Die Schweiz will Gold!

von 30.Mai 2026Nationalmannschaften

Die Schweiz spielt zum dritten Mal in Folge um die WM-Goldmedaille. Schon das ist bisher noch nie dagewesen. Die Schweizer Nati spielt eine souveräne WM und sie hat eine riesige Euphorie in der ganzen Schweiz entfacht. Eine Euphorie, die morgen ihren Höhepunkt erreichen muss. Oder wie der SRF Experte Marc Reichert völlig richtig fordert. „Tragen wir sie bis zum Gold!!“ 

Die Schweiz als Favorit an einem WM Halbfinal. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Diese Ausgangslage haben sich die Schweizer dank ihrer makellosen Vorrunde geschaffen. Nach dieser waren sie als Nummer 1 gesetzt und konnten somit für den  Halbfinal den Finnen und Kanadiern aus dem Weg gehen.

Aber auch Norwegern hatte eine gute Vorrunde gespielt. Mit 15 Punkten waren sie auf Platz 2, noch vor Tschechien und Schweden. Die Halbfinalpaarungen zeigen übrigens diese Mal, dass die „Richtigen“ in der Vorschlussrunde sind. Mit Kanada gegen Finnland spielt der 1. der Gruppe B gegen den 2. der Gruppe A. Und mit der Schweiz gegen Norwegen spielt der 1. der Gruppe A gegen den 2. der Gruppe B.

Die Schweiz startete standesgemäss in die Partie und entschied mit 14:6 auch die Schussstatistik deutlich zu ihren Gunsten. Die Norweger zogen sich denn auch immer wieder weit nach hinten zurück, was den technisch begabten Schweizern die Räume eröffnete, um ihr Tempospiel aufzuziehen. Es dauerte aber dann doch bis zur 18. Minute, ehe die Schweiz 1:0 in Führung gehen konnte.

Christoph Bertschy schnappte sich hinter dem gegnerischen Tor die Scheibe, drehte eine recht weite Kurve vors Tor und erwischte den norwegischen Torhüter mit einem satten Schuss aus rund 5 Meter Distanz. Die  Norweger verfügen mit Henrik Haukeland über einen hervorragenden Torhüter, der bisher nur 6 mal hinter sich greifen musste. Insofern überrascht es wenig, dass die Schweiz etwas länger brauchte, um Lösungen zu finden.

In der 25. Minute fand die Schweiz dann zum zweiten Mal eine Lösung. Sie schalteten extrem schnell von Defensive in die Offensive und dann kam es zu einer 2 gegen 1 Situation. Calvin Thürkauf bediente Denis Malgin und dieser verwertete souverän zum 2:0. Was überhaupt nicht selbstverständlich ist, denn die jungen, physisch spielenden Norweger waren im Viertelfinal gegen Lettland ohne Gegentor geblieben und hatten 2:0 gewonnen.

In der 30. Minute gerieten die Schweizer in Unterzahl. Die diesjährige Schweizer Stärke zeigt sich aber eben auch in einem untadeligen Box-Play. Genau wie gegen Schweden, als die Eidgenossen ganze 15 Minuten in Unterzahl schadlos überstanden. Und so war es auch in dieser Phase. Die Schweiz überstand nicht nur die Strafe unbeschadet, sondern erarbeite sich in Unterzahl sogar zwei hochkarätige Chancen.

Und nicht nur das. Kurze Zeit nachdem die Schweiz wieder vollzählig war, schoss Sven Jung von der blauen Linie und Ken Jäger lenkte vor dem Tor zum 3:0 ab. Die Schweiz hatte zu jeder Zeit alles im Griff. Und dann konnte sie rund 1 Minute in doppelter Überzahl spielen. Die doppelte Überzahl verstrich ungenutzt, aber kurz danach, immer noch in Überzahl spielend, bediente Roman Josi Damien Riat. 4:0.

Anzumerken ist noch, dass der einige Spiele verletzt ausgeschiedene Pius Suter heute wieder auf dem Eis stand. Suter, der gegen die USA nach 123 Sekunden für das 1:0 gesorgt hatte und der damit am Beginn der ganzen aktuellen Euphorie ist.

Sven Jung erklärte im SRF-Interview der zweiten Pause, warum die Schweiz im zweiten Drittel drei Tore erzielen konnten. „Sie wurden ungeduldig, haben Fehler gemacht und wir konnten unsere Chancen verwerten.“ So einfach ist das. Doch Jung weiss auch, dass man konzentriert bleiben muss. „Chum tüe mir chly lauere, chöme sie zu Chance. Itz müesse mir dä Match suber fertig spiele.“

Für alle, die nicht wissen, was „lauere“ heisst, sei dies hier erklärt. Es ist sowas wie „unkonzentriert spielen“ oder „sich nicht mehr an den Gameplan halten.“ So abgeklärt wie die Schweiz bisher aufgetreten ist, bestand diese Gefahr nicht.

Lia Wälti, die Schweizer Fussball Nationalspielerin war an diesem Nachmittag in ihrem Heimatdorf Langnau im Emmental im Freibad beim Public Viewing. Wälti ist auch Eishockey Fan. Logisch, im Eishockey Dorf, wie Langnau eines ist.  „Ich drücke mega die Daumen. Wir haben im letzten Jahr (während der Damen EM, die Red) die Euphorie mitbekommen und ich hoffe, dass auch die Männer Eishockey Nati mitkriegt, was im Moment abgeht,“ hofft Wälti.

Und ja, „glaueret“ wurde logischerweise nicht. In der 45. Minute konnten die Schweizer ein weiteres Mal in Überzahl spielen. Und die Nati kombinierte sich scheinbar mühelos ins gegnerische Verteidigungsdrittel, wo Nico Hischier zum 5:0 HIschier, der übrigens derjenige ist, der die W.Nuss vo Bümpliz gewünscht hatte. Mit seinem 5.0 stellte er die Chancen auf 100%, dass die W.Nuss nach dem Spiel wieder durchs Land hallt.

„60% bin ich textsicher“, meinte Lia Wälti übrigens im SRF-Interview aus der Langnauer Badi, als sie darauf angesprochen wurde, ob sie dann auch mitsingen könne und werde. Und für all jene, die den Text nicht kennen, sei er hier zitiert:

D’w. nuss vo bümpliz geit dür d’strassLiecht und flüchtig, wie nes gasSo unerreichbar höchBockstössigi himbeerbuebeSchüüch und brav wie schafSchön fönfrisiertChöme tubetänzig nöchUnd d’spargle wachse I bluetjung morgeD’sunne chunnt’s wird langsam warm
Sie het meh als hundert chingUnd jede früehlig git’s es nöisHet d’chiuchefänschterouge offUnd macht se zue bi jedem kussUnd we sie lachet wärde bärge zu schtoubUnd jedes zäihe läderhärz wird weich
D’w. nuss vo bümplizIsch schön win es füür I dr nachtWin e rose im schneeWe se gseh duss in bümplizDe schlat mir mys härz hert im halsUnd I gseh win I ungergah, ja, ja
Sie wohnt im ne huus us glasHinger türe ohni schlossGseht dür jedi muurDänkt wi nes füürwärchWin e zuckerschtockLäbt win e wasserfauFür sie git’s nüt, wo’s nid gitUnd aus wo’s git, git’s nid für gingSie nimmt’s wie’s chunnt und lat’s la gah
D’w. nuss vo bümplizIsch schön win es füür I dr nachtWin e rose im schneeWe se gseh duss in bümplizDe schlat mir mys härz hert im halsUnd I gseh win I ungergah
D’w. nuss vo bümplizIsch schön win es füür I dr nachtWin e rose im schneeWe se gseh duss in bümplizDe schlat mir mys härz hert im halsUnd I gseh win I ungergah

 

Da schlägt mir mein Herz hart in den Hals. Ja, die Schweizer Herzen schlagen seit zwei Wochen immer höher. Denn was die Schweizer Nati an dieser WM abliefert, ist schlicht und einfach allergrösstes Kino. Selbstverständlich laufen in solchen Momenten auch die WhatsApp Chats auf Hochtouren. „Das isch eifach Hockey vom auerfeinschte,“ schreibt Fredu.

Oder „Finale, Finalee“, wie es Martin ausdrückt. Oder, um noch ein wenig vorzugreifen. „So spielen Weltmeister – super!!“ Oder Hans, der gegenüber dem Scheibenden vor dem Spiel meinte, dieser sei neutral, weil dieser geschrieben hatte. „Ich glaube sehr fest daran, heute gewinnen sie.“ Glaube versetzt Berge, sagt man. Insofern glauben wir alle nun ganz fest an den Weltmeistertitel.

Knapp zweieinhalb Minuten vor Schluss kam dann noch das 6:0. Pius Suter legte auf Theo Rochette auf und dieser vollendete in die linke obere Ecke. Und übrigens. Diese Heim-WM schreibt weitere Weltrekorde. So zum Beispiel Leonardo Genoni, der zum sage und schreibe 15. Mal ein Shutout an der WM feiern konnte.

Ein weiterer Rekord betrifft die Schweiz. Zu ersten Mal in der WM Geschichte wird die Schweiz zum dritten Mal hintereinander eine Medaille gewinnen. Und klar, nach zweimal Silber wollen wir nun Gold.

„Wier hei isch das vorgno, sy jetz genau da wower hei welle sy und jetz fählt genau no der einte Sieg,“ resümierte Nico HIschier im SRF-Interview nach dem Spiel in seinem schönen Walliser Dialekt. Und so endet auch dieser Bericht wie alle anderen zuvor mit den beiden Hymnen, der offiziellen, dem Schweizer Psalm und der inoffiziellen 2026-WM-Hymne, der „W.Nuss vo Bümpliz“

SRF live TV

Schweiz – Norwegen 6:0 (1:0 |3:0 |2:0)

Tore:
1:0 | 18.| Christoph Bertschy (Bächler, Egli)
2:0 | 25.| Denis Malgin (Thürkauf)
3:0 | 33.| Ken Jäger (Jung, Knak)
4:0 | 37.| Damien Riat (Josi, Andrighetto)
5:0 | 45.| Nico Hischier (Riat, Andrighetto)
6:0 | 58.| Theo Rochette (Suter, Biasca)

Zuschauer
10’000 Zuschauer (ausverkauft)
Swiss Life Arena, Zürich Altstetten

Fotos: Marija Diepold
Videos: SRF Live TV