
Schweizer Shooting Star Théo Rochette an der Heim-WM
Théo Rochette ist ein schweizerisch-kanadischer Eishockeyspieler, der am 20. Februar 2002 in Neuchâtel geboren wurde und derzeit auf der Centerposition beim HC Lausanne spielt wo er sehr erfolgreich ist. Die WM in der Schweiz ist seine erste im Erwachsenenhockey.
Théo Rochette begann im Alter von 2 Jahren mit dem Eislaufen. Sein Vorbild war u.a. sein Vater, Stéphane Rochette, gebürtiger Kanadier, der als ehemaliger Schiedsrichter der Quebec National League und Sportberater im Eishockey agierte. Rochette sammelte seine ersten Hockeyerfahrungen im Nachwuchsprogramm des HC Université Neuchâtel. Nach dem familiären krankheitsbedingten Umzug seines Vaters nach Donnacona in Quebec entwickelte er sich bei den Diablos de Donnaconna Pont-Rougé weiter.
Théo Rochette genoss den Luxus, zwischen zwei Kulturen aufzuwachsen, was sich nicht nur in der Sprache niederschlug. Mit der Presse kommuniziert er souverän auf Französisch, mit seiner Freundin oder seinem Vater hingegen das schwer verständliche Québécois. Er fühle sich auf beiden Seiten des Atlantiks zu Hause, Originalton Rochette.
Im Jahr 2010 zog es ihn in die Schweiz zurück, wo er nach zwei Jahren im Nachwuchs von Neuchâtel zum HC Lausanne Hockey Club wechselte. Er marschierte regelrecht durch die Schweizer Juniorligen, wobei er den unschätzbaren Vorteil hatte, mit älteren erfahrenen Akteuren zu spielen. Folgerichtig partizipierte Théo Rochette mit nur 15 Jahren an der U20-Meisterschaft. Er zog damit die Aufmerksamkeit der Scouts der Quebec Major Junior Hockey League (QMJKL) auf sich, die ihn für den nächsten Draft qualifizieren wollten.
Das Eishockey Mutterland Kanada warb heftig um Rochette. Er träumte von der NHL und wollte dann aber ganz plötzlich für Kanada spielen. Demzufolge wechselte er in die kanadische Junioren-Liga QMJHL. 2018 wurde Rochette von den Chicoutimi Saguenéens auf Platz sieben gewählt.
Théo Rochette machte sich wohl berechtigte Hoffnungen, früh im Draft gezogen zu werden. Doch kein NHL-Team sicherte sich die Rechte an ihm. Ebenso wenig konnte er sich in der hochkarätig bestückten kanadischen Junioren-Nati durchsetzen. Es war für Rochette ein ernüchternder 6. Oktober 2020, es sollte eigentlich sein Herzensprojekt werden, doch sein Name wurde nicht genannt.
Sollte etwa sein herausragendes Talent unentdeckt bleiben? Seine Technik war bemerkenswert und wieselflink war er auch, doch die NHL-Scouts meinten, ihm fehle noch die Physis. Nichtsdestotrotz hält der schmal gebaute Akteur weiterhin seinen großen Traum von der NHL aufrecht und tut alles dafür, um die nötige Masse zuzulegen. Wie ein guter Wein, der noch ein bis zwei Jahre reifen muss, sammelt Rochette noch wertvolle Expertise bei Lausanne unter kritischer Beobachtung seines geschätzten Vaters. Insgeheim träumt Théo u.a. von den New York Islanders. In Lausanne ergattert Rochette in schöner Regelmäßigkeit Scoring Punkte dank seiner Spielintelligenz und kreativen Spielweise. Zusammen mit Damien Riat bildet der Jungspund ein kongeniales Duett und steht der Ikone in nichts nach.
Rochette wurde zu den Quebec Remparts transferiert, wo er in der Saison 2020/21 erst zum stellvertretenden Kapitän ernannt wurde, bevor er dann ganz offiziell das C stolz auf der Brust vorzeigen durfte. Und on top trug er mit 16 Jahren das Kapitäns C auf dem Jersey bei einem internationalen Turnier mit den Top Nationen USA, Tschechien und Finnland. Die Jahre 2018 bis 2023 verbrachte Théo Rochette auf höchstem Juniorenlevel.
In der Spielzeit 2022/23 schaffte Rochette zum ersten Mal die 100-Punkte Marke und übertraf sie sogar. Als Belohnung gewann er zum zweiten Mal in Serie die Jean-Rougeau Trophäe. Im Rahmen der Playoffs siegten die Remparts gegen alle Kontrahenten und gestalteten das Finale gegen die Halifax Mooseheads erfolgreich. Lohn der harten Arbeit war die Erlangung der Gilles-Courteau Trophäe, was die Qualifikation für den renommierten Memorial Cup bedeutete, ein Finalturnier mit den vier besten kanadischen Juniorenteams.
Am 4. Juni 2023 besiegten die Quebec Remparts die Seattle Thunderbirds im Finale des Memorial Cups. Es war der erste Titel seit 2006 und das vor 18.000 begeisterten Zuschauern im NHL würdigen Centre Vidéotron. Für die erfolgsverwöhnten Fans ging eine viel zu lange Durststrecke ohne Titel zu Ende und Théo Rochette wurde als Sahnehäubchen ins All-Tournament-Team des Turniers gewählt.
Rochette galt als eines der größten Talente im Schweizer Eishockey. Er wurde schon auf eine Stufe eines Nico Hischiers gestellt und als neues Wunderkind deklariert. Er zeichnete sich schon früh durch seine magischen Hände, seine Übersicht und durch seinen Scoringtouch aus. Bei seiner Trefferquote erinnerte Théo mit seinen 13 Lenzen durchaus an den großen Walliser Hischier.
In der aktuellen Saison 2025/26 sammelte Rochette in 46 Matches 22 Tore und 21 Assists. Auf seine Premiere in der Nati musste der Lausanne-Stürmer indes lange warten. Im Dezember 2025 machte ihm eine Fußverletzung einen Strich durch die Rechnung und warf seine Planung mächtig durcheinander. Im Rahmen des international renommierten Beijer Hockey Games in Schweden demonstrierte Rochette seine Klasse: beim Sieg gegen Finnland erwies sich Matchwinner Théo Rochette als eiskalter Penalty Schütze mit ausgeprägtem Torriecher neben zwei Treffern aus dem Spiel heraus.
Somit bestand kein Zweifel, dass Théo Rochette eine feste Größe im WM-Kader der Schweiz spielen würde. Es gab allerdings auch eine Schattenseite in seinem noch so jungen Leben, denn Théo Rochette geriet für drei Jahren auf die sogenannte schwarze Liste des heimischen Verbands, nachdem er sich 2018 dazu entschieden hatte, von der Schweizer Nati zur kanadischen Junioren-Nationalmannschaft zu wechseln.
Beim kanadischen Verband hieß es damals: «Wir wollen nicht das Sprungbrett für andere Verbände sein. Wir wollen ein langfristiges Bekenntnis, für Kanada zu spielen».
Beim Schweizer Verband wurde er erst auf die schwarze Liste gesetzt, weil er seine Nominierung zur U20-WM 2020 ablehnte. «Mit den Quarantänen war alles ein bisschen kompliziert. Ich hätte viele Meisterschaftsspiele verpasst und da ich keinen guten Saisonstart hatte, habe ich es vorgezogen, darauf zu verzichten», sagte Théo Rochette damals.
Nach drei Jahren wurde Rochette nun ‚begnadigt‘. «Es gibt eine klare Regel und wir haben sie angewendet. Aber wir hatten auch spezifiziert, dass eine Rehabilitation möglich ist», sagt Nati-Direktor Lars Weibel. «Ich bin froh, zu sehen, dass meine Arbeit belohnt wird», resümiert Rochette. «Diese Geschichte ist schon etwas älter, und ich war nie irgendjemandem böse. Wir sind nicht mehr bei den Junioren, sondern bei den Profis, und dieses Aufgebot ist ein Bonus, der es mir ermöglicht, weiter zu lernen und mich zu verbessern.»
Bei der diesjährigen Weltmeisterschaft konnte Théo Rochette bereits zwei Treffer und zwei Vorlagen verbuchen und bei der Qualität des Schweizer Kaders wird er im laufenden Turnier sicher noch viele Gelegenheiten bekommen, weiter zu scoren und seine Kaltschnäuzigkeit aufs Parkett zu legen. Wer weiß, vielleicht krönt er sich ja am Ende noch zum Weltmeister. Das Zeug dazu hat er jedenfalls.
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