Gottéron schafft das Break

von 18.April 2026National League

Der diesjährige Playoff-Final zwischen dem ersten der Regular Season, Davos und dem zweiten Gottéron hat begonnen. Beide Teams haben den Spenglercup (Bild) schon gewonnen. Jetzt geht es aber um den Schweizer Meistertitel. Der Final hat mit Intensität, Spannung und zuweilen auch etwas übersteigerten Emotionen angefangen. Die Fans beider Teams können sich auf nervenaufreibende zwei Wochen und die neutralen Zuschauer auf eine höchst attraktive Serie einstellen und je nach Standpunkt auch freuen.

Die Causa Fischer beherrschte in der letzten Woche die mediale Aufmerksamkeit, man konnte den Eindruck gewinnen, dass es in der Schweiz (fast) nichts anderes zu berichten gab. Und fast hätte man den Playoff-Final vergessen. Doch nein, Freiburger und Bündner freuten sich bestimmt auf einen sehr spannenden und intensiven Final. Und sie wurden nicht enttäuscht. Was heute Abend geboten wurde, war – vor allem im dritten Drittel – an Intensität und Spannung kaum zu überbieten. 

Davos ist heute Abend zu spät aufgewacht. Gottéron war bis zur zweiten Drittelspause die bessere Mannschaft und führte zu diesem Zeitpunkt verdient und auch fast ein wenig beruhigend mit 0:3. In der 50. Minuten kam es aber dann für die Bündner zum Ketchup Effekt. Was ist der Ketchup-Effekt? Ganz einfach. Plötzlich läuft’s. Oder KI liefert eine etwas ausführlichere Definition: 

Der Ketchup-Effekt beschreibt ein Phänomen, bei dem trotz langer Anstrengungen oder Wartezeit erst nichts passiert, bis sich der Knoten plötzlich löst und der Erfolg (oder Inhalt) massenhaft und unkontrolliert auf einmal eintritt. Es ist eine Metapher für den verzögerten, aber plötzlichen Durchbruch nach einer Phase der Stagnation.

Und diese Definition, auch wenn sie etwas lang ist, bringt es eigentlich auf den Punkt. Davos befand sich bis zum dritten Drittel tatsächlich in der Phase der Stagnation. Die Pausenpredigt vom Coach Josh Holden musste laut gewesen sein und sie hatte gewirkt. Davos war im dritten Drittel wie verwandelt. Viel aggressiver, aktiver und wirbliger als vorher. Und äbe: in der 50. Minute kam es zum Ketchup Effekt. Der Erfolg stellte sich ein. Zwar nicht unkontrolliert, aber mit einem Doppelschlag innerhalb 12 Sekunden. 

Gottéron hatte danach einige bange Momente zu überstehen. Der grösste dieser bangen Momente fand nach genau in Minute 58:29 statt. Davos hatte ein Tor geschossen. Die Schiedsrichter gingen das Tor überprüfen – alle dachten wegen einer möglichen Torhüterbehinderung – und gaben das Tor. Aber nein, die Schiedsrichter dürfen aus eigenem Antrieb nur kontrollieren, ob die Scheibe wirklich im Tor war. Und das war sie, drum kehrten die beiden aufs Eis zurück und Cédric Borga, der eine von ihnen zeigte auf den Mittelpunkt. Also Tor. Ausgleich für Davos. 

Aber nein, vielleicht doch nicht. Denn jetzt nahm der Freiburger Coach seine Challenge. Um das überprüfen zu lassen, was die Schiedsrichter nicht aus eigenem Antrieb dürfen. Nämlich, ob es eine Torhüterbehinderung war. Die beiden Head kehrten wieder vor die Bildschirme zurück und überprüften die Szene sehr lange, aber eben auch sorgfältig. Und sie überprüften, was der geneigte Zuschauer schon bei der ersten Verlangsamung zu erspähen gedacht hatte. Nämlich, dass der Davoser Topscorer Matej Stansky den Frteiburger Goali Reto Berra behindert hatte. 

Der Grund für der Schiedsrichter Sorgfalt war, ob Matej Stransky nicht seinerseits gestossen oder behindert worden war. Dank verschiedensten Kameraeinstellung konnte das aber ausgeschlossen werden. Also kehrten die beiden Head abermals aufs Eis zurück und der eine von ihnen, wieder Cedric Borga, annullierte das Tor. Also kein Ausgleich Davos. 

In den letzten 90 Minuten ereignete sich dann nichts zählbares mehr. Und so gewann Gottéron auswärts gegen Davos. Erwähnenswert ist dann noch, dass Brendan Lemieux Sekunden vor Schluss einen genau so unnötigen wie regelwidrigen Check an Freiburgs Christoph Bertschy verübte. Fristbewältigung der dümmeren Sorte nennt man das. Die Schiedsrichter überprüften abermals und verhängten folgerichtig 5 Minuten plus Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Lemieux. Die Szene war noch viel unnötiger, weil der Einzelrichter sie noch überprüfen wird und eine Sperre gegen Lemieux droht. 

Am Montag geht’s in der Freiburger BCF Arena weiter. Die Serie ist lanciert und nun kann sich die Eishockeyschweiz wieder auf den Sport konzentrieren. 

HC Davos – Fribourg Gottéron 2:3 (0:1 |0:2 |2:0)

Tore:
0:1 | 9.| Jan Dorthe (Walser, Sprunger)
0:2 | 28.| Henrik Borgström 
0:3 | 36.| Samuel Walser  (Sprunger, Jecker)
1:3 | 50.| Yannick Frehner (Frick)
1:3 | 50.| Julian Parrée (Knak)

Zuschauer
6’547 Zuschauer
zondacrypto-Arena, Davos-Platz GR

 

 

 

Foto: KEYSTONE/Gian Ehrenzeller