Freude und Hoffnung sind zurück in Bern

von 17.Oktober 2026National League

Der SCB macht wieder Freude. Die Mutzen haben heute gegen Lausanne den dritten Sieg hintereinander feiern können. Die Mannschaft funktioniert, jeder weiss, was er zu tun hat. Und wenn ein Tor fällt, verschiebt dieses das Momentum auf die Berner Seite. So wie heute Abend das Tor zum 2:2 durch Marco Lehmann (Foto), das den Weg zum Sieg ebnete.  

Der 5., Lausanne gegen den 9. der aktuellen Tabelle, SCB. Oder 18 gegenüber 14 Punkte. Oder einer Tordifferenz von 40:41, also -1 für Lausanne und 27:26, also +1 für Bern. Aus diesen Zahlen ist zuallererst ersichtlich, dass Lausanne deutlich zu viele Tore kassiert. 41 Gegentore in 12 Spielen, das sind 3.4 Gegentore pro Spiel. Was möglicherweise an der recht schlechten Fangquote des Lausanner Torhüters Kevin Pache liegen könnte. IIn seinen neun Einsätzen liegt er mit einer Quote von 87.03 zu Buche.

Möglicherweise hat der Lausanner Coach genau deswegen heute seinen anderen Torhüter Ewan Huet eingesetzt. Er kommt in seinen vier bisherigen Einsätzen auf eine gute Fangquote von 92.94. Bern seinerseits kennt keine Torhütersorgen. Christof von Burg hat in seinen vier Spielen eine hervorragende Quote von 92.92, Connor Hugues in fünf Spielen eine von 89.44. Übrigens, um bei den Torhütern zu bleiben.

Reto Berra, der National- und letzte Saison Meistertorhüter von Gottéron sowie aktuell bei Kloten belegt unter den Torhütern bezüglich Fangquote bisher den 19. und letzten Platz mit einer Quote von 86.01. Was sinnbildlich die aktuellen Probleme des EHC Kloten belegt.

Doch zurück in die Postfinance Arena. In der 7. Minute gingen die Berner in Führung. Rodrigo Abols, einmal mehr er, hatte einen Abstauber ins leere Tor verwertet. In der Folge liessen die Berner den Waadtländer zu viele Räume im eigenen Drittel, was Lausanne zu einigen Chancen verhalf. Chancen, die vom Bern Torhüter Connor Hugues, er spielte letzte Saison noch im Waadtland, vereitelt wurden.

Bern seinerseits gefiel mit seinem vorwärts gerichteten Spiel und mit einem guten Forechecking. Inzwischen machte übrigens auf der Medientribüne die Runde, dass Ajoie in Biel bereits 0:3 in Führung war. Und dass die Jurassier aus sieben Abschlüssen drei Tore und mit den zwei ersten Abschlüssen gleich schon zwei Tore erzielt hatten. Soviel zum Thema Torhüter. Harri Säteri glänzt in Biel auch nicht.

27.2 Sekunden vor Ende des ersten Drittels glich Lausanne aus. Die Scheibe glitt wie in einem Flipperkasten übers Eis und landete schliesslich im Berner Tor. 1:1. Pause. Lausanne kam deutlich wacher aus der Garderobe zurück und erspielte sich einige Chancen. Bern stabilisierte in der Folge seine Defensive wieder und kam zur einen oder anderen Möglichkeit.

Wagen wir wieder einen Blick nach Biel. Mittlerweile führte Ajoie 4:1 und Harri Säteri wurde ausgewechselt. Nicht erstaunlich mit einer Fangquote von 73.3. Die durch Säteri zumindest mit verursachte Bieler Krise könnte dessen Trainer Christian Dubé den Job kosten. Oder wie es des Chronisten Masseur immer so treffend formuliert: „Am Zibelemärit ist er nicht mehr an der Bande.“ Und bekanntermassen ist der Zibelemärit dieses Jahr am 23. November.

Doch auch jetzt wieder zurück in die Postfinance Arena. Bern hatte einige begeisternde Angriffe verzeichnet. Allerdings hatten sie die Scheibe nie unterbringen können. Getreu dem üblichen Motto „Machst du keins, kriegst du eins“ ging Lausanne in der 37. Minute durch Damien Riat mit 1:2 in Führung. Und so ging das zweite Drittel mit einer knappen Lausanner Führung zu Ende. Nicht unverdient, wäre allerdings Bern zu diesem Zeitpunkt in Führung gewesen, war’s auch OK gewesen.

Ein weiterer Blick in einer andere Arena zeigt übrigens einen anderen Trainer, der am Zibelemärit nicht mehr an der Bande sein könnte. Ambri führte nach 25 Minuten in Kloten 0:4. Michael Liniger, der Klotener Coach wird’s nicht gefreut haben. In Bern kamen diesmal die Hausherren besser aus der Garderobe heraus. Rodwin Dionicio bediente Marco Lehmann mit einem magistralen Pass und dieser glich zum 2:2 aus. „Das Momentum ist mit diesem Tor grad auf unsere Seite gekippt,“ analysierte der Neo-Berner Verteidiger Nic Balestra nach dem Spiel. Er, der schon vor einiger Zeit einen Vertrag ab der Saison 27/28 bei Bern unterzeichnet hatte, jetzt aber vorzeitig von Zug her zu Bern gestossen ist, weil er in Zug auch nicht mehr allzu häufig zum Einsatz kam. „Ich bin froh, konnte man nun eine Lösung finden, damit ich nun wieder spielen kann.“

In der 44. Minute kassierte Lausanne eine Strafe wegen zu vielen Spielern auf dem Eis. Was an sich nun nicht eine breaking news wäre. Wobei es das vorliegend war. Denn es war die dritte Strafe des Abends gegen die Waadtländer. Das erste Mal waren sieben, das zweite Mal jeweils sechs Feldspieler auf dem Eis. Bern nutzte diese Überzahl sofort aus. Rodrigo Abols bediente Benjamin Baumgartner, der zum viel umjubelten 3:2 traf.

In der 50. Minute ereignete sich dann eine nicht alltägliche Szene. Die Schiedsrichter verhängten auf dem Eis eine 5-Minutenstrafe gegen Benjamin Baumgartner, weil sie ein Check mit dem Knie gesehen haben wollten. Sie gingen die Szene dann aber überprüfen, was sie nur dürfen, wenn sie eben eine grosse Strafe geben wollen. Die Bilder zeigten dann aber eindeutig dass der Lausanne einfach über Baumgartner gestolpert war.

Und eben: weil die Schiedsrichter ihren Entscheid hatten überprüfen können, musste Baumgartner gar nicht auf die Bank. Hätten sie „nur“ zwei Minuten gepfiffen, wäre die Strafe abgesessen worden. Einige Minuten später geriet Bern dann trotzdem in Unterzahl. Doch Bern kam umgehend durch Merelä zu einer grossen Chance, die er aber nicht nutzen konnte. Bern überstand die Strafe schadlos. Und so blieben noch 5 Minuten bis zum Ende der regulären Spielzeit.

Der Chronist hatte vor Beginn des dritten Drittels mit einem Freund abgemacht, Bern würde noch zwei Tore schiessen. Soweit war diese Voraussage auch eingetreten. Es wurde aber noch einmal heiss für Bern. Rodwin Dionicio kassierte eine doch recht zweifelhafte Strafe für Behinderung. Eine halbe Minute vor Ende der Waadtländer Überzahl beging ein Lausanner ein völlig unnötiges Foul und musste seinerseits zwei Minute in die Kühlbox.

Bern konnte diese Überzahl dann nicht nutzen und so blieb noch 1:01 zu spielen, in der Lausanne dann den Torhüter rausnahm. Dieser musste dann aber 20 Sekunden später wieder zurück ins Tor, weil Lausanne eine neuerliche Strafe kassiert hat. Was das Spiel dann auch entschieden hat. Obwohl Lausanne seinen Torhüter wieder rausnahm und mit 5 gegen 5 Feldspielern doch noch mal gefährlich vors Berner Tor kam. Das ist nun der dritte Sieg in Folge von Bern und sie klettern dabei die Tabelle langsam aber sicher hoch. Mit 17 Punkten aus 10 Spielen liegt der SCB auf Rang 8. Schaut man sich die Tabelle allerdings nach Verlustpunkten an, wären die Mutzen schon auf Rang 3.

„Wir hätten schon im zweiten Drittel Tore schiessen können, ja eigentlich schiessen müssen,“ meinte der heute zum Best Player gekürte Marco Lehmann selbstkritisch, um aber gleich wieder das Positive dieser Saison heraus zu heben. „Wenn wir viele Chancen haben, die nicht rein fallen, dürfen wir den Kopf nicht verlieren und weiter machen. Heute sind wir dafür belohnt worden.“ Damit spricht Lehmann einen der zentralen Unterschiede zur letzten Saison an. Der SCB scheint jederzeit nach etwas schwächeren Phasen dazu bereit zu sein, auf den Weg der Tugend und damit des Erfolgs zurück zu kehren.

Auf den Sieg angesprochen meinte Davyd Barandun nach der Partie. „Wir haben ein sehr starkes drittes Drittel gespielt. Wir haben da unser Spiel gezeigt.“ Unser Spiel, das zeichnet den SCB diese Saison aus. Mit Serge Aubin ist das kanadische Spielsystem zurück in Bern und dass dieses in Bern funktioniert, ist schon sehr lange klar. „Je länger es dauert, desto besser spielen wir unser neues System. Es gibt immer wieder kleine Anpassungen und diese setzen wir gut um. Wenn wir so weiter machen, haben wir die Chance zum Sieg und das ist das Ziel,“ so fasst Marco Lehmann zutreffend zusammen, auf das neue System Serge Aubin angesprochen.

Nun folgenden nacheinander zwei Kantonalderbys gegen die Tigers aus Langnau. Heute Samstag im Emmental und am Dienstag zu Hause in Bern. Dazu nochmal Marco Lehmann: „Wir wissen, dass Langnau momentan sehr gut drauf ist, entsprechend werden es zwei hart umkämpfte Spiele werden. Wir werden uns gut vorbereiten und bereit sein.“ Sagt’s und kehrt mit zufriedener Miene in die Garderobe zurück. Auch Davyd Barandun ist mit der Entwicklung der Mannschaft zufrieden. „Es harmoniert immer mehr. In den Trainings schauen wir immer Dinge an, die wir verbessern können. Die letzten Spiele haben es gezeigt. Jeder weiss, was er tun muss, wir studieren nicht mehr, wir spielen einfach.“ Die beiden Spiele gegen Langnau können kommen.

Abschliessend sei noch ein Blick auf zwei neue Spieler geworfen, die das Berner Spiel in dieser Saison bereichern. Da ist zum einen Rodrigo Abols. Er war heute an zwei der drei Tore beteiligt und schoss eines grad selber. Der 30-jährige lettische Center ist 193 cm gross und wirkt schon seiner Grösse wegen eher behäbig und langsam. Aber seine Stocktechnik und seine Scheibenbeherrschung sind herausragend und er hat auch immer das Auge für die Situation und seine Mitspieler. Zudem verfügt er auch über eine sehr gute Kondition. Seine durchschnittliche Zeit auf dem Eis beträgt 17:52 Minuten pro Spiel.

Anderseits ist auch Rodwin Dionicio auf diese Saison hin von Biel zu Bern gestossen. Klaus Zaugg von watson kommentierte die Personalie folgendermassen:

Rodwin Dionicio wechselt für drei Jahre zum SC Bern. Ein hochriskantes Experiment, das sich lohnen kann – auf und neben dem Eis.

Nach 10 Spielen kann man bilanzieren. Das Experiment hat sich mehr als gelohnt. Dionicio wird zwar gerne immer mal wieder als zwischen Genie und Wahnsinn charakterisiert. Das Genie überwiegt den Wahnsinn aber bei Weitem. „Den Pass, den er zum 2:2 auf Marco Lehmann gespielt hat, musst du zuerst mal spielen können,“ erklärte ein langjähriger Eishockeyspieler nach der Partie im Restaurant. Dionicio hat in 10 Spielen 7 Punkte gesammelt, was für einen Verteidiger aller Ehren Wert ist. Und auch er ist konditionell auf der Höhe, wie seine durchschnittliche Zeit auf dem Eis von 19:33 Minuten belegt.

Zusammenfassend: Der SCB Ausgabe 26/27 macht wieder Freude. Eine Freude, die man übrigens an der Verweilzeit nach dem Spiel messen kann. Die Fans bleiben viel länger ist Restaurant sitzen und reden zusammen. Die anfängliche Hoffnung bestätigt sich und entwickelt sich grad ein wenig in Richtung einer Gewissheit, dass es gut kommen kann.

Best player:
Bern: Marco Lehmann
Lausanne: Connor Carrick

SC Bern – HC Lausanne 3:2 (1:1|0:1|2:0)

Tore:
1:0 | 7.| Rodrigo Abols (Balestra, Marchon)
1:1 | 20.| Connor Carrick (Riat, Lazar)
1:2 | 38.| Damien Riat (Suomela, Carrick)
2:2 | 41.| Marco Lehmann (Dionicio)
3:2 | 45.| Benjamin Baumgartner (Abols, Dionicio)

Zuschauer:
15’255 Zuschauer
Postfinance Arena Bern

Foto: justpictures.ch