
Erfolgreicher Berner Family Day
Ein Spiel der SCB Herren und danach ein Spiel der SCB Damen. So was gibt es selten. Und es dürfte insbesondere für die SCB Damen (Foto) ein schönes Erlebnis gewesen sein, vor einer solchen Kulisse zu spielen, von Brian Abey aufs Feld gerufen zu werden, die Torhüterin Saskia Maurer zu verabschieden und dann noch das Zähringer Derby gegen Gottéron zu gewinnen. Zuvor hatten die Herren mit 2:1 nach Verlängerung gewonnen.
Heute war Family Day in der Postfinance Arena. Ab 11 Uhr erwartete Gross und Klein ein abwechslungsreiches Programm vor und dann auch in der Postfinance Arena. Programm, das dann mit den beiden Spielen der 1. Mannschaften gipfelte. Bei den Männern um 14 Uhr mit der Partie SCB gegen Lugano und danach um 1645 Uhr die Frauen mit SCB gegen Gottéron.
Eines der Ziele für den Family Day hat der SCB auf seiner Homepage deutlich deklariert:
Zämä dr Rekord uf Bärn hole!
Am Family Day wollen wir Geschichte schreiben. Um 14.00 Uhr spielt der SCB gegen Lugano, um 16.45 Uhr folgt das Zähringer-Derby der Frauen. Das Beste: Du brauchst kein zusätzliches Ticket! Bleib einfach in der Arena und unterstütze unsere Frauen beim Rekordversuch. Am Spiel der SCB Frauen gilt freie Platzwahl.
Der bisherige Zuschauer Rekord stamm vom Spiel in der Swiss Life Arena zwischen den ZSC Lions und dem EV Zug. Die Partie zählte im Januar 2026 4’997 Zuschauer. In der heute mit deutlich über 16’000 Zuschauer beim Männer Spiel gefüllten Arena war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Rekord heute nach Bern wechseln würde.
In der 7. Minute zauberte die Linie um Milano, Aaltonen und Bemström ein erstes Mal tolle Angriffe aufs Eis. Bisher fehlte allerdings der krönende Abschluss. Lugano bekundete einige Mühe, ins Spiel zu kommen. Bern schnürte die Tessiner immer mal wieder in ihrem eigenen Verteidigungsdrittel ein. Und wenn Lugano mal rauskam, vermochten sie gegen vorne kaum einmal eine wirklich zusammen hängende Aktion zu fahren.
In der 16. Minute zirkelte Baumgartner für den SCB einen Schuss ans Lattenkreuz. Das 1:0 schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Die Partie widerspiegelte auch recht gut die Tabellensituation der beiden Kontrahenten. Bern liegt aktuell mit 23 Punkten auf Rang 6, Lugano mit 18 Punkten auf Rang 12. Wobei Lugano auch ein Spiel mehr ausgetragen hat als die Mutzen.
Und dann fiel es vermeintlich doch noch, das 1:0. 46.7 Sekunden vor Ende des ersten Drittels Emil Bemström hatte getroffen. Vermeintlich deswegen, weil die Schiedsrichter die Szene auf ein allfällige Kicktor überprüften. Eine sehr knifflige Frage, die anhand der Videobilder nur schwierig zu beurteilen. Schliesslich nahmen die Schiedsrichter das Tor zurück, was sich auf Grund der Bilder rechtfertigen lässt.
0:0. Pause. Das nicht gegebene Tor gab in der Drittelspause im Restaurant noch zu reden. Ein kompetenter Zuschauer, der selbst Eishockey spielt, meinte mit Bestimmtheit, dass das Tor hätte zählen müssen. Denn Bemström habe die Scheibe zwar gekickt, danach aber mit dem eigenen Stock noch berührt. Fast so, wie er selber, der Zuschauer, es gemacht hätte. „Ich wäre allerdings mittlerweile zu wenig schnell, um eine Kickbewegung zu machen“, meinte er.
Womit das Tor gültig gewesen wäre. Die Torschussstatistik des ersten Drittels ging übrigens mit 15:1 in erdrückenderweise zugunsten des SCB aus. In der 25. Minute war es dann soweit. Der SCB hatte sich wieder vor dem Tessiner Tor festgesetzt und Mats Alge brachte die Berner mit 1:0 in Führung. Lugano bekundete weiterhin Mühe, ein solides Eishockey zu zeigen. Viele Aktion waren unpräzis und beruhten immer mal wieder auf Zufall.
Die Berner Linie um Mats Alge, Marco Müller und Benjamin Baumgartner harmonierte heute hervorragend und kam dank ihrer Schnelligkeit immer wieder zu Chancen. Das einzige, was man dieser Linie bzw. dem gesamten SCB zu diesem Zeitpunkt vorwerfen konnte, war die mangelnde Chancenauswertung. „Es hat Spass gemacht, mit Beni und Maurer zusammen zu spielen,“ meinte Mats Alge nach dem Spiel. Alge kommt in dieser Saison immer besser ins Spiel. „Ich finde, heute war ich zum ersten Mal so richtig im Flow. Ist cool, dass es heute so ging und ich hoffe, dass ich es nun so weiter ziehen kann.“
Einer, der auf Berner Seite immer besser in Fahrt kommt, ist Sonny Milano. Seine bisherige Torstatistik ist zwar nicht schlecht, doch vermochte er noch nicht die grossen Akzente zu setzen. Das war heute anders. Mit seiner Schnelligkeit trieb er das Spiel immer wieder in die richtige Richtung. 1.0. Zweite Pause. Zu wenig für Bern, auch wenn die Schussstatistik im zweiten Drittel ausgeglichen war.
Zu Beginn des dritten Drittels kassierte der Berner Louis Füllemann 4 Strafminuten wegen hohem Stock. Auch während dieser Phase blieben die Tessiner bescheiden, ums mal vorsichtig zu formulieren. Lugano brachte in diesen vier Minuten keinen einzigen Schuss aufs Berner Tor. Allerdings stand es immer noch nur 1:0.
Und so plätscherte die Partie hin und her. Bern war nach wie vor deutlich überlegen. Aus Berner Sicht blieb nur noch zu hoffen, dass sich der knappe Vorsprung nicht noch rächen würde. Und genau so kam es dann auch. Lugano glich in der 55. Minute aus. Danach kam es noch schlimmer für Bern. Rodwin Dionicio musste zwei Minuten auf die Strafbank. Doch der Luganesi Ramon Tanner glich die Bestände mit einer Strafe wieder aus.
Und so kam’s im Bern um 16:13 Uhr zur Verlängerung. Das hat deshalb Relevanz, weil die SCB Damen bereits um 1645 Uhr ihr Spiel starten sollten. Vermutlich hat deren Einspielen auf dem unterirdischen Eisfeld der Postfinance Arena stattgefunden. Doch zurück zu den Herren. Diesen Matsch hätte der SCB zwingend gewinnen müssen. Und zwar nach 60 Minuten.
In dieser Verlängerung hatte Lugano die Scheibe häufig unter Kontrolle. Allerdings braucht es für ein Tor nicht nur Kontrolle, sondern auch Abgeklärtheit. Und genau diese Abgeklärtheit hatte der Berner Captain Waltteri Merelä. Er erzielte mit einem schönen Durchspiel den Berner Siegtreffer. „Wir haben heute einmal mehr gelernt, dass man Tore schiessen muss, wenn man besser spielt.“ Wo er recht hat, hat er recht, Waltteri Merelä.
Nach dem Spiel sah man Tristan Scherwey seine Freude über den Sieg richtig an. „Ich habe immer Freude, wenn wir gewinnen,“ meinte Scherwey, darauf angesprochen. „Vielleicht geniesse ich es jetzt eine Spur mehr, weil ich immer die Realität im Hinterkopf habe, dass es mein letztes Jahr hier sein könnte,“ um gleich wieder vom Positiven zu reden. „Am Schluss sind wir dankbar für das, was wir heute holen konnten und nicht traurig auf was wir verpasst haben.“ Mit solch einer Einstellung könnte es durchaus sein, dass der SCB den per Ende Saison auslaufenden Vertrag mit Tristan Scherwey verlängert.
Best player:
Bern: Mats Alge
Lugano: Jere Innala
Und dann ging es um 1645 Uhr vor grosser Kulisse weiter mit dem Zähringer Derby der Damen zwischen SCB und Gottéron. Der folgende Matchbericht statt von der Homepage des SCB:
Zweites Heimspiel, zweiter Sieg: Am Family Day gewinnen die SCB Frauen das Zähringerderby gegen Fribourg-Gottéron verdient mit 5:1, vor 3’950 Fans und damit vor so vielen Zuschauenden wie noch nie.
Auf dem Eis ging zuerst Fribourg in Führung: Aiyana Vuillemin traf in der 7. Minute zum 0:1. PostFinance TopScorerin Sinja Leemann glich nach Vorarbeit von Ada Eronen nur drei Minuten später aus. Kurz nach Beginn des Mitteldrittels drehte die erst 14-jährige Maela Mosimann das Spiel mit dem 2:1. Im Schlussdrittel schoss sie auch das 3:1 und machte damit ihren Doppelpack perfekt. Danach folgte Ann Gafners erstes Tor in der PostFinance Women’s League: Sie traf im Powerplay zum 4:1. Captain Lara Christen erhöhte zwei Minuten vor Schluss in Unterzahl ins leere Tor auf 5:1.
Emotional wurde es rund um Saskia Maurer. Die Torhüterin bestritt ihr 91. und vorerst letztes Spiel für den SCB, bevor sie ihr Abenteuer in Übersee beginnt. Sie liess nur einen Gegentreffer zu und wurde zum Abschied nochmals als Best Player ausgezeichnet.
Jetzt folgt die Nationalmannschaftspause. Für die WM-Vorbereitung sind mit Alizée Aymon, Sinja Leemann und Saskia Maurer gleich drei Spielerinnen der SCB Frauen aufgeboten.
„Wir wurden gegen Schluss immer besser und konnten so viele Tore schiessen,“ bilanzierte die erst 14-jährige Maeila Mosimann in abgeklärter Weise nach dem Spiel. Auch wenn die Bernerinnen zuerst in Rückstand gerieten, hatten sie die Partie in der Folge im Griff. Was bestimmt auch an folgendem liegt, wie die zweifache Torschützin Maela Mosimann meinte. „Wir haben einen guten Teamspirit, jedes mal wenn wir ins Training kommen, herrscht gute Stimmung. Es ist halt cool, wenn du kommen kannst und jede geht für jede.“
Vor einer so grossen Kulisse zu spielen, war für die SCB Damen ein tolles Erlebnis. Jetzt folgt die Nationalmannschaftspause. Auch Saskia Maurer, die Torhüterin des SCB, geht jetzt in die Nationalmannschaft und kehrt danach nicht mehr zu Bern zurück, sondern geht nach Übersee nach Las Vegas. Maurer wurde vor dem Spiel verabschiedet und blickte nach dem Spiel, darauf angesprochen, auf ihre Zukunft. „Zuerst lasse ich mal den heutigen Sieg setzen und danach gehen wir drei Wochen an die WM. Vegas ist im Moment noch sehr weit weg, ich freue mich aber auf diese Zeit und bin sehr gespannt wie es sein wird. Ich habe Respekt davor, freue mich aber auch.“
Der Meisterschaftsstart der Damen in Übersee ist am 5. Dezember, ab dem 18. November startet das Vorbereitungscamp. „Ich werde meine Familie und auch alle Leute hier aus Bern sehr vermissen. Es wird aber immer wieder ein Nach-Hause-kommen geben. Im Sommer werde ich sicher bei Bern anfragen, ob ich hier mit trainieren kann. Hörbar berührt schloss Saskia Maurer das Interview ab mit den Worten. „Wenn ich wieder mal in der Schweiz spielen werde, früher oder später, dann weiss ich, dass ich zum SCB will. Ob sie mich dann noch wollen, ist die andere Frage,“
Und so wird also die 25-jährige Saskia Maurer nach Übersee aufbrechen, um in Las Vegas im auf diese Saison neu gegründeten Team PWHL Las Vegas das Tor zu hüten. eishockey-online.ch wünscht Dir, liebe Saskia alles Gute und viel Erfolg in Las Vegas. Und ja, wenn du wieder zurück kehrst, sind wir sehr zuversichtlich, dass der SCB dich wieder wollen wird.
SC Bern – HC Lugano 2:1 nV (0:0 |1:0 |0:1)
Tore:
1:0 | 25.| Mats Alge (Dionicio)
1:1 | 55.| Jere Innala (Kupari, Shore)
2:1 | 64.| Waltteri Merelä (Mitchell, Abols)
Zuschauer:
16’606 Zuschauer
Postfinance Arena Bern
Foto: Valentin Lagger