Den Tigers gelingt die Revanche

von 21.Oktober 2026National League

Nach vier Siegen in Folge ging der SCB wieder mal als Verlierer vom Eis. Die Tigers waren heute Abend die cleverere, effizientere und letztlich vielleicht auch etwas glücklichere Mannschaft. Und glücklich war heute Abend auch einer, den man aus dem Emmental sehr gut kennt und extrem schätzt. Beat Feuz, Olympiasieger, Weltmeister und viermalige Abfahrtsweltcupsieger war in der Halle und gewährte eishockey-online.ch ein Interview. 

SCB gegen die Langnau Tigers. Das ist ein Derby mit einer riesigen Geschichte. Und beidseits können Fans und auch Spieler viele wunderbare Geschichten über diese Derby erzählen. Das letzte dieser Derbys fand am Samstag in Langnau statt. Und heute also schon wieder. Ein Spielplan, der nicht alle erfreut. Im Emmental findet man das nicht optimal. Am Samstag gewann Bern 3:1. Vielleicht deshalb die negative Einstellung zum erneuten Aufeinandertreffen.

Die Tigers liessen die Sache heute recht flott angehen und zeigten sich in den ersten Minuten recht häufig vor dem Stadtberner Tor. Der SCB brauchte etwas länger, um ins Spiel zu kommen. Die Statistik, will heissen die historische Bilanz des Tatzenderbys spricht eine deutliche Sprache und diese fällt zugunsten des SCB aus.

Gespielte Partien 119
Siege SC Bern 79
Siege SCL Tigers 34
Unentschieden 6
Torverhältnis 414 : 271

Bern hat also mehr als doppelt so häufig gewonnen als Langnau und dem entsprechend ein deutlich positives Torverhältnis. Übrigens: die 6 Unentschieden stammen aus der Zeit, als es im Eishockey noch Unentschieden gab. Diese wurden auf die Saison 2006/07 abgeschafft. Vor genau 20 Jahren also. Doch was zählen Statistiken. Nicht viel, vor allem wenn sie so alt sind.

Gehen wir also zurück zur heutigen Partie, in der Bern langsam aber sicher besser ins Spiel fand. Bis zur Strafe gegen der SCBler Samuel Kreis, die man zwar geben kann, aber genau so gut auch nicht hätten geben müssen. Langnau konnte sich zwar einige Zeit in der Berner Defensive festsetzen, kam aber nicht wirklich zu den grossen Chancen. Und dementsprechend auch zu keinem Tor.

Zusammenfassend kam im ersten Drittel von beiden Teams noch nicht sehr viel. Und wenn was kam, waren das entweder Christof von Burg für den SCB und Luca Boltshauser für die Tigers im Tor, um Ungemach für die eigenen Farben zu verhindern. 0:0. Pause. Bleiben wir noch kurz bei der Torhütersituation des SCB. „Wir haben beim SCB drei richtig gute Torhüter und das führt zu einem gesunden Wettbewerb,“ rühmt der SCB Coach Serge Aubin seine Goalis. Auf die Frage, wer denn die Nummer 1 sei, meint Aubin: „Ich war nie ein Fan, eine Nummer 1 oder 2 oder 3 zu bestimmen. Wir haben drei super Torhüter und das ist gut so.“

Einer, der dieses Jahr mit einer herausragenden Fangquote zu diesen drei Torhütern gehört, ist Christof von Burg. Er, der letzte Saison zwar zurückgeholt, aber dann nie eingesetzt wurde. Heute ist er zum Best Player gekürt worden. Spürt er jetzt, dass man auf ihn setzt? *Ja, auf diese Saison hin hat es sich geändert. Ich merkte sofort, dass der neue Coach und auch der ganze Club an mich glauben und ich denke, dass ich mit guten Leistungen in der Vorbereitung meine Chance gepackt habe.“  Vergessen ist alles, was letzte Saison war. „Jetzt gehen wir weiter,“ meint von Burg abschliessend.

Kurz nach Wiederbeginn gerieten die Tigers ein erstes Mal in Unterzahl. Gelegenheit für den SCB, seine Stärken auszuspielen. Erst nach einer Minute gelang es Bern, das Powerplay zu installieren. Allerdings nicht sehr lange. Und so schaute auch hier ausser einem gut hörbaren Stangenschuss nichts auf der Anzeigetafel Zählbares raus.

Das Spiel selbst war zwar schneller als die letzte Partie vom Samstag im Emmental. Schneller heisst aber noch nicht effizienter und torgefährlicher. Und so plätscherte das Spiel vor sich hin, was dem Chronisten die Zeit lässt, auf der Derbys Geschichte zurück zu schauen.

Ein oft zitiertes Kapitel schrieb das Derby am 30. Dezember 2020: Damals besiegten die SCL Tigers den SCB vor leeren Rängen (Corona-Massnahmen) mit 4:3 – das erste Mal seit dem Aufstieg 1986, dass der SCB so spät in der Saison auf dem letzten Tabellenplatz stand. Dies nota bene nachdem der SCB unter Kari Jalonen im Jahr 2019 noch Meister geworden war. Übrigens zu

Kari Jalonen: Der 66-jährige, der seit diesem Frühling Trainer bei Tappara Tampere ist, hat heute, am 20. Oktober 2026, überraschend und mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt und das Ende seiner Trainerlaufbahn erklärt. Derweil plätscherte das Spiel weiter vor sich hin, was einen Spassvogel auf der Medientribüne sagen, liess, sein Bauchgefühl sage ihm immer, das zweite Drittel sei jeweils sehr gut. Was heute definitiv nicht der Fall war, aber auch keinesfalls an des Spassvogels Bauch lag.

Das zweite Stadtberner Überzahlspiel war dann deutlich besser. Sie liessen die Scheibe gekonnt in den eigenen Reihen zirkulieren. Allerdings auch dieses Mal ohne zählbares Ergebnis. Auch das zweite Langnauer Überzahlspiel des Abends war dann deutlich besser. Und dieses Mal gelang es, das erste Tor. Jérôme Bachofner schloss eine schöne Kombination zum 0:1 für die Tigers ab. Wer weiss, vielleicht würde das den Ketchup Effekt haben.

Ketchup Effekt? Ja, ganz einfach. Bei solchen Flaschen kommt es immer mal wieder vor, dass lange nichts und dann plötzliches alles oder zumindest viel mehr kommt. Vorderhand war aber beim Stand von 0:1 die zweite Drittelspause angesagt. Wobei zum zweiten Drittel nachgetragen sei, dass Bern 16 und Langnau 2 mal aufs gegnerische Tor schoss. Machst du keins, kriegst du eins, genau so ist es.

Auf der Medientribüne sass heute Abend Reto Widmer, der für Radio SRF aus der Postfinance Arena berichtete. Und neben ihm sass jemand, den man jetzt nicht sofort hier vermutet hätte. Beat Feuz, der legendäre Skisportler und heutige SRF Skisportexperte. Der gebürtige Schangnauer  dazu: „Ich bin nicht so oft an einem Hockeymatch, aber immer mal wieder gerne und heute habe ich mir das Berner Derby nicht entgehen lassen.“  Es sah von hinten so aus, als ob Feuz auch heute mit kommentiert hat, was er aber richtig stellte. „Nein, ich hatte die Kopfhörer nur an, um mitzuhören, habe aber nicht kommentiert.“

Beat Feuz freute sich über den Langnauer Sieg. „Ja, klar ich bin schon mehr bei den Langnauern zu Hause. Das kommt auch aus meiner Jugendzeit. Ich kannte viele, die bei den Tigers gearbeitet haben.“  Und wenn wir schon einen Profi-Analysten im Stadion hatten, so fragte der Chronist nach einer Analyse. „Am Anfang war es etwas ein „Gmurks“. Keine Mannschaft fand richtig ins Spiel. Es gab wenige gute Chancen, am Schluss kam dann noch etwas Spektakel ins Stadion, mit den Toren und dem Empty Netter.“ Für Feuz geht der Tigers Sieg in Ordnung. „Langnau war cleverer und hat’s besser ausgenützt.“

Der SCB war auch im dritten Drittel sehr bemüht, bekundete allerdings eben auch Mühe, zu wirklich guten Chancen zu kommen. Und auch in der Defensive war man beim SCB zuweilen recht unsortiert. Es schien ein Abend zu werden, an dem einfach nichts geht. Getreu dem Motto: gibt sich, hat aber auch Mühe.

Und so kam es, wie es aus Berner, aber natürlich auch aus Langnauer Sicht kommen musste. Die Tigers fuhren einen guten Konter, Bern war zu spät und Nando Eggenberger schloss ebendiesen Konter zum 0:2 ab. Bern verblieben knapp 7 Minuten, um zu reagieren. Daran glaubte aber zu diesem Zeitpunkt kaum mehr jemand.

Gut drei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit nahm Serge Aubin, der SCB Coach, seinen Torhüter vom Eis und ersetzte ihn durch einen sedchsten Feldspieler. Massnahme, die Früchte trug. versenkte die Scheibe im Lattenkreuz. 1:2. Und noch 2:15 Minuten zu spielen. Doch Langnau nahm eine Coaches Challenge und so mussten die Schiedsrichter überprüfen, ob dem Tor ein Hand-Pass vorausgegangen war.

Oder wie es der Speaker Geri Ryser ansagte: game missed stoppage. Weil die Schiedsrichter aufgrund des Handpasses das Spiel hätten unterbrechen müssen. Und es so gar nicht zum Tor hätte kommen können. Die Schiedsrichter überprüften die Szene sehr lange, die Berner Fans pfiffen und erwarteten das Verdikt, das da hiess: Tor! Und damit Jubel in den Rängen des SCB.

Entsprechend der misslungenen Coaches Challenge musste ein Langnauer auf die Strafbank und dann unterlief den Bernern ein grober Schnitzer. Sie nahmen den Torhüter raus, bevor die die Scheibe sicher unter Kontrolle hatten und so konnte Langnau das 1:3 erzielen. Warum Christof von Burg raus beordert wurde, bevor das Powerplay richtig installiert worden sei, so die Frage an den SCB Coach Serge Aubin. „Weisst du, es ist das Vertrauen in die Jungs. Wir waren schon 5 gegen 4 Spieler und wir hatten einen Plan. Wie zu sehen war, haben wir diesen Plan nicht umgesetzt. Wir haben nicht zur Scheibe Sorge getragen,“ dies des Trainers Fazit, das heute für das ganze Spiel galt.

Und so endete die Partie 1:3, womit zwischen Bern und Langnau seit Samstag absoluter Einstand herrscht. Nochmals Serge Aubin mit einer Gesamteinschätzung zum Spiel: „Ich war mit dem ersten Drittel nicht zufrieden. Das zweite Drittel war besser. Unglücklicherweise machten wir einige Fehler heute Abend und haben die Tore nicht erzielt, wenn das nötig gewesen wäre. Wir müssen rund um das gegnerische Tor etwas hungriger sein.“

Best player:
Bern: Christof von Burg
Langnau: Luca Boltshauser

SC Bern – SCL Tigers 1:3 (0:0|0:1|1:2)

Tore:
0:1 | 38.| Jérôme Bachofner (Schmutz, Petersson)
0:2 | 54.| Nando Eggenberger (Schmutz)
1:2 | 58.| Rodwin Dionicio (Abols)
1:3 | 59.| Hannes Bjiörninen ins leere Tor

Zuschauer:
15’979 Zuschauer
Postfinance Arena Bern

Foto: Marija Diepold