Wenn eine Coaches Challenge dem Gegner Hoffnung schenkt

von 13.März 2026National League

Das Berner Play-Ins-Derby hat gehalten, was man sich von ihm versprach. Eine ausverkaufte Tissot Arena, laute Fangesänge, eine intensive, körperbetonte und umstrittene Partie sowie eine vermeintliche „messa finita“. Und zum Schluss eine Wende, die durch eine misslungene Coaches Challenge so richtig eingeleitet worden ist. Für Spannung am Samstag in der Postfinance Arena ist gesorgt.

Die schönste Zeit der Saison hat heute begonnen. Es ist Zeit für die Vor-Playoffs, die Play-Ins, wie sie der Modus in der Schweizer Liga vorsieht. Die Affiche ist gross. Es ist Derby-Zeit. Der 10. aus der Qualifikation gegen den 9. Oder eben: EHC Biel gegen SC Bern. Das Spiel findet in Biel, in der wunderschönen Tissot Arena statt. Die Heimstädte des EHC Biel-Bienne wurde im August 2015 eröffnet und fasst 6‘556 Zuschauerinnen und Zuschauer.

Die Arena liegt am Ausgang Biels Richtung Solothurn und beherbergt neben dem Eisstadion auch ein Fussballstadion. Und neben dran sind die Tennishallen von Swisstennis beheimatet, in denen ab und zu auch Teambewerbe im Tennis der Frauen und Männer stattfinden. In der 9. Minuten bebte das Stadion in Biel ein erstes Mal. Der EHCB hatte einen schnellen Konter gefahren und Mark Sever vollendete zum 1:0. Der Vorsprung Biels ging zu diesem Zeitpunkt in Ordnung. Sie waren bis anhin das gefährlichere Team gewesen.

In der 13. Minute geriet Biel in Unterzahl. Bern spielte wie gewohnt ein recht gutes Powerplay und liess die Scheibe gut zirkulieren. Aber eben – Ihr ahnt es schon – ein Torerfolg stellte sich nicht ein. Und auch etwas war gegen Ende des ersten Drittels so wie immer diese Saison. Bern hatte mehr aufs gegnerische Tor geschossen. Aber eben: gäng wie gäng. Dachte man. Das Stadtberner Tor kam dann aber trotzdem. Waltteri Merelä gewann das Bully vor dem Bieler Torhüter Harri Säteri, schlich sich vors Tor und vollendete zum 1:1. Und so endete auch das erste Drittel unentschieden.

Im zweiten Drittel wogte die Partie hin und her. Beide Teams kamen zu Chancen, wobei die Vorteile statistisch (immer noch) auf Stadtberner Seite lagen. Dann folgte die erste Bieler Überzahlsituation. Und Biel nutzte sie, ging damit 2:1 in Führung. Wenige Sekunden später kam’s für den SCB noch dicker. Biel kombinierte sich fast mühelos durch die Berner Defensive und erhöhte zum 3:1. Die Torschussstatistik lag nach wie vor auf Stadtberner Seite, davon kann man sich aber bekanntlich nichts kaufen. Und eine positive Torschussstatistik nützt noch weniger, wenn von den Schüssen keine grosse Gefahr ausgeht. Und genau das war heute Abend beim SCB – wie so häufig – der Fall. Eine weitere Überzahl bescherte dem SCB zwar weitere Chancen, aber nichts Zählbares auf der Anzeigetafel. 

Und wenn ein Abschluss des SCB mal gefährlich war, stand im Bieler Tor ein sehr gut disponierter Harri Säteri. 3:1. Zweites Drittel fertig. Pause. Die Stadtberner Zuversicht schwand langsam. „Am Samstag ist fertig“, so die schon fast konsolidierte Meinung auf der Medientribüne. Fast gleichzeitig lasen die Chronisten eine Transfermeldung, die vorderhand erst ein Gerückt sein soll. Mike Sgarbossa, der Center, der seit Januar beim SCB spielt, würde – so war es im Blick zu lesen – demnach nächstes Jahr bei den Rapperswil-Jona Lakers spielen.

Wer weiss, vielleicht erklärt sich somit auch, weshalb Sgarbossa im letzten Training vor dem heutigen Spiel fehlte und man auf Berner Seite von einer leichten Knöchelverletzung sprach. Diese dürfte auf der Rückreise von Rapperswil nach Bern vollständig verheilt sein…. Sgarbossa war heute jedenfalls im Lineup! Sgarbossa, der dem SCB wenigstens ein wenig offensive Power verliehen hat, zieht weiter. Zuversicht, in diesem Falle jene an der Transferfront, sieht anders aus. Doch das ist ein anderes Thema, das wir sicher mal gesondert aufnehmen müssen. Übrigens, und das ist eine erfreuliche Personlie, war heute auch Louis Füllemann nach einer Abwesenheit wieder auf dem Feld. „Ja, ich bin fit, der Körper hält“, konstatierte er erfreulich nach der Partie.

Nach gut 5 Minuten im dritten Drittel geriet Bern in doppelte Unterzahl. Und das während 1:46 Minuten. „Those sh… penalties“, kommentierte der grossgewachsene Victor Ejdsell nach dem Match. 1.96 m misst er. Ärgerliche Strafen vor allem, weil Biel gerade mal 22 Sekunden brauchte, um auf 4:1 zu stellen. Es war dies das „Nüssli-Tor“. Immer wenn Biel 4 Tore schiesst, gibt es nach dem Spiel Nüssli, wie mein Sitznachbar Nicola Lohri von Telebärn wusste. La messa e finita. So schreiben italienische Chronisten, wenn sie sagen wollen, dass der Sieger des Abends feststeht.

Gut sechs Minuten vor Ende der regulären Spielzeit keimte dann noch eine kleine Stadtberner Hoffnung auf, auf dass die Messe doch noch nicht definitiv fertig sein würde. Romain Loeffel hatte zum – in einer ersten Phase – vermeintlichen 4:2 getroffen. Vermeintlich deswegen, weil der Bieler Coach Christian Dubé seine Coaches Challenge nahm und eine Torhüterbehinderung monierte. Die Schiedsrichter schauten sich die Szene intensiv an. Die Videoaufnahmen im Stadion zeigten keine Behinderung des Torhüters durch einen Spieler des SCB. In dieser Situation war das eine hochriskante Massnahme des Bieler Coaches. Warum nur um alles in der Welt tut er dies beim Stand von 4:2?

Denn das Verdikt der Schiedsrichter war für Dubé das maximal Erfolglose. Tor korrekt und damit zählte es. 4:2. Und somit kassierte Biel auch noch gleich eine Strafe. Und, noch schlimmer für Dubé,  Bern nutzte die Strafe. Hardy Häman-Aktell traf in Überzahl zum 4:3. Eine nicht mehr für möglich gehaltene Spielentwicklung. Zum Schluss wogte die Partie noch so richtig hin und her und es war laut in der Tissot Arena. Biel gewann dann knapp, mit 4:3. „One goal behind at the end of the first game, it’s not the end of the world,“ meinte Waltteri Merelä nach dem Spiel erfreut. 

10 Minuten vor Schluss hätte wohl niemand mehr auf den SCB gewettet, doch sie kamen wieder heran. „Die Mentalität stimmte, wir haben ein Resultat, mit dem man arbeiten kann.“  Auch Louis Füllemann erklärte den temporären 4:1 Rückstand mit den zu vielen Strafen. „Schlussendlich ist es ein gutes Zeichen, wenn wir viel schiessen“, sah Füllemann ein positives Zeichen in der auch heute wieder deutlich zu Gunsten des SCB ausgefallenen Schussstatistik. 24:39 zu Gunsten der Stadtberner. „Wir wissen, dass wir Biel mit unserem Spiel zu 100% schlagen können“. Louis Füllemann, den viele Fülli nennen, sprüht vor Zuversicht.

Die Berner Arena dürfte am Samstag ausverkauft sein. Und die deutliche Mehrzahl der Zuschauerinnen und Zuschauer wird den SCB unterstützen. Für Stimmung ist definitiv gesorgt. Die Ausgangslage ist klar: Endet die Partie am Samstag nach 60 Minuten unentschieden oder gewinnt Biel, sind die Seeländer weiter und Bern geht in die Ferien. Gewinnt Bern mit 2 Toren oder mehr, ist Bern weiter. Und gewinnt Bern am Samstag mit einem Tor, kommt es zur Verlängerung, in der so lange gespielt wird, bis einer ein Tor schiesst und den anderen in die Ferien schickt. Ferien will am Samstag Abend keiner. 

Best Player:
Biel: Mark Sever
Bern: Romain Loeffel

EHC Biel-Bienne – SC Bern 4:3 (1:1  2:0|1:2)

Tore:
1:0 | 9.| Mark Sever (Sallinen, Haas)
1:1 | 16.| Waltteri Merelä (Kreis, Loeffel)
2:1 | 31.| Fabio Hofer (Hultström, Andersson)
3:1 | 33.| Mark Sever (Sallinen)
4:1 | 47.| Toni Rajala (Andersson, Hofer)
4:2 | 54.| Romain Loeffel (Müller, Ejdsell)
4:3 | 56.|Hardy Häman Aktell (Sgrabossa, Ejdsell)

 

Zuschauer
6’556 Zuschauer (ausverkauft)
Tissot Arena

 

 

 

Foto: justpictures.ch