Christof von Burg im grellen Scheinwerferlicht

von 28.Oktober 2026National League

Seit dieser Saison drückt der SCB Goali, der als letzter aufs Feld gerufen wird, in der Spielfeldmitte auf den Buzzer und löst damit einen roten Lichtkegel aus (Foto). Heute war das die Aufgabe von Christof von Burg. Heute, nach genau 29.36 Minuten stand von Burg nach einem Monstersafe wieder im Fokus bzw. im Blickwinkel aller Zuschauer. Und auch im Blickwinkel des ZSC-Schützen Sven Andrighetto, der seinen Augen nicht traute, dass von Burg diesen seinen präzisen Schuss hat parieren können.

Zu Gast in der Postfinance Arena war heute der unbestrittene Leader der National League. Die ZSC Lions haben in der Tat einen beeindruckenden Saisonstart hingelegt. 12 Spiele in Folge gingen sie als Sieger vom Platz. Erst letzten Dienstag, am 20. Oktober 2026, verloren sie zum ersten Mal. 2:3 zu Hause gegen Davos. Und so sind die Lions nach 15 Spielen und 39 Punkten bereits 12 Punkte vor dem Tabellenzweiten Ambri-Piotta.

Heute kann man mit Fug und Recht von einem Spitzenkampf reden, denn Bern liegt auf Rang 3. Mit 25 Punkten aus 14 Spielen. Bern hatte nach einem etwas durchzogenen September vor allem im Oktober viele Punkte sammeln können. Und die Partie ging – wie das bei einem Spitzenspiel sein muss – auch sehr flott los. Viel Tempo und auch einige Chancen. Bis zu diesem Zeitpunkt eher auf Berner Seite.

In der 6. Minute musste Simon Knak – er verstärkt die Lions diese Saison von Davos her kommend – auf die Strafbank und so konnte Bern erstmals an diesem Abend in Überzahl spielen. Sie taten dies recht ambitioniert, mit einem guten Powerplay und auch einigen Chancen. Doch einzig der krönende Abschluss fehlte noch.

Schnelle Spiele liegen dem SCB. Das hatte sich diese Saison auch schon gegen Davos gezeigt. Bern kann das Tempo von Spitzenmannschaften mitgehen. Während dem die Mutzen mit defensiv veranlagten Teams eher Mühe haben. Somit sind die Lions der gute Gegner für Bern. Die schon letzte Saison sehr guten Zürcher haben sich auf diese Saison hin nochmal verstärkt.

Tim Berni kam von Servette, Malte Strömwall von den Lakers und eben Simon Knak von Davos. Und im Tor können die Zürcher nach wie vor auf einen sehr guten Simon Hrubec zählen. Wenn wir schon bei den Torhütern sind. In Bern hütete heute Christof von Burg das Tor.

Der SCB verfügt diese Saison mit von Burg und Connor Hughes über zwei gleichwertige und vor allem sehr gute Torhüter. Sicherlich auch ein Grund für den aktuellen dritten Tabellenplatz.

Bern wirbelte weiter und kam auch weiterhin zu Möglichkeiten, die Hrubec im Zürcher Tor allerdings zu verhindern wusste. Und auch im Berner Tor blieb Christof von Burg ungeschlagen. 0:0, Schussverhältnis von 9:5. Pause.

Bern kam druckvoll aus der Pause zurück, ohne allerdings die grosse Gefahr produzieren zu können. Und dann liefen die Berner in einen Zürcher Konter. Mit 4 gegen 2 Feldspielern zogen die Lions aufs Berner Tor zu und verwerteten durch Patrick Geering zum 0:1. Die Zeitlupe zeigte dann, dass die Scheibe vor dem Tor noch, unhaltbar für von Burg, durch Kimo Gruber abgelenkt worden war.

Die Lions konnten dann ein erstes Mal am heutigen Abend in Überzahl agieren. Und 22 Sekunden vor Ablauf der Strafe wollte Alain Graf die Scheibe befreien und schoss sie übers Plexiglas. Was eine weitere Strafe nach sich zog, welche die Zürcher umgehend nutzten. Nico Lehtonen traf ins Lattenkreuz.

Und so konnten die Lions weitere knapp zwei Minuten ihr sehr gutes Powerplay aufziehen. Wobei sie – zum Glück für Bern – kein weiteres Tor erzielen konnten. Bern steckte nicht auf, musste sich aber immer wieder vor Zürcher Konter in Acht nehmen. Die Zürcher, welche übrigens den Berner Aufbau immer sehr weit vorne zu stören suchten.

Die Partie war auch nach 40 Minuten von extrem hoher Qualität. Beide kamen zu Chancen, wobei der Berner Christof von Burg 24.6 Sekunden vor Ende eben dieses zweiten Drittels mit einem grossartigen Big Safe glänzte. Es folgte eine standing ovation für den Berner Hintermann. Auch nicht alltäglich. Oder präziser, wie es ein Helfer im Medienraum sagte: „So was habe ich in 40 Jahren hier noch nie gesehen.“

Von Burg wurde nach den Spiel auf diese „Monsterparade“ angesprochen. Wie es ihm in diesem Moment ergangen sei. „Ja, es war schon mega cool. Ich habe den Safe gemacht und normalerweise versuche ich den Fokus zu behalten. Aber hier getraute ich mich, kurz zu den Fans zu schauen und da standen alle. Das war schon cool.“ Von Burg, der „junge Mann mit so viel Potenzial“, wie es Tristan Scherwey zu Protokoll gab, stand zu Recht im Rampenlicht.

Und so führten die Löwen zur zweiten Pause. Es führte nicht zwingend die besser, aber halt die effizientere Mannschaft. Nach rund 6 Minuten im dritten Drittel kam Bern zur zweiten Überzahlmöglichkeit. Die Mutzen spielten ein sehr gutes Powerplay, allerdings ohne krönenden Abschluss. Dieser folgte dann einige Sekunden später bei Gleichzahl auf dem Feld. Emil Bemström verkürzte auf 1:2.

Die Berner Hoffnung wurde nur wenige Minuten später wieder getrübt. Justin Sigrsit traf zum 1:3. Bern gab aber nicht auf, powerte weiter und gefiel mit temporeichem Spiel. Im Verlauf des Spiels beorderte der Berner Coach Serge Aubin Tristan in die erste Angriffslinie mit Aaltonen und Bemström. Was Scherwey dem Trainer mit temporeichem Spiel verdankte. Und damit dürfte er, der seit 18 Jahren beim SCB spielt, ein Argument für eine Vertragsverlängerung in die Waagschale gelegt haben. „ich liebe alle Menschen hier in Bern und klar, würde ich sehr gerne hier weiterspielen. Doch ob das so sein wird, steht aktuell noch in den Sternen,“ so Tristan Scherwey auf das Vertragsende angesprochen.

Nach dieser Aussage Scherweys meinte ein Journalist, man werde eine Petition für den Verbleib des Publikumslieblings machen müssen. Eine Petition, die, soviel ist sicher, innert Kürze sehr viele Unterschriften haben würde. Der SCB machte gegen Spielende derart Druck, dass die Lions kaum mehr geordnet aus ihrem Verteidigungsdrittel heraus kamen. Bereits rund 4 Minuten vor Ende der regulären Spielzeit nahm Serge Aubin sein Timeout. Und gleichzeitig seinen Torhüter vom Eis. Was die Zürcher allerdings umgehend mit dem spielentscheidenden 1:4 bestraften.

Die heute überraschend wenigen Zuschauerinnen und Zuschauer hatten eine begeisternde Partie gesehen. Die Lions wurden dank grösserer Effizienz ihrer Favoritenrolle gerecht. Aber auch die Berner können mit hoch erhobenem Haupt nach Hause gehen. Das Spitzenspiel hat das gehalten, was man von ihm erwarten durfte.

Und wenn sich der Chronist noch eine kleine Kritik an die Adresse der Berner erlauben darf, dann nur eine: Die Chancenauswertung ist bei Bern noch optimierbar. Denn auch in diesem Spiel gilt: Bern schoss häufiger aufs gegnerische Tor, verlor aber trotzdem. Aber eben, sonst ist bei Bern Vieles sehr gut. Und das erfreut die Seele der Fans. Nach dem Spiel darauf angesprochen, dass es ein sehr gutes Spiel gewesen sei, meinte Samuel Kreis durchaus selbstkritisch: „Für die Zuschauer war es sicher cool. Es ging auf und ab und wir hatten wohl auch die grösseren Chancen. Leider waren wir nicht effizient.“ Eine Effizienz, die schon länger ein optimierfähiges Thema bei Bern ist. „Wir müssen an dieser Effizienz arbeiten,“ so Kreis.

Es zeigte sich heute einmal mehr, dass der SCB auch mit Teams mithalten kann, die zuweilen sehr schnell spielen. Nochmals Samuel Kreis. „Wir können mit allen Teams mithalten. Es fehlt immer mal wieder an kleinen Details und dass halt ab und einer für uns rein fällt.“ Am Freitag geht es auswärts gegen Ajoie weiter. Ajoie, das diese Saison bisher überraschen solide, wenn auch natürlich defensiv orientiert auftritt. „Zuerst müssen wir uns erholen, das Spiel analysieren und wir wissen, dass es in der Ajoie immer schwierig ist,“ schaute Kreis auf nächsten Freitag voraus. „Wir müssen unser Spiel spielen und dann bis ich auch überzeugt, dass wir die drei Punkte nach Hause bringen.“

Am Freitag auswärts gegen Ajoie, am Samstag zu Hause gegen Zug und dann folgt die Nati-Pause. Bevor es dann am Mittwoch, 11.11. in Lugano und zwei Tage später zu Hause gegen Gottéron weitergeht. A propos Nationalmannschaft. Der Nati Coiach Jan Cadieux sass heute auf der Medientribüne, um Spieler zu beobachten. Was er gesehen hat, dürfte ihm gefallen haben. Beim ZSC sowieso, aber sicherlich auch beim SCB.

Best player:
Bern: Rodwin Dionicio
ZSC Lions: Juho Lammiklko

 

SC Bern – ZSC Lions 1:4 (0:0 |0:2 |1:2)

Tore:
0:1 | 23.| Patrick Geering (Lammikko)
0:2 | 29.| Mikko Lehtonen (Balcers, Lammikko)
1:2 | 48.| Emil Bemström (Scherwey)
1:3 | 50.| Justin Sigrist (Buechler)
1:4 | 57.| Yannick Weber (Fröden, Balcers)

Zuschauer:
13’855 Zuschauer
Postfinance Arena Bern

Foto: Valentin Lagger