
Der SCB Vollgas und „a bissi cooler“
Wir dachten in dieser Saison schon einige Male, dass der SCB einen Schritt in die richtige Richtung gemacht hat. Mit der Rückkehr aus der Verletzungspause von Benjamin Baumgartner (Foto) und der Verpflichtung von Mike Scarbossa zeigten die letzten drei Partien einen weiteren solchen richtigen Schritt. Auf dass dieser Schritt der nun wirklich Richtige sein möge.
Mike Sgarbossa, der kanadische Neu-Zuzug bei Bern, der letzten Samstag in seiner ersten Partie für den SCB gegen die ZSC Lions gleich drei Scorerpunkte buchte, stand heute zum ersten Mal in der Postfinance Arena auf dem Eis. Scarbossa ist 33 Jahre alt und stammt aus der kanadischen Provinz Ontario. Seit Juli 2025 war er beim HC Lugano unter Vertrag und nun spielt er leihweise für den SCB. Zuvor war Scarbossa bei mehreren NHL Vereinen unter Vertrag, kam dabei aber überwiegend in den Farmteams des American Hockey League (AHL) zum Einsatz,.
Beim SCB hat Scarbossa nun dreimal gespielt und die Mutzen haben mit ihm dreimal gewonnen. Letzten Samstag und gestern Freitag jeweils auswärts gegen die ZSC Lions und die Rapperswil Jona Lakers und heute eben zuhause gegen Lausanne. Auch zurück im Team ist nach einer Verletzungspause der Stürmer Benjamin Baumgartner. Nach dem Spiel darauf angesprochen, dass Bern gewinnt, seitdem er, Baumgartner, zurück sei, leitete dieser die Blumen gleich weiter. „Ich glaube nicht, seitdem ich zurück bin, sondern seitdem wir den Mike haben. Mit ihm sind wir auf der Centerposition gut aufgestellt, was unser Spiel einfacher macht.“ Wobei zu diesem Thema dann schon noch angemerkt sei, dass Mike Scarbossas erstes Spiel für den SCB ziemlich genau mit Baumgartners Rückkehr korreliert. Zwei Puzzlesteine, die zum Erfolg führen.
Ebenfalls wieder auf dem Eis, und damit nicht mehr wie gestern überzählig, war der Berner ausländische Torhüter Adam Reideborn. Bern schickte sich heute – dieses Mal erfolgreich – zum vierten Mal im Jahr 2026 an, einen Heimsieg zu landen und die in diesem Jahr miserable Heimtorausbeute von 1 (!!) zu erhöhen. Mit Adam Reideborn im Tor entfachte man beim SCB allerdings quasi automisch wieder die mit einer Ausländerlizenz zusammenhängende Torhüterfrage. Der Sieg des SCB gestern Abend in Rapperswil verdeutlichte einmal mehr, dass der Berner Sportchef Diego Piceci richtig liegt, wenn er sagt: „Wenn wir mit sechs ausländischen Feldspielern antreten können, erhöht das die Stabilität.“. Der Berner Trainer Heinz Ehlers verzichtete heute auf diese Stabilität, trotzdem gewann Bern. Was belegt, dass verschiedene Wege zum Ziel führen können.
Der SCB nahm heute das Zepter von Anfang an in die Hand und kreierte sich Chancen. Und auch heute – wie in allen bisherigen Heimspielen auch – verzeichnete der SCB mit 31:24 mehr Torschüsse als sein Gegner Lausanne. Die Lausanner ziehen seit einiger Zeit eine kleine Schwächephase ein. Vor rund einem Monat waren sie noch in den top Drei klassiert, mittlerweile sind sie auf Rang sechs abgerutscht. Wie bereits erwähnt: Bern spielte im ersten Drittel eine ansprechende Partie und war die bessere Mannschaft. Trotzdem endete dieses Drittel einmal mehr 0:0- Pause.
„Öbbe eis chneble“, der Podcast von Nicola Lohri, Alex Zimmermann und Matthias Fuchser hatte uns von eishockey-online.ch in deren Podcast-Ausgabe vom letzten Mittwoch mit dem Titel „Machtkampf beim SCB“ zitiert. Machtkampf beim SCB – Eishockey-Online Schweiz In diesem Bericht hatten wir folgendes geschrieben: „Zwischen dem Coach und der sportlichen Leitung bestehet eine sehr offensichtliche Uneinigkeit bezüglich der Torhüterfrage und der Frage zu den ausländischen Verstärkungsspielern. Die Podcaster von „Öbbe eis chneble“ nahmen unseren Bericht zum Anlass, um für den SCB die Trainerfrage zu stellen und kamen mehrheitlich (2:1) zum Schluss, dass es bei Bern einen Trainerwechsel braucht, damit ein Ruck durchs Team gehen kann. Aber klar, das war letzten Mittwoch, vor den beiden Siegen gestern und heute. Die Welt sieht inzwischen etwas anders aus.
In der 26. Minute ging Lausanne durch Théo Rochette in Führung. Und ja, zu diesem Zeitpunkt durfte man mit Fug und Recht befürchten, dass die bisherige Berner Heimtorflaute weiter gehen würde. Und zu diesem Zeitpunkt hätte man auch den Berner Coach Heinz Ehlers für seinen Verzicht auf sechs „stabilisierende“ ausländische Feldspieler kritisieren können. Dann kam es aber anders. Bern kam zu Überzahlmöglichkeiten. Powerplays, die der SCB jeweils mit fünf gelernten Stürmern bestritt, wie das der Sportjournalist Nicola Lohri auf der Medientrübe festhielt.
Zum Ende eines dieser Powerplays erzielte Bern dann den Ausgleich. Getroffen hatte nicht die Powerplaylinie sondern die 4. Linie, die zum Ende des Powerplays aufs Eis beordert worden war. Dieses 1:1 leitete die Wende in diesem Spiel ein. Benjamin Baumgartner erklärte nach dem Spiel wie diese Wende gelungen war: „Dass man 0:1 hinten ist, das ist Eishockey, das ändert aber nichts an unserem Spiel. Wir wollten weiter powern und sind nun mehr oder weniger zufrieden. Marco Lehmann war es, der zum 2:1 traf. Die Berner Führung ging zu diesem Zeitpunkt absolut in Ordnung. 2:1, so endete das 2. Drittel. Pause. Die Heimzuschauer waren versöhnt.
In der 50. Minute erhöhte Walteri Merelä zum letztlich siegsichernden 3:1. Marc Marchon hatte ihn mustergültig bedient. Auch im kurz darauf folgenden Powerplay spielte Bern ansprechend, allerdings ohne ein weiteres Tor zu erzielen. Wegen zu vielen Spielern auf dem Eis gerieten dann auch die Berner rund fünf Minuten vor dem Ende in Unterzahl. Auch das Lausanner Powerplay war ansprechend, aber ebenso torlos, wie jenes der Berner zuvor. „Stöht uf we dir Bärner syt“, hallte es zwei Minuten vor Schluss von der grossen Berner Stehplatzrampe hinunter. Lausanne hatte längst seinen Torhüter durch einen sechsten Feldspieler ersetzt. Aber Adam Reideborn hielt im Berner Tor dicht. Und so gab es ihn, diesen ersten Heimsieg in diesem Jahr 2026.
„Wir brauchen Punkte, so viele wie möglich. Wir müssen immer besser werden, wir müssen powern, das ist die Identität des SCB. Vollgas geben und kämpfen und – ja – e bissi cooler werden“, fasste Benjamin Baumgartner die aktuelle Lage des SCB in seinem wunderbaren österreichischen Akzent völlig zutreffend zusammen. Das heute war ein Schritt in die richtige Richtung, um die aktuelle Saison zu „retten“. Die Verantwortlichen des SCB stecken aktuell in einer doch etwas kniffligen Situation. Einerseits sollte man – wie erwähnt – die aktuelle Saison „retten“, anderseits sollten jetzige Entscheide auch im Hinblick auf die nächste Saison richtig sein. Und für die nächste Saison sind zusammenfassend die folgenden Entscheide zu treffen:
- Heinz Ehlers wird nach der Saison in seine dänische Heimat zurückkehren. Damit braucht der SCB einen neuen Trainer.
- Auf der Goali-Position steht der Grundsatzentscheid an, ob man nicht besser mit Schweizer Torhütern spielt, um mit sechs ausländischen Feldspielern agieren zu können. Mit den aktuell unter Vertrag stehenden Schweizern Zurkirchen, von Burg und Henauer hat der SCB valide Optionen.
- Und selbstverständlich wird sich der SCB für die nächste Saison ein kompetitives Kader zusammenstellen müssen.
Und äbe: Ein erfolgreicher Verein wirkt für Neuverpflichtungen immer attraktiver. Insofern wird es wichtig sein, diese Saison gut abzuschliessen, um auf dem Transfermarkt erfolgreich zu sein. Die sportliche Führung des SCB hat wichtige Aufgaben zu lösen. Und eines ist sicher: der Gesprächsstoff wird uns Medien nicht ausgehen. Ob in Form von schriftlichen Berichten oder auch von Podcasts.
Best Player:
Bern: Benjamin Baumgartner
Lausanne: Théo Rochette
SC Bern – Lausanne HC 3:1 (0:0 | 2:1 | 1:0)
Tore:
0:1 | 26.| Théo Rochette (Oksanen, Riat)
1:1 | 32.| Mats Alge (Müller, Untersander)
2:1 | 34.| Marco Lehmann (Ejdsell, Scarbossa)
3:1 | 50.| Waltteri Merelä (Marchon, Kreis)
Zuschauer
16’502 Zuschauer
Postfinance Arena