Trotz fehlendem Loeffel gewinnt Bern in Langnau

von 28.Januar 2026National League

Nach langer Zeit kehrte der Chronist wieder einmal ins Emmental zurück, an eine Partie in der Arena, die sie ehemals die Ilfishalle nannten. Das Berner Derby zwischen den SCL Tigers und dem SCB stand auf dem Programm. Die Halle war ausverkauft, es herrschte eine gute Stimmung. Stimmung, die zum Schluss für die Hausherren einen Dämpfer erhielt, weil Bern nach Verlängerung mit 3:4 gewann.

„Der SCB bleibt instabil, verliert in Langnau“, so das Zitat eines unerkannt bleiben wollenden Journalisten vor Matchbeginn auf der Medientribüne. Anhand der Erfahrungen in den bisherigen Saison könnte er recht behalten. Doch wer weiss, vielleicht würde die heutige Taktik des Berner Coaches Heinz Ehlers Früchte tragen. Er trat heute mit sechs ausländischen Feldspielern an und könnte damit für Stabilität sorgen. Was dann auch eintrat. Doch der Reihe nach.

Es dürfte heute für einen Langnauer Akteur ein spezielles Spiel werden. Dario Rohrbach, der letztjährige Topscorer der LCL Tigers, wird im Hinblick auf die nächste Saison zu den Stadtbernern wechseln. Der Chronist wollte eigentlich nach dem Spiel mit Rohrbach reden, doch er war unabkömmlich. Dopingprobe. Der SCB startete engagiert und suchte sofort den direkten Weg aufs Langnauer Tor. Die Langnauer liessen sich in der Anfangsphase etwas in der Defensive einschnüren und kamen nur selten gefährlich vors Stadtberner Tor.

Der SCB seinerseits kam zur einen oder anderen Chance, konnte aber auch in dieser Anfangsphase seine diesjährige Abschlussschwäche nicht verhehlen. „Kein Loeffel in Langnau?“, so lautete die Frage des Abends. Und Eingeweihte wissen, dass es sich dabei nicht um das Essbesteck, sondern um den Verteidiger des SCB, Romain Loeffel, handelt. In der Tat fehlte Romain Loeffel sowohl auf dem Eis wie auch auf dem offiziellen Matchblatt.

Was wohl mit ihm ist? Die Hoffnung auf Seiten der Berner Fans war, dass nicht bereits ein „hidden change“ zu Lausanne stattgefunden haben möge. Denn man munkelt hinter vorgehaltener Hand, dass Loeffel zu Lausanne gehen könnte. Gegen Ende des ersten Drittels konnte der SCB ein erstes Mal in Überzahl agieren. Und spielte ein sehr ansprechendes Powerplay. Doch eben: Abschlussschwäche halt. So endete das erste Drittel torlos, mit doch deutlichen Vorteilen für die Stadtberner. „Wir sind ein gutes Team, sind defensiv gut aufgestellt und wir müssen jetzt noch einfach „sharper“ werden, wenn wir Chancen haben“, brachte Hardy Häman Aktell die bisherige Berner Abschlussschwäche auf den Punkt.

Doch nein, diese Zeilen waren noch nicht ganz fertig geschrieben, als die Tigers kurz vor Ende des 1. Drittels mit ihrem erst 5. Abschluss des Abends in Führung gingen. Die Schussstatistik am Ende des ersten Drittels besagte: Langnau 5 – Bern 12. Wobei diese Statistik unerheblich ist, solange Langnau einen seiner fünf Abschlüsse verwertete. 1:0. Pause.

Übrigens: des Loeffels Erklärung wurde dann nachgeliefert. Er war kurzfristig erkrankt und so konnte nur noch sein Name aus dem Matchblatt gestrichen, aber nicht begründet werden. Und die Geschichte des ersten Drittels war immer noch nicht fertig geschrieben. Infolge einer Keilerei zum Ende des 1. Drittels mussten zwei Stadtberner und ein Langnauer auf die Strafbank. Die Tigers konnten somit in Überzahl agieren und gingen prompt 2:0 in Führung. Wie bereits zum Ende des ersten Drittels hatte Saku Mäenalanen getroffen.

In der 28. Minute konnte der SCB ein weiteres Mai sein Powerplay aufziehen. Und diesmal klappte es mit dem Toreschiessen. Waltteri Merelä lenkte einen Schuss Mike Sgarbossas ins Langnauer Tor ab, In der Folge gestaltete sich die Partie recht ausgeglichen, mit Chancen hüben wie drüben. Wobei die Tigers gefährlicher waren als der SCB. Aber äbe: erstens kommt es anders und zweitens… ja, ihr wisst schon: In der 35. Minute gelang Bern durch Hardy Häman Aktell der Ausgleich.

Würde Langnau – wie neulich gegen Ajoie – auch heute eine 2:0 Führung aus der Hand geben? In der letzten Minute des zweiten Drittels führte der SCB die Scheibe sehr lange im gegnerischen Verteidigungsdrittel. Und traf 5.6 Sekunden vor Drittelsende zur ersten Führung an diesem Abend. Hardy Häman Aktell erzielte sein zweites Tor an diesem Abend. „it was fun to contribute offensively“, meinte der Schwede nach dem Spiel.

Es war schon etwas verkehrte Welt an diesem Abend. Im ersten Drittel dominierten die Stadtberner und Langnau ging in Führung. Und im zweiten Drittel wars umgekehrt. Langnau war besser und Bern ging in Führung. 2:3. Pause. Der Chronist war schon lange nicht mehr in Langnau gewesen und durfte erfreut feststellen: es ist immer wieder eine Freude, hier zu sein. In einer Region, die man mit Fug und Recht als hockey-verrückt bezeichnen kann.  Und wenn eine Region hockey-verrückt ist, dann gefällt es da auch einem, der aus der Region Zürich kommt und nun bei den Tigers spielt. Phil Baltisberger fasste eine Freude, hier in Langnau zu spielen prägnant zusammen: “ Mir gefällt es hier sehr gut, ich fühle mich wohl, es macht Spass, coole Leute und, ja, es gefällt mir“.

Die ehemals als Ilfishalle bekannte Spielstätte der Tigers wurde im März 2023  durch einen Erweiterungsbau mit einem zweiten Eisfeld, einem Athletikbereich sowie Gastro-Räumlichkeiten, direkt neben der Halle, ergänzt. Seit September 2023 trägt das Eisstadion den Namen emmental versicherung arena, Doch egal, wie das Stadion heisst. Die Begeisterung der Emmentaler für „ihren“ Club ist ungebrochen gross. Und entsprechend gross und hörbar ist die Freude, wenn die Tigers treffen.

So wie kurz nach Beginn des dritten Drittels, als Langnau zweimal nacheinander hörbar den Pfosten traf, um dann letztlich doch noch den viel umjubelten 3:3 Ausgleich zu erzielen. Dario Allenspach hatte getroffen. Fünf Minuten vor Ende der regulären Spielzeit konnte der SCB wieder in Überzahl agieren. Das Powerplay war wieder gefällig und variantenreich, aber – die geneigten Leserinnen und Leser ahnen es – torlos.

Der interessante Hockeyabend im Emmental neigte sich langsam dem Ende entgegen. Ein letztes Mal klirrte der Pfosten . dieses Mal jener der Langnauer – sieben Sekunden blieben bis zur Verlängerung. Und weil nur der Pfosten klirrte und der SCB nicht traf, kam es zu ebendieser Verlängerung. By the way sei – einmal mehr diese Saison – angemerkt, dass der SCB die Torschussstatistik mit 33:22 für sich entscheiden konnte. Aber nochmal äbe: ihr wisst es ja, ohne dass ich es schreiben würde. Abschlussschwäche, um es ein weiteres Mal zu benennen.

Kurz noch zur Zahl 33. Mit der 33 im Tor des SCB stand heute Sandro Zurkirchen, der also eine Ausländerlizenz freispielte. Ein weiser Entscheid des Berner Trainers Heinz Ehlers, wenn man sich anschaut, dass mit Merelä und Häman Aktell heute während der regulären Spielzeit ausschliesslich ausländische Verstärkungsspieler für Bern getroffen hatten.

Der Stadtberner Siegtreffer ging dann aufs Konto eines Schweizer bzw. Österreichers. Benjamin Baumgartner traf nach einem grossartigen Solo 1:13 Minuten vor Schluss und sicherte dem SCB den Sieg und damit zwei Punkte. Was Phil Baltisberger selbstredend ärgerte. „Es ist sicher bitte, in der Verlängerung zu verlieren.“ Langnau spielt vor der Olympiapause noch ein Spiel, am nächsten Samstag gegen Ambri. „Wir müssen dann ein perfektes Spiel über 60 Minuten abliefern, damit wir mit einem Sieg in die Pause gehen können.“ Sagt’s und entschwindet mit einem Lächeln in die Katakomben der Arena zu Langnau.

Best Player:
die Preise für die Best Player wurden übergeben durch Exponenten des FC Thun, der aktuell die Super League anführt. Durch deren Trainer Mauro Lustrinelli und den Präsidenten Andres Gerber
Langnau
: Saku Mäenalanen
Bern: Hardy Häman Aktell

 

 

SCL Tigers – SC Bern 3:4 nV (1:0 | 1:3 | 1:0 | 0:1)

Tore:
1:0 | 20.| Saku Mäenalanen (Riikola, Meier)2
2:0 | 22.| Saku Mäenalanen (Kinnunen, Rohrbach)
2:1 | 28.| Waltteri Merelä (Sgarbossa, Untersander)
2:2 | 35.| Hardy Häman Aktell (Aaltonen, Marchon)
2:3 | 40.| Hardy Häman Aktell (Kreis, Ejdsell)
3:3 | 43.| Dario Allenspach (Baltisberger, Rohrbach)
3:4 | 64.| Benjamin Baumgartner (Lindholm, Marchon)

Zuschauer
6’000 Zuschauer (ausverkauft)
Emmental Versicherung Arena Langnau

 

 

 

Foto: justpictures.ch