Machtkampf beim SCB

von 17.Januar 2026National League

Wer gewinnt, hat immer recht. Oder zumindest an diesem Abend. Diese Losung gilt für den Berner Coach Heinz Ehlers (Foto). Denn offenbar tobt in Bern ein Machtkampf. Zwischen dem Coach und der sportlichen Leitung bestehet eine sehr offensichtliche Uneinigkeit bezüglich der Torhüterfrage und der Frage zu den ausländischen Verstärkungsspielern.

Das Seilziehen zwischen der sportlichen Leitung des SCB und Heinz Ehlers geht heute Abend zugunsten des Berner Coaches aus. Denn Bern gewinnt in Zürich gegen die ZSC Lions mit 3:4 nach Verlängerung. Und sichert sich so zwei wichtige Punkte. Ehlers brachte heute den neuen kanadischen Stürmer Mike Sgargossa, der mit einem Tor, einem Assist und einer +/- Bilanz von +2 vom Feld ging. Und Ehlers brachte auch wieder den bisher extrem glücklosen Miro Aaltonen, der heute zwei wichtige Tore erzielte.

Bezüglich Aaltonen setzt sich Ehlers auch gegen eishockey-online.ch durch. Wir hatten gestern seine Auswechslung gefordert. Aber zurück zur Meinungsverschiedenheit in der Chefetage. Stein des Anstosses ist die Torhüterfrage und präziser die Personalie Adam Reideborn. Reideborn hat eine gute Fangquote, braucht aber eine Ausländerlizenz. Eine solche bräuchte man beim SCB zwingend für einen weiteren ausländischen Feldspieler. Denn insgesamt dürfen sechs Ausländer pro Spiel aufs Matchblatt.

Vor gut einer Woche schrieben  unsere Kollegen von hockeyfans.ch Folgendes: „Wie Diego Piceci, Sportchef resp. Leiter National League des SC Bern, gegenüber hockeyfans.ch vor dem Freitagsspiel gegen den HC Ambri-Piotta bestätigte, wird der SCB nächste Saison auf der Goalieposition unter anderem mit dem bisher an den HC Thurgau ausgeliehenen Christof von Burg  planen.“

Und genau eine Woche später, nämlich gestern Freitag anlässlich der Partie SCB – Lugano sitzt besagte Christof von Burg auf der Tribüne. Nota bene an einem Abend an dem Thurgau selber auch ein Spiel austrägt. Es wird somit klar: Bern holt seinen Torhüter von Burg zurück, um – wie Diego Piceci sagte – die nächste Saison zu planen. Aber bestimmt auch, um bereits in der laufenden Saison eine weiter Ausländerlizenz frei zu bekommen .

Gestern sass von Burg auf der Tribüne. Zurkirchen war Backup und Reideborn spielte. Zudem wurde gestern angekündigt, dass Mike Sgarbossa heute in Zürich sein erstes Spiel für die Mutzen bestreiten werde. Insofern war völlig klar, dass Reideborn heute in Zürich seine Ausländerlizenz würde abgeben müssen. Es kam aber anders.

Reideborn war gegen die ZSC Lions wieder auf dem Eis und blockierte eine Ausländerlizenz. Und als Backup war Christof von Burg auf dem Matchblatt. Sandro Zurkichen war auf dem Line up als krank vermeldet. Nicht unmöglich, dass er tatsächlich krank war. Denn immerhin meldete das BAG in der letzten Woche 2’501 neue Grippefälle. Nur: eine Grippe kommt selten über Nacht. Und von Burg war gestern bekanntlich schon in Bern. Hätte also auch eingesetzt werden können.

Und damit sind wir beim Berner Coach Heinz Ehlers. Ehlers gilt in Fachkreisen als hart und autoritär. Er verfolgt eine klare Linie und legt grossen Wert auf Disziplin. In der Fachpresse wurde er gelegentlich als „taktischer Polizist“ bezeichnet, da er seine Konzepte konsequent durchsetzt. Und das „Konzept Ehlers“ für den SCB heisst ganz offensichtlich Adam Reideborn. Dazu nochmals unsere Kollegen von hockeyfans.ch in ihrem Bericht vom 9. Januar 2026:

„Die Frage geht also an Heinz Ehlers nach dem Spiel gegen Ambri. Er antwortet: «Wir haben in den letzten sieben Spielen sechs Mal gepunktet, warum sollten wir anfangen zu experimentieren?» Bei den Goalies hast du viele Möglichkeiten. Würdest du es wagen, Christof von Burg auch mal eine Chance zu geben? Ehlers: «Wir haben heute zu Null gespielt und am Dienstag gewonnen, warum sollten wir nicht mit unseren beiden Torhütern weiter gehen?» Es scheint also, als ob Heinz Ehlers diese Option in seiner verbleibenden Zeit beim SC Bern nicht ziehen wird.“

Vor einer Woche schien also klar, dass Ehlers die Option von Burg in seiner verbleibenden Zeit beim SCB nicht ziehen wird. Und eine Woche später sitzt von Burg auf der Tribüne, um tags darauf schon als Ersatztorhüter aufzulaufen. Klar ist damit Folgendes:

  • Die sportliche Führung hat Christof von Burg zurück beordert. Kaum anzunehmen, dass sie das tat, um ihn als Ersatz schmoren zu lassen.
  • Heinz Ehlers denkt aktuell nicht daran, auf seien Favoriten Adam Reideborn verzichten zu wollen.

In einer solchen Konstellation des Seilziehens, wo die sportliche Führung am eine Ende und der Coach am anderen Ende zieht, dürfte sich über kurz oder lang die sportliche Führung durchsetzen. Heinz Ehlers dürfte dies egal sein. Denn sein Vertrag läuft Ende Saison eh aus und er hat angekündigt, in seine Heimat Dänemark zurück kehren zu wollen.

Solange Ehlers punktet, wird er bleiben dürfen. Und wenn er zu wenig punktet, darf er inklusive gültigem Vertrag und wohl entsprechender Entlöhnung früher in die Heimat nach Dänemark zurück kehren. Warum sollte er also einknicken?

Womit wir wieder bei der sportlichen Führung des SCB sind. Stellt sie Ehlers frei, muss sie eine Alternative haben. Eine Alternative, die auch für die nächsten Saisons eine valide Option ist. Der Markt ist aktuell eher klein. Da ist einerseits Christian Wohlwend, der allerdings eher als Feuerwehrmann bekannt ist. Oder Gerry Fleming, der seit seiner Entlassung bei Kloten auf dem Markt präsent ist.

Ein Name, der immer wieder auftaucht, ist jener von Lars Leuenberger. Er, der den SCB 2016 von Rang 8 zum Meistertitel geführt hatte und der aktuell als Assistenztrainer bei Gottéron unter Vertrag steht. Mutmasslich sollen auch schon Gespräche zwischen dem SCB und Leuenberger stattgefunden haben. Leuenberger dürfte aber auf eine langfristige Verpflichtung beharren. Alles andere wäre unlogisch.

Wir sehen also: bei Bern tobt also ein spezieller Machtkampf, bei dem es keine grossen Verlierer geben wird. Punktet Ehlers genug, wird er bleiben dürfen. Punktet er zu wenig, wird es vorzeitig in die geliebte Heimat zurück kehren dürfen. Und die sportliche Leitung des SCB wird ihrerseits auch einen Teilsieg erringen. Von Burg ist zurück und ein sehr valabler Kandidat für die nächste Saison und eine vorzeitige Vertragsauflösung mit Ehlers würde auch nicht die Welt kosten.

Zudem hat die sportliche Führung in dieser Woche Mike Sgarbossa verpflichtet, Ehlers hat ihn heute eingesetzt und er holte zwei Scorerpunkte. Alles gut? Nein, sicher noch nicht. Aber die Diskussionen sind eröffnet. Und das ist auch Unterhaltung. eishockey-online.ch ist gespannt, ob ein anderes Medium die Diskussion aufnimmt.

 

 

ZSC Lions – SC Bern 3:4 nV (0:1 | 1:1 | 2:1| 0:1)

Tore:
0:1 | 8.| Hardy Häman-Aktell  (Lehmann, Sgarabossa)
1:1 | 21.| Jesper Fröden (Grant, Andrighetto) 
1:2 | 28.| Mike Sgarabossa (Kreis)
2:2 | 44.| Willy Riedi (Balcers, Kukan)
3:2 | 47.| Vinzenz Roher (Grant, Andrighetto)
3:3 | 59.| Miro Aaltonen (Sgarabossa, Untersander)
3:4 | 63.| Miro Aaltonen (Merelä)

Zuschauer
12’000 Zuschauer
Swiss Life Arena 

 

 

 

Foto: justpictures.ch