möglichen Sieg ist eine offizielle Parade in der Stadt Freiburg geplant.
    • Ekstase in der Stadt: Es wird mit zehntausenden Fans gerechnet, die den langersehnten Triumph feiern, insbesondere im Sektor Saint-Léonard.

Die Stimmung wird als „kollektive Ekstase“ beschrieben, da es der erste Titel für den Verein ist.
 
 
Merci wart ihr alle unserer Redaktion in dieser Saison treu. Wir werden auch von der Weltmeisterschaft in der Schweiz berichten und natürlich auch in der Zwischensaison und nächste Saison wieder für euch da sein. Häbet nech Sorg!!
 
 

 

 HC Davos – Fribourg Gottéron 2:3 nV (1:2 |0:0 |1:0)
Serie: Freiburg gewinnt mit 4:3 und ist Schweizer Meister

Tore:
0:1 | 3.| Henrik Borgström (Kapla, Wallmark)
0:2 | 14.| Jamiro Reber (Nemeth, De la Rose)
1:2 | 17.| Klas Dahlbeck (Frick, Stransky)
2:2 | 49.| Filip Zadina (Andersson, Dahlbeck)
2:3 | 66.| Lucas Wallmark (Kapla. Sörensen)

Zuschauer
6547 Zuschauer
zondacrypto-Arena, Davos-Platz GR

 

 

 

Fotos und Video: Tom Fasel