Die Schweiz mit einer tollen Reaktion

von 15.Februar 2026Nationalmannschaften

Die Schweiz lässt sich von den drei verletzungsbedingten Ausfällen nicht beirren und gewinnt gegen Tschechien mit 4:3 nach Verlängerung. Damit schafft man sich eine gute Ausgangslage für die am Dienstag stattfindende Zwischenrunde. Mit Leonardo Genoni (Foto) hatte die Schweiz einen sicheren Wert im Tor. 

Die Schweiz trat heute ohne ihre am Freitag im Spiel gegen Kanada verletzten Spieler Denis Malgin, Andrea Glauser und Kevin Fiala an. Fiala ist bereits erfolgreich am Unterschenkel operiert worden, sein Olympia-Abenteuer ist damit aber selbstredend zu Ende. Ob Glauser und Malgin ins Team zurückkehren werden, ist nach wie vor offen. Unschön ist das Ganze sowieso. Unschön auch, weil diese Verletzungen vielleicht vermeidbar gewesen wären.

Klar, Eishockey ist eine sehr schnelle Kontaktsportart und da gehören Verletzungen zum täglichen Risiko. Die Aufgabe der Schiedsrichter im Eishockey ist es denn auch, das Spiel in geordnete Bahnen zu lenken. Und damit die Regeln einhalten zu lassen, um das Verletzungsrisiko zu minimieren.  Dies ist den Schiedsrichtern am Freitag nicht gelungen. Und das ist keine Polemik, das ist nüchterne Faktenanalyse.  Man darf sich einerseits die Frage stellen, ob es – wie an Olympia möglich – schlau ist, wenn ein kanadischer Head ein Spiel der Kanadier arbitriert.

Anderseits gehe es – auch bei den Schiedsrichtern – nicht um die Nationalität, sondern darum, die Besten zu nehmen. Zur nüchternen Faktenanalyse gehört auch: es waren am Freitag kaum die Besten am Werk, wenn drei Spieler zum Teil schwer verletzt wurden. Die Schiedsrichter liessen von allem Anfang an eine sehr ruppige Gangart zu. Der grobe Check hinter dem Tor gegen Glauser und der hohe Stock ins Gesicht von Hischier hätten zwingend und deutlich geahndet werden müssen. Um die ruppige Gangart zu brechen.

Die Frage sei erlaubt. Wäre Kevin Fiala nur wenige Minuten vor Schluss beim Stand von 5:1 so unnötig in Bandennähe angegangen und dabei verletzt worden? Wenn man bis dahin weniger ruppig gespielt hätte bzw. dank einer guten Schiedsrichter-Linie hätte spielen lassen? Und eben: das ist keine Polemik, sondern ein hoffentlich konstruktiver Hinweis, aus dem man lernen kann. Hinweis, der übrigens nicht nur an die Adresse der Schiedsrichter, sondern auch an die Teams und deren Coaching Staffs zu richten ist.

„Wir spielen für die drei verletzten Spieler. So machen das gute Teams“, meinte Nico Hischier im Pauseninterview bei SRF. Die aufgrund der Verletzten umgestellten Linien sind für Hischier kein Problem. Er spielte heute an der Seite von Philipp Kurashev. „Ich kennä Kuri güet, wie därfend nid z’kompliziert spiele und de berchäme’wer ischi Chance“, so Hischier. Ein Satz im Walliser Dialekt, den Eishockey-Interessierte auch als Nicht-Walliser verstehen dürften.

Die Schweiz startete gut in die Partie und kam auch zu einigen, teils hervorragenden Chancen. Damit entwickelte sich ein sehr ausgeglichenes Spiel. Die Schussbilanz von 9:8 für die Schweiz nach dem ersten Drittel zeugt davon. Die Tschechen nutzten allerdings einen defensiven Fehler der Schweiz in der 16. Minute zum 0:1 aus. Filip Chlapik, der in der Saison 22/23 bei Ambri gespielt hatte, war erfolgreich.

Zu Beginn des zweiten Drittels konnte die Schweiz in Überzahl agieren. Gegen ein sehr gut disponiertes Boxplay der Tschechen kamen die Eisgenossen zu einigen Chancen, ein guter Schluss landete allerdings hörbar nur am Gehäuse. Die Schweizer verzeichneten auch zu Spielmitte mit 16:12 mehr Abschlüsse aufs gegnerische Tor. Aber das Ganze war (noch) zu wenig zwingend und damit zu ungefährlich fürs tschechische Tor.

Danach drehte das Momentum etwas in Richtung der Tschechen. Für mehrere Minuten brachten die Schweizer keinen einzigen Schuss auf gegnerische Tor, während die Tschechen in der Torschussstatistik in Führung gingen. Aber dann kam es wie immer mal wieder. Roman Josi, der Verteidiger, fasste sich ein Herz, stürmte als vorderster Mann Richtung Tor und legte die Scheibe Backhand in die Mitte. Wo sie von einem tschechischen Verteidiger ins eine Tor befördert wurde.

Und nur eine gute Minute später drehte die Schweiz die Partie dann vollends. In Überzahl spielend schoss Roman Josi von der blauen Linie und Timo Meier staubte den Abpraller vor dem Tor ab. 2:1 Schweiz. Pause. Das dritte Drittel begannen die Schweizer sehr abgeklärt. Und man musste eigentlich nicht gross Angst haben. Trotzdem glichen die Tschechen die Partie in der 47. Minute durch Radim Simek aus.

Doch nur Minuten später, präzis 93 Sekunden später, gingen die Schweizer durch Pius Suter wieder in Führung. Und brachte sich dabei wieder in eine gute Position für die Achtelfinals, die am Dienstag beginnen. Doch Eishockeyspieler befassen sich nie mit der mittelbaren Zukunft. Für sie geht es nur um den nächsten Einsatz. So wie zum Beispiel rund 4 Minuten vor Schluss, als Genoni klar behindert wurde und deswegen das erzielte Überzahltor der Tschechen aberkannt wurde.

Das 3:3 kam dann doch noch. Nach einer Traumkombination traf Martin Necas zum Ausgleich. Und damit kam es zur Verlängerung, in der auch an Olympia mit 3 gegen 3 Feldspielern agiert wird. Die Schweiz erzielte in dieser Verlängerung den Siegtreffer. Dean Kukan lief auf das tschechische Tor zu und erzielte mit einem sehenswerten Hocheckschuss das siegsichernde 4:3. Damit beendet die Schweiz die Vorrunde auf Platz 2 und sichert sich eine gute Ausgangslage für die Zwischenrunde vom Dienstag. Der olympische Modus ist etwas speziell und geht so:

Die drei Gruppenersten qualifizieren sich direkt für die Viertelfinals. Das sind Kanada, die Slowakei und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die USA. Dann qualifiziert sich der beste Gruppenzweite auch direkt für die Viertelfinals. Und das wird Finnland sein. Also, zusammenfassend: Qualifiziert für den Viertelfinal sind, vermutlich in dieser Reihenfolge:

  • Kanada
  • USA
  • Slowakei
  • Finnland

Jetzt wo die Vorrunde zu Ende ist, wurden aus den 8 weiteren Teams des olympischen Turniers die Paarungen der Zwischenrunde bzw. des Achtelfinals ermittelt. Wie diese Ermittlung vor sich geht, ist hochmathematisch. Wir gehen hier nicht drauf ein. Weil es letztlich auch völlig egal ist. Dies sind die Paarungen dieser Zwischenrunde: 

  • Tschechien – Dänemark 
  • Schweden – Lettland 
  • Deutschland – Frankreich
  • Schweiz – Italien 

Der Schweizer Gegner Italien hat bisher noch keinen einzigen Punkt erzielt. Und er steht mit einem Torverhältnis von 4:19 auch in dieser Statistik schlecht da. Die Schweiz ist also der klare Favorit für den Einzug in den Viertelfinal. Die Partien finden am Dienstag, 17. Februar statt. Um welche Zeit die Schweiz spielt, wird noch ermittelt. eishockey-online.ch bleibt für euch dran. 

 

 

 

Schweiz – Tschechien 4:3  nV (0:1|2:0|1:2|1:0 )

Tore:
0:1| 16.| Filip Chlapik (Nekas, Kampf)
1:1 | 37.| Roman Josi (Moser, Jäger)
2:1 | 39.| Timo Meier (Josi, Hischier)
2:2 | 47.| Radim Simek (Chlapik, Necas)
3:2 | 49.| PIus Suter (Moser, Meier)
3:3 | 58.| Martin Necas (Hronek, Pastrnak)
4:3 | 62.| Dean Kukan


Milano Santagiulia Arena

 

 

 

Foto: Olympia2026