Das Kader des SCB nimmt Gestalt an

von 3.Juli 2026National League

Draussen herrschen hohe Temperaturen. Traditionellerweise der Moment, in dem Eishockeyteams die Weichen für den nächsten Winter stellen. So auch beim SCB.

Fangen wir mit dem Kader ganz hinten, im Tor, an. Lange Zeit waren bezüglich der Torhüterposition nur Gerüchte zu hören und zu lesen. Das Gerücht, wonach Connor Hughes im Tausch mit dem Verteidiger Romain Loeffel von Lausanne nach Bern geholt werden würde, bestätigte sich zu Beginn dieser Woche. Loeffel verlässt also den SCB in Richtung Lausanne. Mit Hughes könnte so eine Art Gamechanger nach Bern geholt worden sein, denn in der Saison 2023/24 glänzte er in Lausanne mit einer herausragenden Fangquote von 94%. Und auch die letztjährige Fangquote von 91,1% kann sich sehen lassen.

Im Gegenzug verlässt der Torhüter Adam Reideborn den SCB. Der Schwede ist ein guter Torhüter, ihm haftete aber der Makel an, dass er eine Ausländerlizenz beanspruchte. Wenn ein Torhüter eine Ausländerlizenz beansprucht, muss er wirklich herausragend sein, wie etwa ein Simon Hrubec von den ZSC Lions, der letzte Saison der statistisch beste Torhüter der National League war. Beim SCB zählt man in der nächsten Saison auf drei Torhüter. Neben Hughes tragen auch noch Christof von Burg und Sandro Zurkirchen das Mutzen-Dress.

Bern hat also drei gute Torhüter, drei ist allerdings einer zu viel. Und sollte Hughes wirklich der Gamechanger sein, dann wird sich Christof von Burg im besten Fall mit der Rolle des Backup begnügen müssen. Damit verwehrt man dem 25-jährigen Talent die längst verdiente Entwicklungsmöglichkeit. Wie man dies übrigens auch schon gegen Ende der abgelaufenen Saison getan hat, als man ihn von Thurgau zurück beorderte. Im Thurgau hatte er sehr gute Leistungen gezeigt. Von Burg musste nach Bern zurück kehren ohne je einmal spielen zu können. Talentförderung geht anders.

Das aktuelle Kader in der Verteidigung der Berner ist eher dünn. Zahlenmässig sind da 8 Namen. Ramon Untersander, Hardy Häman-Aktell und der auch als Verteidiger einsetzbare Joel Vermin mussten die Mutzen verlassen. Nächste Saison weiterhin dabei sind Louis Füllemann, Simon Kindschi, Samuel Kreis, Nils Rhyn und Anton Lindholm. Neu zum SCB stossen Davyd Barandun (von Davos), der Kanadier Ian Mitchell (von den Syracuse Crunch) sowie der 19-jährige Lette Rolands Naglis. Weder Barandun (1 Tor und 12 Assists in 47 Spielen) noch Mitchell (4 Tore und 23 Assists in 60 Spielen) sind die grossen Offensivverteidiger. Und dem jungen Letten muss man sowieso Zeit geben.

Fazit: In der Defensive besteht bis zu Saisonbeginn noch Handlungsbedarf. Wenden wir uns also dem Sturm zu. Folgende Stürmer sind von der letzten Saison beim SCB geblieben:

  1. Miro Aaltonen
  2. Mats Alge
  3. Benjamin Baumgartner
  4. Emil Bemström
  5. Alain Graf
  6. Marco Lehmann
  7. Marc Marchon
  8. Waltteri Merelä
  9. Levin Moser
  10. Marco Müller
  11. Fabian Ritzmann
  12. Tristan Scherwey
  13. Thierry Schild
  14. Kevin Zürcher

Einige dieser 14 Vorgenannten kämpften letzte Saison mit der einen oder anderen Schwächephase. Vielleicht auch deshalb, weil an der Bande des SCB Trainer standen, welche mit Fug und Recht als „System-Fanatiker“ bezeichnet werden dürfen. Jussi Tapola pflegte ein pingeliges Eishockey-Schach, das keinerlei Kreativität erlaubte. Und Heinz Ehlers, als „Beton-Hene“ bekannt, war auch nicht grad der Trainer, der den Stürmern die Möglichkeit gab zu glänzen. Das dürfte sich beim SCB mit dessen neuen Trainer Serge Aubin ändern. „Serge Aubin blickt auf eine äusserst erfolgreiche Zeit bei den Eisbären Berlin zurück. Unter seiner Leitung gewann der Club in den vergangenen sieben Saisons fünfmal die deutsche Meisterschaft. Zudem wurde Aubin im Jahr 2022 von der Deutschen Eishockey Liga zum Trainer des Jahres gewählt,“ so der SCB in der Medienmitteilung bei dessen Vorstellung.

Aubin, der Kanadier, könnte dem SCB wieder das „Bären-Gen“ einimpfen. Das kanadische Eishockey-System (oft als nordamerikanischer Stil bezeichnet) zeichnet sich vor allem durch hohes Tempo, Direktheit und intensive Zweikämpfe (Physis) aus. Im Gegensatz zu europäischen Systemen, die oft auf viel Puckkontrolle und Ballbesitz ausgelegt sind, lautet das kanadische Credo: schnörkellos und gradlinig zum Tor. Der Berner Bär ist kanadisch geprägt, das lassen die letzten erfolglosen Jahre mit dem nordeuropäischen System stark vermuten. Insofern kommt für den SCB 2026/27 Hoffnung auf.

Als neue Stürmer zum SCB stossen Kimo Bolt (der 20-Jährige hat soeben seinen ersten Profivertrag unterschrieben) und der ebenfalls 20-ährige Joel Grossniklaus. Er war bisher bei den Malmö Redhawks in Schweden tätig, wo er sein  Talent unter Beweis stellen konnte. Von den Washington Capitals kommt Sonny Milano zu den Bernern. Er sammelte bei den Capitals in 31 Spielen gerade mal 8 Punkte (4 Tore und 4 Assists), womit doch ein wenig Luft gegen oben besteht.

Ebenfalls neu im Berner Sturm ist der 19-jährige Paul Mottard, der in der letzten Saison in Finnland bei Tampereen Ilves spielte. Von den Langnau Tigers stösst Dario Rohrbach zu den Mutzen. Rohrbach war in Langnau insbesondere in der Saison 2024/25 als Torschütze sehr erfolgreich. Und schliesslich haben die Berner den 18-jährigen Daniels Serkins verpflichtet. Auch er soll ein Versprechen für die Zukunft sein.

Im Sturm verfügt der SCB also in der nächsten Saison über einige solide Spieler, denen das kanadische System entgegen kommen dürfte. Die Superstars fehlen aber auch in der Offensive. Es bleibt zu hoffen, dass es dem neuen Staff um Serge Aubin und seinen Assistenten Patrick Schöb und Pavel Rosa gelingen wird, aus all diesen Spielern wieder ein erfolgreiches Team zu formen. Daneben wird Simon Moser als Teammanager amten. Wer Mosers und dessen bisherige Wichtigkeit in der Garderobe kennt, hat Hoffnung, dass es Simu gelingen kann, dem SCB wieder das Sieger Image zu zeigen und vorzuleben,

Und schliesslich darf der SCB gemäss Medienmitteilung „per 1. August 2026 zudem auf die Erfahrung und das Know-how von Jeff Tomlinson zurückgreifen. Der 56-Jährige stösst als Senior Hockey Consultant zum SCB. Er wird während der Saison eine Woche pro Monat vor Ort sein.“ Der 56-Jährige, dessen Sehvermögen stark beeinträchtigt ist darf aber auf erfolgreiche Stationen als Trainer bei den Rapperswil Jona Lakers und beim EHC Kloten zurück schauen. Auch er also einer, der weiss, wie siegen geht.

Wie heisst es doch so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und im Fall des SCB gibt es bestimmt Hoffnung. Auch wenn noch nicht alles Gold ist, was – eben noch nicht – glänzt, sind erste Ansätze in Richtung einer Besserung zu erkennen. Zu hoffen ist weiter, dass der eine oder andere Top-Shot zu den Bernern stossen könnte. Gerüchteweise wird immer mal wieder der Name Philipp Kurashev genannt. Er war in der letzten Saison bei den San Jose Sharks in der NHL, wo sein Vertrag allerdings ausgelaufen ist. Und ein neuer Arbeitgeber ist zumindest noch nicht kommuniziert.

Ein weiteres Gerücht betrifft Thomas Bordeleau, den Sohn des einstigen SCB Stürmers Sébastien Bordeleau. Der 24-jährige Thomas Bordeleau löste seine erste Lizenz in Bern und würde deshalb das Ausländerkontingent nicht belasten. Und lasst uns diesen Bericht mit einem kleinen Wortwitz beenden. Möge der SCB, während dem alle an der Uferpromenade (französisch „Bord de l’eau“ oder eben „Bordeleau“ ;-))) sind, noch den einen oder anderen Transfer tätigen.

Wir wünschen allen einen tollen Sommer und bleiben am Eishockey dran.
Eure Redaktion von eishockey-online.ch

 

 

Foto: Marija Diepold