
Gelingt dem SCB in den Play-Ins der nächste Schritt?
Genau diese Frage stellen sich nach der heutigen Partie alle Fans des SCB. Denn einmal mehr gingen die Berner heute mit einem deutlich positiven Schussverhältnis vom Eis (48:20), aber einmal mehr ging die Partie verloren. Heute spielte Bern allerdings 40 Minuten gut, was im Vergleich zu früher diese Saison eine Verbesserung ist. Will man in der schönsten Zeit der Saison den nächsten Schritt machen und etwas reissen, dann werden die Berner zusammenstehen müssen.
Der Chronist kam heute wegen eines anderen Termins erst im Verlauf des zweiten Drittels ins Stadion. Bei der Abfahrt in Ittigen stand es 0:2 für Gottéron, was nicht viel Gutes erahnen liess. Und in der Tat bestätigten meine Kollegen im Stadion den Eindruck von Ferne. Bern habe im ersten Drittel wirklich nicht gut gespielt. „Wenn man nur 40 Minuten Hockey spielt, dann reicht es halt nicht für mehr“, fasste Samuel Kreis nach dem Spiel die heutige Niederlage des SCB zusammen. „Es ist nicht das erste Mal diese Saison“. Leider hat Kreis mit dieser selbstkritischen Aussage recht.
Bis zum Ende des zweiten Drittels konnten die Berner dann aber das Geschehen ausgleichen und das Spiel auf ihre Seite ziehen. In der 30. und 31. Minute hatten Untersander und Bemström für den SCB die Partie wieder ausgleichen können. Und in der Folge entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe. Bern hatte seine Spielqualität im zweiten Drittel deutlich steigern können. Insofern ging der unentschiedene Spielstand zum Ende des zweiten Drittels absolut in Ordnung.
Bern hatte in der ganzen Saison zuweilen Mühe, die Qualität seines Spiels über eine ganze Partie zu halten. Manchmal dauerten die lichten Momente auch nicht ganz ein Drittel. Insofern durfte man zu Beginn des dritten Drittels gespannt sein, ob nun ein zweites, gutes Berner Drittel folgen würde. Der Anfang desselben war verheissungsvoll. Interessanter statistischer Wert: Im zweiten Drittel hatte Bern mit 25:7 Torschüssen eine äusserst positive Schussstatistik. „Auch die Effizienz lässt uns schon die ganze Saison im Stich“, kommentierte Samuel Kreis darauf angesprochen, dass man aus 25 Torschüssen nur 2 Tore erzielt hatte.
Ob Gottéron nicht mehr konnte oder aber nicht mehr wollte, muss offen bleiben. Die beiden Überzahlspiele zum Ende des zweiten und zu Beginn des dritten Drittels waren aber äusserst bescheiden – ums mal freundlich auszudrücken. In der 6. Minute des dritten Drittels liessen die Berner Verteidiger aber Attilo Biascha im eigenen Verteidigungsdrittel gewähren. Er konnte seelenruhig vors Berner Tor laufen, scheiterte da zunächst, wartete aber auf einen weiteren Pass, den er dann ohne gegnerische Behinderung zum 2:3 ins Berner Tor befördern konnte. Auch das eine Szene, die Bern im Hinblick auf die Play-Ins zwingend abstellen müssen.
Würde Bern nochmal reagieren können? Gemessen an den bisherigen Erfahrungen in dieser Saison war die Hoffnung nicht sehr gross. Bern war aber sehr bemüht, seine offensive zu stärken und auf dem Weg des zweiten Drittels weiter zu gehen. Aber eben: Wenn’s nicht läuft, dann läuft’s eben nicht. In der 51. Minute erhöhte Nathan Marchon auf 2.4. Nur wenige Sekunden später gerieten die Üechtländer in Unterzahl und Bern zog ein sehr gutes Powerplay auf. Und tatsächlich. Victor Ejdsell brachte die Berner wieder heran.
Es blieb noch genug Zeit, um die Partie auszugleichen und dann noch zu kehren. Zwei Minuten vor Ende des dritten Drittels nahm Bern seinen Torhüter, heute Sandro Zurkirchen, vom Eis und kurz darauf sein Timeout. Mit sechs Feldspielern sollte der Ausgleich noch erzwungen werden. Das Überzahlspiel des SCB war sehr gut, führte allerdings nicht zum Erfolg. Und so verlor Bern auch heute Abend vor heimischem Publikum. „Jetzt kommt die wichtigste Zeit der Saison und ich bin überzeugt, wenn wir so weiter arbeiten, werden die Lucky punches auch auf unsere Seite fallen“, schaute Samuel Kreis auf die am Donnerstag beginnenden Play-Ins gegen Biel nach vorne. „Jetzt werden wir einen Tag den Kopf abschalten und uns dann sehr gut auf die Partie gegen Biel vorbereiten, so Kreis‘ Plan.
Auch Marco Müller äusserte nach dem Spiel denselben Plan. „Wir müssen nun gegen Biel zwei Partien gewinnen, alles andere spielt in unserer Situation keine Rolle. Wir müssen nun 120 Minuten unser bestes Hockey spielen und so in die nächste Runde kommen“. In der nächsten Play-In Runde, wo der Gegner entweder Zug oder Lakers heissen würde. Und wenn Bern die Play-Ins übersteht, dann wird der Gegner im Playoff Viertelfinal Davos heissen. Des Chronisten Frage an Samuel Kreis, ob es Berns Ziel sein müsse, Meister zu werden, beantwortete er wie gewohnt souverän.
„Ich denke, das ist noch zu weit weg. Unser erstes Ziel ist es, die erste Play-In und danach die zweite Runde zu überstehen. Und ja, in den Playoffs ist alles möglich, unser Fokus gilt aber vorerst mal dem ersten Spiel in Biel am Donnerstag.“ Und ja, klar, der Meistertitel ist noch viel zu weit weg und klar, muss man als Sportler Spiel für Spiel oder besser auch Shift für Shift nehmen. Aber Ziele soll man sich stecken, auch wenn diese hoch sind und in der heutigen Situation unerreichbar scheinen. Und ein Team, das heute mit fast zweieinhalb so vielen Torschüssen vom Eis geht, als sein Gegner, muss hohe Ziele haben. Und – so einfach das jetzt tönen mag – zwingend mehr Tore schiessen.
Am Donnerstag startet die schönste Zeit der Saison. Lassen wir uns überraschen.
Best Player:
Bern: Emil Bemström
Freiburg: Attilio Biascha
SC Bern – Fribourg Gottéron 3:4 (0:2 | 2:0 | 1:2)
Tore:
0:1 | 3.| Julien Sprunger (Bertschy, Rathgeb)
0:2 | 18.| Kyle Rau (Borgström)
1:2 | 30.| Ramon UNtersander (Sgarbossa)
2:2 | 31.| Emil Bemström
2:3 | 46.| Attilo Biascha (Bertschy)
2:4 | 51.| Nathan Marchon (Kapa, Borgström)
3:4 | 53.| Victor Ejdsell (Marchon, Häman-Aktell)
Zuschauer
16’471 Zuschauer
Postfinance Arena
Foto: Marija Diepold