Das Derby im Emmental geht an den SCB

von 17.Oktober 2026National League

Der SCB war heute Abend Gast im schönen Emmental. Das kantonalberner Derby zwischen den Tigers und dem SCB stand auf dem Programm. Langnau macht seinen Fans diese Saison bisher Freude. Dies unter einigen anderen auch dank Julian Schmutz (Foto), der in den 13 Langnauer Spielen dieser Saison bereits sieben Tore erzielt hat.

Dieser Artikel ist eine Transkription des Matchberichts von Milena Zaugg. Sie hat für eishockey-online.ch die Partie in Langnau mitverfolgt und für uns kommentiert. Merci Milena!!

Beginnen wir diesen Bericht mit dem traditionellen und eigentlich legendären Sprechgesang der Langnauer Fans. „Langnou, Schangnou, Bärou, Gou!“ erbindet die Ortschaften der Gemeinde Langnau im Emmental (wie das Dorf Bärau oder das nahegelegene Schangnau) mit dem ultimativen Ziel im Eishockey: dem Gou (Berndütsch für Tor / Goal).

Wobei das letztgenannte „Gou“ eine wunderbare Doppelbedeutung hat. „Gou“ einerseits wie eben erwähnt für „Tor“. Gohl, zu Berndeutsch eben „Gou“ ist tatsächlich ein wunderschöner, ländlicher Ortsteil von Langnau, und der Fluss Gohl mündet direkt bei Bärau in die Ilfis, in den Fluss also, der durch Langnau fliesst.

In der fast ausverkauften EV Arena kam es heute Abend zum Kantonalberner Derby zwischen den Tigers und dem SCB. Wer an ein solches Derby denkt, erinnert sich sofort an all die emotionsgeladenen Derby, bei denen sowohl auf wie auch neben dem Eis alles gegeben wurde. Ein Derby ist traditionell umstritten, die Stimmung und die Gesänge sind laut. Kurz: es ist ein Moment, auf den man sich sehr lange freut. Langnau und Bern dürfen innerhalb von 3 Tagen gleich zwei Derby austragen. Eines am Samstag in Langnau, das andere am Dienstag in Bern.

Heute allerdings hat man nicht gemerkt, dass es ein Derby war. Insgesamt war es recht emotionslos. Zu diesem Fazit kamen auch die Fans in der Halle. Und dabei hätte es heute alle Ingredienzen gegeben, die es für ein tolles Derby braucht. Denn vor der heutigen Partie waren die Tigers in der Tabelle vor den Stadtbernern platziert. Was zeigt, dass man im Emmental einen sehr guten Saisonstart hingelegt hat. Die Tigers haben diese Saison eine deutlich verbesserte Disziplin gezeigt, sie verfügen über eine exzellente Balance im Kader. Zudem sind Schlüsselspieler sehr gut in Form. Zu den Schlüsselspielern gehören unter anderem die in der dritten Sturmlinie zusammen spielenden Flavio Schmutz, Nando Eggenberger und Julian Schmutz.

Julian Schmutz hat auch heute wieder gegen die Mutzen getroffen. Es war der Anschlusstreffer zum 1:2 in der 36. Minute  der die Hoffnung wieder in die EV Arena zu Langnau zurück brachte. Im ersten Drittel war das Spiel so hin und her geplätschert – ohne Emotionen eben. Rodrigo Abols traf dann in der 14. Minute zum 0:1 für den SCB. Und ob der ganzen Emotionslosigkeit hatte man schon nach dem 0:1, aber sowieso nach dem 0:2, wieder durch Abols, das Gefühl, dass es das nun gewesen sei. Wie zuvor bereits erwähnt, brachte der Anschlusstreffer von Julian Schmutz die Hoffnung wieder zurück nach Langnau.

Eine Hoffnung, die allerdings nicht erfüllt wurde. Nach dem Anschlusstreffer hatten die Tigers noch gut 24 Minuten Zeit, den Ausgleich zu erzielen. Doch im dritten Drittel stellten sich die Langnauer wegen zwei ziemlich unnötigen Strafen gleich selbst ein Bein. Und mussten dann 13 Sekunden vor Schluss den dritten Stadtberner Treffer durch Waltteri Merelä und damit die Niederlage zur Kenntnis nehmen. Nimmt man die bisherigen Leistungen der Tigers in dieser Saison als Gradmesser, so hätte man auf eine Rückkehr der Langnauer ins Spiel setzen können. Die Langnauer zeigen in der Tat Comeback-Qualitäten.

Experten loben die moralische Stärke des Teams. Die Tigers beweisen unter Headcoach Thierry Paterlini extreme Zähigkeit und die Fähigkeit, auch nach Rückständen oder in engen Schlussphasen (wie den Siegen gegen Lugano und in Ambrì) konstant zu punkten. Das ist ihnen heute Abend nicht gelungen, auch wenn die Langnauer in der Statistik der Schüsse aufs gegnerische Tor die Nase vorne hatten. Die Tigers schossen 25 mal aufs von Christof von Burg gehütete Tor des SCB, während Bern nur auf 20 Abschlüsse kam.

Christof von Burg, der 25-jähruge Stadtberner Torhüter war heute einmal mehr ohne Fehl und Tadel. Er strahlt jeweils eine grosse Ruhe aus, was auch seine Vorderleute besser macht. Mit 96% hatte er auch heute eine herausragende Fangquote, womit er seinen ersten Platz in der aktuellen Statistik der besten Torhüter nochmals festigen konnte. Seine gesamte Fangquote beträgt im Moment 93.48%, was ihn rein statistisch gesehen zu einem Spitzentorhüter macht. Gut für den SCB, dass man von Burg bis 2030 vertraglich binden konnte.

Die heutige Niederlage der Langnauer gegen den SCB muss man im Emmental zur Kenntnis nehmen, ohne dass man am bisher eingeschlagenen Weg zweifelt. Langnau hat eine sehr kluge Sportchef-Strategie. Pascal Müller macht das Team Schritt für Schritt jünger und schneller. Und das Team dankt es ihm mit einer üblicherweise beeindruckenden Dynamik auf dem Eis. Und auch das Festhalten am Headcoach Thierry Paterlini war ein richtiger und wichtiger Entscheid. Wobei der Begriff „festhalten“ im Zusammenhang mit Paterlini wohl zu wenig deutlich ist.

Es ist davon auszugehen, dass Paterlini Angebote von anderen Clubs gehabt hat. Dass ihn Pascal Müller bei den Tigers halten konnte, zeigt, dass man Paterlini eine positive Perspektive in Aussicht gestellt hat. eishokey-online.ch wagt mal eine erste Prognose: Die SCL Tigers werden ihren Fans diese Saison noch viel Freude machen und am Schluss der Regular Season zumindest um den Playoff Einzug spielen können.

 

SCL Tigers – SC Bern  1:3 (0:1|1:1|0:1)

Tore:
0:1 | 14.| Rodrigo Abols (Merelä, Marchon)
0:2 | 34.| Rodrigo Abols (Marchon, Mitchell)
1:2 | 36.| Julian Schmutz (Björnninen, Mäenalanen)
1:3 | 60.| Waltteri Merelä (MItchell)

Zuschauer:
6’000 Zuschauer
EV Arena Langnau

Foto: justpictures.ch