IIHF WM 2026 – Eine Heim-WM, die die Schweiz zum Beben brachte

von 4.Juni 2026Nationalmannschaften

Tooor! Jubel! Gänsehaut!

​Die IIHF-Eishockey-Weltmeisterschaft 2026 in Zürich und Fribourg war weit mehr als nur ein Sportturnier. Sie war ein Fest der Emotionen, ein nationales Happening und eine gigantische Liebeserklärung der Schweiz an ihren Lieblingssport. Wer dabei war, wird noch lange davon erzählen.

Schon bei der Ankunft war spürbar: Hier passiert etwas Besonderes. Fahnen flatterten, Trikots leuchteten in Rot-Weiß, überall wurde über Aufstellungen, Chancen und Medaillen diskutiert. Die Schweiz befand sich zwei Wochen lang im sportlichen Ausnahmezustand – und genoss jede einzelne Sekunde davon.

Die Gastgeber präsentierten sich von ihrer allerbesten Seite. Die Organisation lief wie ein Schweizer Uhrwerk, die mediale Inszenierung war erstklassig und die gesamte Veranstaltung wirkte bis ins kleinste Detail durchdacht. Für die Heim-WM 2027 in Deutschland wurde die Messlatte damit nicht hochgelegt – sie wurde förmlich bis unter das Hallendach geschraubt.

Die moderne Swiss Life Arena entwickelte sich zum Hexenkessel. Kaum öffneten die Vorverkaufsstellen, hieß es bereits: „Sold out!“. Und drinnen? Ein Meer aus roten Nationaltrikots, tausende wehende Schals und ein ohrenbetäubendes „Hopp Schwiz!“, das durch Mark und Bein ging.

Besonders unvergesslich: die neue Hymne „W. Nuss vo Bümpliz“. Sobald die ersten Takte erklangen, sangen tausende Fans aus voller Kehle mit. Da wurde geschunkelt, gegrölt, gelacht und manchmal sogar heimlich eine Träne verdrückt. Eishockey kann eben weit mehr sein als nur Tore und Tabellen.

Und dann war da natürlich Cooly. Das sympathische Maskottchen flitzte, tanzte, winkte und alberte sich direkt in die Herzen von Jung und Alt. Egal ob Fünfjähriger oder Rentner – Cooly sorgte zuverlässig für Lacher und gute Laune.

Auch die vielen kreativen Inszenierungen waren absolute Volltreffer. Wenn die riesige Glocke durch die Arena hallte – BONG! BONG! BONG! – und Legenden wie Roger Federer, Marco Odermatt oder Andres Ambühl auf diese kreative Weise die Mannschaften aufs Eis schickten, lief selbst abgebrühten Journalisten ein Schauer über den Rücken. Das waren jene Momente, in denen Sport Menschen verbindet.

Sportlich fehlte am Ende zwar das ganz große Happy End. Die ersehnte Goldmedaille blieb erneut aus. Doch auf diesem Niveau entscheiden oft Zentimeter, Sekundenbruchteile oder ein abgefälschter Puck über Triumph und Enttäuschung.

Natürlich schmerzte das entscheidende Gegentor. Für einen Moment wurde es still. Doch bereits kurz darauf überwog der Stolz. Die Schweizer Nationalmannschaft hatte alles gegeben und ihre Fans mit leidenschaftlichem, modernem Eishockey begeistert. Vier Spieler unter den fünf besten Scorern des Turniers sprechen eine deutliche Sprache.

Vielleicht ist es wie bei einem guten Wein: Manchmal braucht es noch ein wenig Reifezeit, bevor aus Silber endlich Gold wird. Die Trauben für die ganz große Ernte sind jedenfalls längst gepflanzt.

Besonders erfreulich war zudem die Tatsache, dass nicht immer die üblichen Verdächtigen im Rampenlicht standen. Lettland begeisterte einmal mehr mit Herz, Leidenschaft und einer fantastischen Fan-Kultur. Und Norwegen sorgte für die vielleicht schönste Überraschung des Turniers. Die skandinavischen Außenseiter spielten frech, mutig und mitreißend auf und ärgerten sogar das Mutterland des Eishockeys. Die verdiente Bronzemedaille war der Lohn für eine grandiose Teamleistung.

Dagegen mussten Schwergewichte wie Schweden oder die USA überraschend hart kämpfen, um überhaupt den Sprung unter die besten Acht der Welt zu schaffen. Das zeigte eindrucksvoll, wie eng die internationale Spitze inzwischen zusammengerückt ist.

Auch Österreich hinterließ einen hervorragenden Eindruck und verpasste das Viertelfinale nur denkbar knapp. Großbritannien und Italien bereicherten das Turnier ebenfalls mit professionellen Auftritten und bewiesen, dass Eishockey längst nicht mehr nur in den traditionellen Hochburgen zuhause ist.

Aus deutscher Sicht fiel die Bilanz dagegen ernüchternd aus. Die Nationalmannschaft verabschiedete sich erneut bereits nach der Vorrunde. Für die Heim-WM 2027 in Mannheim und Düsseldorf ist das kein besonders beruhigendes Signal.  Jetzt sind Ehrlichkeit, Analyse und Konsequenz gefragt. Die Verantwortlichen werden genau hinschauen müssen, warum das Potenzial der Mannschaft erneut nicht ausgeschöpft wurde. Der Anspruch des DEB sollte klar sein: nicht nur teilnehmen, sondern wieder ernsthaft um die Medaillen mitspielen.

Dabei darf man durchaus über die Landesgrenzen schauen. Die Schweiz hat eindrucksvoll gezeigt, wie man eine Eishockey-Weltmeisterschaft zu einem nationalen Ereignis macht. Man muss das Rad nicht neu erfinden. Gute Ideen darf man übernehmen – und anschließend mit deutscher Handschrift weiterentwickeln.

Wenn Deutschland auch nur einen Teil der Begeisterung, Kreativität und Leidenschaft dieser Schweizer Heim-WM auf die eigene Veranstaltung übertragen kann, dürfen sich die Fans schon heute auf ein großartiges Turnier im nächsten Jahr im Wonnemonat Mai freuen.

Und ich persönlich? Ich werde mich als Volunteer im Bereich Presse und Medien bewerben. Denn wenn 2027 wieder die Sirenen ertönen, die Fans singen, die Plexiglasscheiben vibrieren und die Arenen beben, möchte ich mittendrin sein statt nur dabei.

In diesem Sinne: Puck einwerfen. Los geht’s.

Foto: City-Press GmbH Bildagentur