
Der Berner Bär ist zurück und schickt Biel in die Ferien
Grad noch rechtzeitig fand der SCB heute zu seinem Spiel. Dank einer kämpferisch und spielerisch tadellosen Leistung siegten die Stadtberner im Kantonalderby gegen den EHC Biel-Bienne. Biel muss damit in die Ferien. Und für den SCB geht es bereits am Montag gegen die Rapperswil-Jona Lakers weiter. Der Playoff-Traum des Berner Bären lebt.
Ein Spassvogel meinte vor dem Match: „Wenn bei uns die Bahn (in einem grösseren Berner Skigebiet) stillsteht, bekommen die Gäste als Entschädigung einen Kaffee-Bon. Was kriegen wir als SCB Saison-Abo Besitzer, wenn heute Abend für den SCB die Saison stillsteht?“. Eine absolut berechtigte Frage, besehen die bisherige Saison. Dazu kam es aber zum Glück für die Berner Fans nicht. Der SCB zeigte eine souveräne Leistung. „Ja, es war einer der ersten Matches, wo wir unsere Leistung zeigen konnten. Und dies von Beginn weg bis zum Schluss. Das Resultat zeigt es auch,“ bestätigte Alain Graf nach dem Spiel die Stadtberner Leistung.
„Wir hatten heute das Messer am Hals“, erklärte Alain Graf die Leistungssteigerung. „So blöd das auch tönen mag, vielleicht haben wir das auch gebraucht,“ Knapp zwei Stunden vor Matchbeginn wird in Bern jeweils das LineUp kommuniziert. Und dieses wartete heute mit einer saftigen Überraschung auf. Das SCB-Tor hütete heute Abend Adam Reideborn, was nicht wegen ihm selbst eine Überraschung ist, sondern wegen des Umstandes, dass der Berner Coach Heinz Ehlers so freiwillig auf einen ausländischen Feldspieler verzichtete. Nicht nachvollziehbar, wenn man weiss, dass man heute mit 2 Toren gewinnen muss, um die Ferien zu verhindern.
Und wenn man dann noch sah, auf wen Ehlers verzichtete, war die Überraschung noch ein wenig grösser. Mike Sgarbossa und Emil Bemström waren auf dem Matchblatt als „abwesend“ und nicht etwa als „verletzt“ vermerkt. Was die Spekulationen befeuerte. Beide, Sgarbossa und Bemström hatten am Donnerstag in Biel gespielt und es wäre nicht sichtbar gewesen, dass sie sich verletzt hätten. Auch wenn wir nicht sicher wissen, was wirklich los ist: schon ein wenig unverständlich, dass man heute Abend scheinbar ohne Not auf die beiden verzichtete.
Aber selbstverständlich: die vorstehenden Zeilen waren zum Schluss vergessen. Ein Coach, der gewinnt, hat alles richtig gemacht. Bern startete konzentriert in die Partie und war um Scheibenkontrolle bemüht. Und wie immer diese Saison verzeichnete der SCB auch zu Beginn wieder mehr Torschüsse. Knapp 5 Minuten vor Ende des ersten Drittels geriet der SCB in Unterzahl. Biel verzeichnete einen in extremis von Nils Rhyn abgewehrten Schuss und Bern im darauffolgenden Konter eine ebenso riesige Chance.
Präzis 2 Minuten vor Ende des ersten Drittels gerieten die Bieler in Unterzahl. Luca Christen war wegen eines unnötigen Vergehens an Tristan Scherwey auf die Strafbank beordert worden. Bern spielte ein sehr gutes Powerplay, liess die Scheibe zirkulieren, erzielte aber kein Tor. 0:0. Pause. Die Medienschaffenden waren sich in der Pause einig. Bern war heute viel besser als am Donnerstag, als sie zuweilen einen ziemlichen pomadigen Auftritt an den Tag gelegt hatten.
Auch zu Beginn des zweiten Drittels war Bern engagiert unterwegs. Dann war eine Strafe gegen Biel angezeigt und Bern liess die Scheibe sehr gut in den eigenen Reihen zirkulieren. Bis Tristan Scherwey mustergültig Marco Müller bediente, der direkt abschloss und das viel umjubelte 1:0 für den SCB erzielte. Eine kleine Nachlässigkeit in der Berner Abwehr bescherte den Bielern eine grosse Chance, die sie allerdings nicht zu nutzen vermochten.
In der Folge kam Biel besser ins Spiel und entsprechend auch zu Chancen. Bern blieb allerdings konzentriert und bissig. Zuweilen etwas zu bissig. Tristan Scherwey muss wegen einer – auch in diesem Fall unnötigen – Körpercharge auf die Strafbank. Biel spielte ein sehr gutes Powerplay, erzielte aber kein Tor. Zurück von der Strafbank lief Tristan Scherwey aufs Bieler Tor zu und wurde gefoult. Penalty. Hardy Häman Aktell scheitere aber am Bieler Torhüter Harri Säteri.
Kurz darauf geriet Bern wieder in Unterzahl, diesmal wegen zu vielen Spielern auf dem Eis. Auch das selbstredend eine unnötige Strafe. Nur wenige Sekunden später verspielte Biel diesen Vorteil wieder. Johnny Kneubühler musste wegen eines hohen Stocks auf die Strafbank. Bern powerte weiter und wurde in der 36. Minute belohnt. Hardy Häman Aktell traf von der blauen Linie mit einem harten Schuss zum 2:0.
Der SCB war im Vergleich zur bisherigen Saison nicht mehr wieder zu erkennen. Und auch im Vergleich mit der ersten Partie am Donnerstag in Biel nicht. 18 Sekunden vor Ende des zweiten Drittels überprüften die Schiedsrichter, ob Bern ein Tor geschossen hatte. Und sie überprüften sehr lange. Eine Fotograph auf der Medientribüne zeigte uns sein Foto, das nahe legte, dass Harri Säteri mit seinem Fanghandschuh inklusive Puck hinter der Linie gewesen war. Nach intensivem Videostudium wurde das Tor nicht gegeben. Wohl weil die Schiedsrichter keinen wirklich sichtbaren Beweis für den Umstand hatten, dass Säteris Fanghand im Tor war. Sie hatten eben das Bild des Fotographen auf der Medientribüne nicht zur Verfügung.
Und noch eine kleine Regelkunde: Die Schiedsrichter hatten auf dem Feld auf „kein Tor“ entschieden. Wollen sie ihren on-ice Entscheid kehren, müssen sie den hundertprozentigen Beweis haben, dass sie auf dem Eis falsch lagen. Und den hatten sie nicht. Hätten die Schiedsrichter auf dem Eis das Tor gegeben, hätte es gezählt, weil sie wohl auch nicht den Gegenbeweis hätten führen können, dass es kein Tor war. Aber egal. 2:0. Pause.
Biel war zu Beginn des dritten Drittels um geordnete Offensive bemüht. Logisch, denn sie mussten zumindest mal ein Tor schiessen. Aber sie bemühten sich auch, nicht ins offene Messer zu laufen. Bern spielte zwar konzentriert weiter, geriet aber schon das eine oder andere Mal unter Druck. „Wir müssen uns anschauen, an was es gelegen ist, dass Biel gefährlicher wurde. Ich denke nicht, dass wir unsere Positionen verlassen haben“, analysierte Alain Graf diese kurze, etwas schwächere Berner Phase. „Wir haben uns dann aber wieder gefunden und konnten es souverän nach Hause bringen“. Damit sprach Graf sicher auch das an, was jetzt dann kam.
In der 50. Minute fuhr der SCB einen absolut mustergültigen Angriff. Tristan Scherwey beruhigte die Partie in der eigenen Defensive mit einem diskreten Handzeichen, nahm Anlauf und kriegte die Scheibe von Marc Marchon zugespielt, um sie dann auf Marco Müller zu legen. Dieser vollendete zum viel umjubelten 3:0. Marco Müller, der bisher in dieser Saison insgesamt zwei Tore erzielt hatte, traf heute im gleichen Spiel zweimal. „Es tut sicher gut, zweimal in einem Spiel zu treffen. Trische (Tristan Scherwey) hat mich zweimal sehr gut bedient und ich konnte davon profitieren“, meinte der Doppeltorschütze nach dem Spiel. Die Sturmlinie um Tristan Scherwey, Marc Marchon und eben Marco Müller war heute die Matchwinnerin. „Ja, wir sind viel zusammen gesessen und haben geredet“, begründete Müller den Erfolg.
Kommen wir noch kurz zurück auf die Partie am Donnerstag, in welcher der SCB quasi wie Phönix aus der Asche wieder aufstand. Sechs Minuten vor Schluss war Bern 4:1 hinten. Dann erzielte Romain Loeffel das 4:2 und der Bieler Coach nahm eine Coaches Challenge, um das Tor auf eine mögliche Torhüterbehinderung hin überprüfen zu lassen. „Es war bestimmt eine fragwürdige Challenge. Vermutlich haben sie schon etwas gesehen, sonst hätten sie diese nicht genommen,“ analysierte Alain Graf die Geschehnisse vom Donnerstag. „Wir haben die Serie nicht am Donnerstag, sondern heute verloren“, hielt der Bieler Coach Christian Dubé dagegen, auch auf diese Szene angesprochen.
Nichts desto trotz liegt Alain Graf natürlich völlig richtig, wenn er sagt: „Die Tatsache, dass wir heute Abend nur mit einem Tor Rückstand in die Partie starten konnten, war cool.“ Die letzten 5 Minuten der regulären Spielzeit waren inzwischen angebrochen und Bern führte nach wie vor 3:0. Christian Dubé, der Bieler Coach, musste sich langsam Gedanken machen, wie er die Partie noch drehen wollte. Er machte sich jedenfalls intensiv Notizen. Rund drei Minuten vor der 60. nahm Dubé seinen Torhüter vom Eis und kurz darauf sein Timeout. Und er zeigte seinen Spielern, was er zuvor notiert hatte.
Die Massnahme ging für die Bieler schief. Victor Ejdsell, der Berner Postfinance Topscorer erzielte das siegsichernde 4:0.Auf Bieler Seite entlud sich der Frust. Nicolas Müller musste auf die Strafbank und versetzte seine Bieler wieder in Unterzahl. Und so spielte der SCB den Sieg in Überzahl nach Hause. Und verhalf so seinem Torhüter Adam Reideborn zu einem Shutout. 4:0. Fertig. Bern ist weiter. Und nun warten am Montag Abend in der Postfinance Arena die Rapperswil-Jona Lakers.
Für das Spiel vom Montag gibt es wohl nur eine Losung, fragte der Chronist Alain Graf. „ja, du sagst es. Hart spielen, von Beginn weg bis zum Schluss unser Spiel spielen und dann sehen wir wie es kommt.“ Kann der SCB am Montag die gleiche Leistung wieder abrufen, dann kommt’s gut. Die Berner Fans waren heute Abend jedenfalls zufrieden und blieben vielleicht noch etwas länger bei einem Bier sitzen. Und nicht bei einem – wohl auch nicht offerierten – Kaffee, wie das bei einer Niederlage vielleicht der Fall gewesen wäre.
Best Player:
Bern: Marco Müller
Biel: Mark Sever
SC Bern – EHC Biel-Bienne 4:0 (0:0 |2:0 |2:0)
Tore:
1:0 | 23.| Marco Müller (Scherwey)
2:0 | 36.| Hardy Häman Aktell (Nils Rhyn)
3:0 | 50.| Marco Müller (Scherwey, Marchon)
4:0 | 58.| Victor Ejdsell
Zuschauer
16’243 Zuschauer
Postfinance Arena
Foto: Marija Diepold