Der Hockeygott mag das Emmental

von 28.Oktober 2026National League

Die metaphorische Übersteigerung im Titel trifft heute zu. Der Mittwoch war ein kalter, regnerischer Herbstabend. Ideales Wetter um zu Hause sich aufs Sofa zu setzen, Netflix einzuschalten, die kuscheligste Decke zu nehmen und ein schöner heisser Kakao zu trinken. Doch 5374 Männer, Frauen und Kinder hatten da eine andere Idee: nämlich nach Langnau im Emmental zu fahren und dem einzigen Eishockeymatch beizuwohnen, der am Mittwoch Abend ausgetragen wurde.

Beide Teams hatten heute Abend dieselben Voraussetzungen:  innerhalb von 24 Stunden zwei Spiele, eines auswärts und ein Heimspiel. Und beide konnten am Dienstagabend 3 Punkte verbuchen. Wir waren gespannt, welche Mannschaft nun die bessere Regeneration hatte und wem die Hockeygötter mehr Glück schenkten.

Was schon vor dem Anpfiff auffiel: der Gästesektor. Wegen den Ausschreitungen des Dienstagspiels in Lausanne durften die Fribourger Fans nichts ins Stadion mitbringen. Die Anhänger Gottérons standen da wie am Sonntag in der Kirche: andächtig, still und auf den Pfarrer beziehungsweise auf das Spiel konzentriert.

Normalerweise ist das erste Drittel in einem Eishockeyspiel eher ruhig. Die Mannschaften grooven sich ein, tasten sich an den Gegner heran und sind eher noch vorsichtig. Nicht so gestern Abend in der Ilfishalle in Langnau. Im ersten Powerplay der Frbourger ( Patrick Petrini musste auf die Strafbank) konnten Hannes Björninen und Saku Mäenalanen aus dem eigenen Drittel ausbrechen. Doch leider scheiterte das Duo in der neunten Minute an Fribourgs letztem Mann.

Nachdem Jacob De la Rose in der 15 Minute auf Luca Boltshauser fiel (er wurde von einem Langnauer geschubst), tobten die Langnauer Fans auf den Rängen. Nun brodelte es langsam aber sicher unten auf der rutschigen Unterlage. Das ist Eishockey.

Die Gäste schafften es in der 18. Minute doch noch, in Führung zu gehen. Henrik Borgström verwertete das Zuspiel von Yannick Rathgeb zum 0:1 um. Was Langnau jetzt im zweiten Drittel brauchte, war ein Lucky Punch. Vielleicht sind die Hockeygötter mit ihnen. Wir werden es im zweiten Drittel sehen. Tatsächlich, die Hockeygötter hatten soeben entschieden: in der 24. Minute verwandelte Dario Allenspach den Pass von Hannes Björninen zum Ausgleichstreffer. Doch die Freude war nur von kurzer Dauer. 92 Sekunden später erzielten die Fribourger mit Henrik Borgström und Marcus Sörensen das 1:2.

Die Fans der Emmentaler wurden ein bisschen ruhiger auf den Sitzplätzen. Die Freude vom Ausgleichstreffer war von kurzer Dauer. Und so endete das zweite Drittel mit 2:1 für Fribourg Gotteron. Die Emotionen waren im letzten Drittel vorhanden. Doch leider wollte es den Emmentalern vorerst nicht gelingen, den Ausgleichstreffer zu erzielen. Sie kämpften, krampften und kurvten über das Eis. Doch Fribourg war ihnen einfach überlegen.

Doch dann, nach einem gescheiterten Angriff von Flavio Schmutz und Phil Baltisberger in der 47. Minute durchbrach der Langnauer Sturm doch noch die Fribourger Abwehr. Tim Mathys bezwang Torwart Loic Galley zum 2:2. Nun waren die SCL Tigers wieder zurück. Der Tiger hatte Blut geleckt. Doch Loic Galley hielt dem Druck des Tigers stand……bis zur 55. Minute. Da bezwang  Andre Petersson Fribourgs letzten Mann und es stand 3:2 auf dem Videowürfel über der rutschigen Unterlage.

Als zum krönenden Abschluss Jérôme Bachofner den Puck ins leere Tor schoss, stand die Ilfishalle Kopf. Der Freiburger Drache hatte die bessere Regeneration, doch die Hockeygötter waren auf der Seite des Tigers. Den Fribourg hatte sage und schreibe fünf Pfostenschüsse. Da soll mal einer behaupten es gibt keine Hockeygötter.

Langnau Tigers – HC Fribourg Gottéron 4:2 (0:1 |1:1 |3:0)

Tore:
0:1 | 18.| Henrik Borgström (Rathgeb, Sörensen)
1:1 | 24.| Dario Allenspach (Björninen)
1:2 | 25.| Henrik Borgström (Sörensen)
2:2 | 49.| Tim Mathys (Mäenalanen, Peterson)
3:2 | 55.| Andre Peterson (Bachofner, Schmutz)
4:2 | 60.| Jérôme Bachofner (Schmutz, Allenspach)

Zuschauer:
5’374 Zuschauer
EV Arena Langnau 

Foto: Milena Zaugg